Freitag, 18. Mai 2012
 


Die Trakehner Sir Graditz, Lexikon, Schenkendorf und Lessen sind Werbeträger ihrer Rasse auf den großen englischen Turnierplätzen. Ingrid Christodoulou krönt ihr Faible für Trakehner Springgene mit nationalen Erfolgen ihrer Hengste im Parcours.

Im zarten Alter von 9 und 10 Jahren offenbarten Ingrid Christodoulous Töchter ihre Liebe zum Springsport. Damals hätte ihre Mutter sich nicht träumen lassen, dass damit der Grundstein für den nationalen und internationalen Erfolgskurs ihrer eigenen Pferde im Springparcours gelegt war. Die von nationalen Championatsschleifen gekrönten Ponyjahre der Töchter gehörten längst der Vergangenheit an, als Ingrid Christodoulou auf die ersten Trakehner auf der Insel aufmerksam wurde.

Trakehner mussten es sein, denn Ingrid Christodoulous familiäre Wurzeln liegen in Ostpreußen: Im Kreis Johannisburg inmitten Masurens idyllischer Seenlandschaft kam sie zur Welt. Aus der Zucht von Victoria von Wachter, einer dem Vielseitigkeitssport verschriebenen, begeisterten Züchterin der ersten Stunde englischer Trakehner Zucht kam die Roland-Tochter GODINGTON LORELEI ins Highfield Gestüt nach Sutton. Ingrid Christodoulou schickte sie auf die weite Reise nach Aachen zu Ursula Mittermayer, um sie vom Springvererber SUCHARD decken zu lassen. Ein Jahr später erblickte LEXIKON das Licht der Welt. Dreijährig in Addington zur Körung vorgestellt, verließ der athletische Youngster die Bahn mit dem Urteil „nicht gekört“. Eine verzweifelte Stunde für die Züchterin. In Tränen aufgelöst trat sie mit ihrem abgelehnten Hoffnungsträger die weite Heimreise an und konnte auch in den Folgemonaten ihre Enttäuschung nicht verwinden. Ehemann Chris wollte der Trauer seiner Frau nicht länger zuschauen und gab ihr schließlich zu Weihnachten das Versprechen, anlässlich des Trakehner Hengstmarktes Neumünster den Hengst mit der höchsten Springnote zu ersteigern.

Lexikon hat inzwischen alle Hoffnungen seiner Züchterin erfüllt: Nach wie vor in ihrem Besitz, behauptet er sich nunmehr neunjährig unter Andrew Davis mit Siegen und Platzierungen bis zur internationalen S-Ebene und zählt zu den ganz wenigen „Grade A“ - Trakehner Springpferden im Vereinigten Königreich.

Und auch Chris Christodoulou hielt Wort: Neumünster 1998 sah ihn in heftigem Bieterduell um den Hengst mit der höchsten Springnote. Er erhielt den Zuschlag für SCHENKENDORF, den bis dato einzigen in Deutschland gekörten Sohn des olympischen Goldmedaillengewinners Topki a. d. Schlodien v. Königspark xx (Z.: H.E. Wezel, Gestüt Schralling). Nach kurzem Zuchteinsatz in Deutschland wechselte er im Herbst 2000 in seine neue Heimat. Hart und stets leistungsbereit hat er hohe Platzierungen im Springsport bis zur höheren Ebene – dem deutschem M/A- Niveau vergleichbar – errungen. Ingrid besitzt ihn inzwischen in Partnerschaft mit seiner jetzigen Reiterin Lucie Turner, die mit ihm einer sportlichen Karriere in der Vielseitigkeits zustrebt. Ingrid Christodoulous Passion für springbetonte Abstammungen führte in diesen Jahren auch zur Begründung einer kleinen Zucht: CHANELL v. Almox Prints u.d. Celine v. Amiego, HERZLADY v. Donaumonarch u.d. Herzmaid v. Chopstick und SEQUIN v. Abdullah u.d. Stefanie v. Consul bilden die Stutenherde.

Springpferde vom Hengstmarkt

Eine Erfolgsgeschichte besonderer Art sollte SIR GRADITZ schreiben: Noch schmal, unreif und jugendlich präsentierte er sich anlässlich der Körung in Neumünster 1999. In seinem Adel, den vornehmen Manieren und vor allem seinen Talenten am Sprung zählte er zu den Publikumsfavoriten. So auch bei Ingrid Christodoulou. Zu einem vergleichsweise günstigen Kurs wechselte der athletische Schimmel in ihren Besitz. Als einzigem gekörten Sohn des erfolgreichen Vielseitigkeitshengstes INSTER GRADITZ kommt ihm ein besonderer züchterischer Stellenwert zu. Seine Mutter SUSI hat in der kleinen bäuerlichen Zucht von Andreas Feckl im oberbayrischen Dorfen eine hoch angesehene sportliche Dynastie begründet: Als CESAR-Tochter zählt sie zu den  wenigen Enkelinnen des OZEAN, der vor allem als Großvater der Springvererber-Legende GRANNUS an dessen Erfolgsgeschichte teilnimmt. Den Elitestatus sicherte sich Susi zudem durch ihren bis M-Springen erfolgreichen Kassius-Sohn SCHIMANSKI, vor allem jedoch durch dessen Vollbruder, den in S-Prüfungen siegreichen Springhengst Suchard. Er ist Vater der Prämienhengste BALISTO und LESSEN sowie deren Vollbrüder BUDWEISER CLASSIC bzw. LOSSOW.

