Freitag, 18. Mai 2012
 


Auf der Suche nach Leistungs-Aussagen innerhalb der Trakehner Zuchtpopulation betrachtete Zuchtleiter Lars Gehrmann die Verteilung von Trakehner S-Pferden nach ihren Vätern. Aus einem Zeitraum von fast 30 Jahren kommen interessante Ergebnisse zu Tage.

Für ein Turnierpferd ist es schon eine besondere Leistung, in die Klasse S aufzusteigen. Auch wenn zum Beispiel ländliche S-Erfolge manchmal eher abfällig zur Interpretation herangezogen werden, so bildet doch fast jede S-Platzierung ein sehr beachtliches Leistungsmerkmal, welches nicht nur Aussagen über den Beritt und die Ausbildung, sondern auch über die Qualität des Pferdes und seiner Abstammung zulässt. In der vorliegenden Auswertung handelt es sich um S-Prüfungen der Disziplinen Dressur (59 Prozent der Pferde), Springen (28 Prozent), Vielseitigkeit (5 Prozent) und Fahren (8 Prozent).

Führungsriege unverändert

In der Spitzengruppe der Väter, die die meisten Nachkommen mit Erfolgen in den Turnierprüfungen der Klassen S aufzuweisen haben (Tabelle S. 24), gibt es eigentlich nicht viel Neues zu berichten, denn die Namen sind bekannt: AROGNO, MACKENSEN, CONSUL, MAHAGONI, HABICHT, CAPRIMOND, KOSTOLANY, MARDUC, ROCKEFELLER. Diese Hengste stehen nicht das erste Mal im Rampenlicht züchterischer Großtaten. Sie haben viele gekörte Söhne, Spitzenstuten als Töchter und hohe Zuchtwerte auf sportlicher und züchterischer Basis. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie auch diese Auswertung bestimmen. Alle diese Hengste eint aber auch eine wichtige Voraussetzung für soviel Erfolg: Sie waren in der Züchterschaft beliebt und haben relativ viele Stuten gedeckt. Viele Stuten sind also die vielleicht wichtigste Grundlage epochaler Bedeutung. Aber: Viele Stuten müssen sich die Hengste auch verdienen. Und: Der Umkehrschluss gilt nicht. Denn viele Stuten allein reichen nicht für so viele Erfolgs-Parameter. Und deshalb sind oder waren diese Hengste wirkliche Spitzenvererber.

Bettina Karl und Karl Wilhelm veröffentlichten im Jahre 2005 in der Juni-Ausgabe der TRAKEHNER HEFTE eine Auswertung des FN-Jahrbuchs Zucht hinsichtlich der Verteilung aktiver S-Pferde auf die Väter. Diese durchaus wertvolle Auswertung betrachtet ein relativ kleines Zeitfenster. Die Basis der vorliegenden Listen bilden alle Erfolge von Trakehner Turnierpferden zwischen 1976 und dem Jahre 2004, wobei Auslandserfolge nicht vollzählig berücksichtigt sind. Bei einem fast 30-jährigen Zeitrahmen lassen sich natürlich auch Betrachtungen über Lebensleistungen einzelner Vererber herleiten.

Und so lesen sich die 7 S-Nachkommen von ENRICO CARUSO und die 6 S-Nachkommen von ELFENGLANZ doch ganz beachtlich, zumal beide Hengste im Alter von rund zehn Jahren nach Amerika beziehungsweise Australien exportiert wurden. Andere, vergleichbare Hengste mit ähnlichem Lebenslauf wie zum Beispiel INSTERRUF oder MOZART bringen es nur auf ein oder zwei S-Nachkommen. Das sind Fakten, die durchaus auch züchterisch interpretiert werden können.

Wenig Stuten, viel Erfolg

Natürlich müssen die Sportergebnisse auch unter Berücksichtigung der gedeckten Stuten betrachtet werden. Und unter genau diesem Aspekt fallen folgende Hengste besonders positiv auf: HYLLOS (9 Trakehner S-Pferde), TIPPERARY (6), AMATEUR II (4), ARRAK (4), KONTAKT (4) und XAVER (4) verfügen über eine gute Erfolgsquote bei nicht besonders hohen Bedeckungszahlen. Andere Hengste mit großer Popularität und weitaus mehr gedeckten Stuten brachten es auf jeweils nur ein S-Pferd mit Trakehner Brand: BORIS, CORVIN, DONAUMONARCH, ERZSAND, FROHSINN, GELRIA, GUNNAR, HESSENSTEIN, KARWENDELSTEIN oder beispielsweise MEMELRUF.