In Ruhe zur Reife

Trotz seiner vielversprechenden sportlichen Blutführung waren Sir Graditz’ erste Schritte in seine reiterliche Zukunft von kleinen Pechsträhnen überschattet. Seine Hengstleistungsprüfung legte er mit eher mäßigem Gesamtresultat ab, punktete jedoch mit Spitzennoten in Charakter, Temperament und Leistungsbereitschaft und beeindruckte auch mit einem Springindex von 112,37 als 8. von 37 Teilnehmern. Seine Besitzerin ließ sich durch einen Gesamtindex von wenig mehr als 90 keineswegs beirren; ein hervorragender Springindex hatte für sie den höheren Stellenwert. In dieser Sparte sollte die sportliche Zukunft ihres Hengstes liegen. Die weitere Ausbildung gestaltete sich behutsam und mit viel Geduld, man ließ dem jungen Hengst Zeit zum Reifen. Erste Aufbauprüfungen bestritt er mühelos, kehrte mit Sieger- und Platzierungsschleifen heim. Daneben ging er auch seinem zweiten Beruf als Deckhengst nach: Seine Nachkommen aus Müttern verschiedenster Rassen und Herkünfte fallen durch hohen Adel, markante Körperpartien und kraftvolle Bewegungen auf und werden auf großen Fohlenschauen hoch bewertet. Nach behutsamen Aufbautraining und vorsichtigen Starts in altersgemäßen Prüfungen beeindruckte der mehr und mehr reifende Schimmel durch konstante Leistungsform. Ingrid Christodoulous Geduld, vor allem die Sorgfalt und tägliche Obhut, die sie all ihren Sportpferden zukommen lässt, zahlten sich aus: Im Jahre 2003 qualifizierte sich Sir Graditz für das Finale der 22 besten Sechsjährigen Englands anlässlich der „Horse of the Year Show“, vergleichbar dem Bundeschampionat des Deutschen Springpferdes. Das Jahr 2004 sah ihn an gleichem Ort im Finale der 22 besten Siebenjährigen. Es war auch das Jahr, in dem Sir Graditz seinen Reiter wechselte: Andrew Davis, Mitglied des englischen Nationalteams und zweimaliger Sieger im Nations Cup, nahm ihn in seinen Beritt.

Seitdem begleitet eine große Fangemeinde auf den Turnierplätzen alle Auftritte des Paars. „Silvie“, wie der strahlend schöne Silberschimmel von seinen Anhängern genannt wird, ist zu einem Hauptakteur in der Werbekampagne für seine Rasse geworden. „Horse and Hound“, die „Bibel“ unter den englischsprachigen hippologischen Fachzeitschriften, berichtet in begeisterten Kommentaren über die souveränen Ritte, die der beliebte Reiter auf dem Trakehner Hengst zelebriert. 2005 war das erfolgreichste Jahr seiner Turnierlaufbahn: Nach mehreren Platzierungen in Klasse S folgte die erneute Qualifikation für die „Horse of the Year Show“, einem der größten internationalen Turniere Europas für Achtjährige. Da nur die ersten zehn der BSJA-Ranking List automatisch eingeladen werden und Andrew Davis Ende August noch Rang 17 belegte, bestand nur noch auf zwei Turnieren die Möglichkeit sich zu qualifizieren. Im schottischen Rowallan gelang den beiden das scheinbar Unmögliche: Sechster in der Einlaufprüfung, dritter in M/A und schließlich der Sieg im Grand Prix, der erste ihrer Laufbahn. Die Einladung zur HOYS war perfekt. Hier zeigte sich Sir Graditz in Bestform: Die Einlaufprüfung sah ihn auf dem 7. Platz. Am Folgetag steigerte er nochmals seine Form und platzierte sich schlussendlich hinter Kristof Kleeren/ Belgien und John Whitaker auf dem 3. Rang. Platz und Gewinnsumme sicherten ihm den „Silver Elite Title“ - der erste und einzige Trakehner in dieser Ehrenliste der BSJA ( British Show Jumping Association), die insgesamt nicht mehr als 13 Silber-Elite-Hengste aufführt. In diesem Jahr wird der „Gold Elite Title“ angestrebt. In Anbetracht des sportlichen Ehrgeizes Ingrid Christodoulous, ihrer Liebe zu ihren Trakehnern, welche sie diese zu allen Turnierplätzen begleiten lässt sowie ihrer Großzügigkeit und freundschaftlichen Partnerschaft zu den Reitern ihrer Pferde stehen die Sterne nicht schlecht für Sir Graditz und die Trakehner vom Highfield Stud. Denn auch LESSEN (Z.: Hedwig Korioth-Hermes, Monschau), der noch jugendliche Prämienhengst v. Suchard aus der Bundessiegerstute Lossainen, gilt als weiterer Hoffnungsträger für eine erfolgreiche Sportlerkarriere. Seine ersten Prüfungen bestritt er in bewundernswerter Form, mit besten Manieren und einem von Fachleuten attestierten Vermögen für höhere Aufgaben.

     Erhard Schulte

SUMMARY:

 

When her young daughters started to compete in show jumping on their ponies, Ingrid Christodoulou would not have dreamt about her own career as a proud owner of international show jumpers. She choose Trakehners, because her family roots go back to East Prussia. Homebred Lexikon by Suchard is now a grade A show jumper. In 1998 she bought Schenkendorf by Topki, graded with the highest jumping score of the grading and now eventing successfully. The star of her barn is Sir Graditz by Inster Graditz, who has been prepared very carefully for his high performance career. He has qualified three times for the Horse of the Year show and after his 3rd appearance in 2005 with Andrew Davis he has become the only Trakehner stallion among 13 stallions, who has been awarded the “Silver Elite Title” by the BSJA. Upcoming star of the future is premium stallion Lessen by Suchard, who completes the jumping star team at Highfield stud.

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