Der Einfluss der Vollblüter und Araber ist bei diesen insgesamt 816 ausgewerteten Pferden durchaus überschaubar: 36 englische Vollblüter stellen insgesamt 43 Trakehner Pferde mit S-Siegen oder Platzierungen. Einsam an der Spitze steht der nun schon vor 30 Jahren abgetretene PRINCE ROUGE xx mit 5 S-Nachkommen, der besonders in Birkhausen in Verbindung mit dem CARAJAN-Blut zu großen Erfolgen seiner Kinder im Parcours kam. Es folgen gleichauf SWAZI xx und SIR SHOSTAKOVICH xx mit jeweils 3 S-Nachkommen vor den Hengsten NEUQUEN xx, PRAEFECTUS xx und PATRICIUS xx mit jeweils zwei S-Nachkommen. Alle verbleibenden 29 Vollblüter treten nur mit einem Nachkommen in dieser Auswertung auf. Einziger noch aktiver Beschäler dieser Riege ist der Hörsteiner Elite-Hengst BEG xx, der neben SKY DANCER noch zwei im östlichen Ausland erfolgreiche S-Pferde aufzuweisen hat.

Auch bei den Arabern ist die Ausbeute übersichtlich, wobei zwei Vererber das Geschehen sehr positiv beeinflussen: der enorm wichtige Habicht-Vater BURNUS AAH mit 4 S-Dressurpferden und 2 S-Vielseitigkeitspferden und der immer wieder zu lobende Shagya-Hengst BAJAR Ar. mit 2 S-Dressur-Nachkommen und 3 S-Vielseitigkeits-Nachkommen. Das ist eine stolze Leistung für Spezialisten, zumal Bajar Ar. nun wahrlich wenig Trakehner Stuten belegte. INSCHALLAH AA lieferte zwei Trakehner S-Pferde und mit jeweils einem erfolgreichen S-Nachkommen folgen die Araberhengste CHARMANT AA, GHAZZIR Ar., PALADIN AA und UPAN LA JARTHE AA.

Aktive S-Väter

Auch für mehrere noch aktive Vererber aus dem Trakehner Hengstverteilungsplan 2006 lassen sich aus dieser Statistik wertvolle Erkenntnisse ziehen. Unter den erfolgreichsten Vätern, die in der Tabelle auf Seite 24 aufgeführt sind, befinden sich die Beschäler CAPRIMOND, KOSTOLANY, TUAREG und HERZRUF. Besonders die Leistung von Herzruf mit 7 S-Nachkommen muss hier klar gewürdigt werden, denn er ist mit 19 Jahren der jüngste Hengst in dieser Tabelle der Spitzenklasse.

Neun Väter haben jeweils 5 S-Nachkommen aufzubieten, und drei dieser Väter sind noch aktiv im Zuchteinsatz: GIPSY KING, LEHNDORFF´S und VAN DEYK. Die anderen Hengste dieser Gruppe sind BAJAR Ar., HALALI, IBIKUS, POLARGEIST, PRINCE CONDE und dessen Vater PRINCE ROUGE xx. Gerade für den Moritzburger Landbeschäler Gipsy King mit nicht übertriebenen Bedeckungszahlen ist diese Quote eine erstklassige Visitenkarte für den zukünftigen züchterischen Einsatz.

Der 15-jährige HOHENSTEIN ist als einziger aktiver Vererber in der Reihe der Väter vertreten, die 4 Nachkommen mit Erfolgen in der Klasse S aufzuweisen haben: AMATEUR II, AMIEGO, ARRAK, GUTER STERN, HEMMINGWAY, HERZBUBE, HOHENSTEIN, ISTANBUL, KENNEDY, KONTAKT, POSTMEISTER, SEEADLER, TÜMMLER, UNKENSEE, VALERIAN, XAVER und ZAUBERKLANG.

Und auch unter den Vätern mit drei S-Nachkommen befinden sich gute und schon bewährte Vererber aus dem aktiven Trakehner Hengstbestand, die in Zukunft sicher noch mit weiteren positiven Sportschlagzeilen auf sich aufmerksam machen werden: CHARLY CHAPLIN, GUTER PLANET, HANDRYK, MICHELANGELO, NAPOLEON QUATRE und SIR CHAMBERLAIN. Auf jeden Fall sollten sich die Züchter die mehrfachen Väter von S-erfolgreichen Turnierpferden gut einprägen, denn sie stehen meist für einen positiven Leistungsimpuls im Pedigree. Schließlich ist die Zahl von S-Nachkommen ab einer bestimmten Häufigkeit bestimmt kein Zufall mehr.

Die erfolgreichsten Sportpferde und die Züchter der Stars

in der Kl. S stellen wir in der nächsten Ausgabe vor.

SUMMARY:

In an approach to determine performance criteria in the Trakehner breed, breeding director Lars Gehrmann focuses on the sires of successful competition horses of S-level. Every achievement at S-level constitutes a token of performance, providing information not only about the rider and the training but also about the quality of the horse itself and the horse´s pedigree. The survey evaluates the results of Trakehner competition horses at S-level in dressage (59 percent of the horses), show jumping (28 %), eventing (5 %) and driving (8 %) from 1976 to 2004. Results achieved in countries other than Germany have not all been taken into account. In considering the accomplishments of progeny in competition in proportion to the mares covered, some stallions that were not fully booked boast a rather high rate of successful sport horses: Hyllos (9 Trakehner sport horses at S-level), Tipperary (6), Amateur II (4), Arrak (4), Kontakt (4), and Xaver (4).  Chart 1 gives a ranking of the most successful sires.

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