Freitag, 18. Mai 2012
 


Dänemark, ein Land der Tierzüchter, beherbergt seit jeher eine hochklassige Sportpferdezucht und hält aktuell den 5. Rang Dressur in der FEI World Ranking List. Einen erheblichen Anteil daran haben Trakehner Pferde - spätestens seit dem Zusammenschluss der dänischen Züchter zu einem überaus aktiven und innovativen Tochterverband.

Vor 35 Jahren, am 8. Oktober 1971 formierte sich der Trakehner-Avlsforbundet i Denmark. 1983 fanden seit Jahren bestehende Vereinbarungen und Zusammenarbeit ihren schriftlichen Niederschlag. Schleswig-Holstein, die Keimzelle der westdeutschen Trakehner Zucht, hat in enger nachbarschaftlicher Beziehung entscheidend zum Aufbau der dänischen Trakehner Zucht beigetragen. Wichtige Impulse gingen und gehen nach wie vor von hier aus; die  Betreuung, Beratung und Schulung der dänischen Züchter entsprachen Pionierarbeit. Mit Hochachtung wird im nördlichen Nachbarland immer noch der Name von Andreas Peter Graf von Bernstorff ausgesprochen. Das Ehrenmitglied des Trakehner Verbandes hat in unermüdlichem Einsatz wichtige Aufbauarbeit bei der Begründung des Tochterverbandes geleistet.

Auch die ersten Mutterstuten stammten aus Schleswig- Holstein: Ove Hvidberg und  Kurth Larsen holten SONETT v. Famulus und die Loretto-Töchter LOLA III und BEATRICE ins Land, später auch MASSLIEBCHEN v. Lothar, deren wertvolle Familie heute beim 2. Vorsitzenden der TAF, Steffen Madsen, gepflegt wird. Eine wichtige Rolle spielten auch Trakehner Stuten aus Polen. Anna Aaby, Tochter des unvergessenen schwedischen Trakehner Mentors Dr. Aaby-Ericcson, begründete mit der Pyrrhus-Tochter PYRAMIDA aus Racot einen der tragenden Stutenstämme. Erik Joergensens traditionsreiche Erfolgszucht besitzt ihre Wurzeln in der schwarzen EURYDKA v. Moranek aus Liski. Anders Dahl zählt zu den Gründungsmitgliedern der TAF; in seinem Engagement und mit seiner großen Sachkenntnis ist er die Seele der Züchtergemeinschaft. Seine Stutenfamilien der PRUNELLA v. Blinker, MOULIN ROUGE v. Donauwind und vor allem TENDER TOUCH xx v. World Record xx zählen zu den wertvollsten und einflussreichsten.

Große Hengste und einflussreiche Vererber

Ove Hvidberg war es auch, der auf der Stutteri Skovly eine der ersten Trakehner Deckstationen einrichtete: LOCKRUF I v. Traumgeist xx, GUNNAR v. Komet, BLINKER v. Magnet und DONAUSCHIMMER v. Valentin wurden zu Hauptvererbern der ersten Jahre.

1974 wurde eine neue züchterische und sportliche Epoche eingeleitet: Paul Mauritzen holte für seine neu errichtete Deckstation im Norden Jütlands die Vererber HERBSTSTURM v. Komet und SCHWARM v. Traumgeist xx, die auf eine glanzvolle Beschälerkarriere im Gestüt Hörstein zurückblickten. Ihnen folgte der imponierende ARSENAL v. Waldzauber und mit DONAUWIND v. Pregel und IBIKUS v. Hertilas zwei berühmte Sportpferdevererber. Der große Pferdemann gilt nach wie vor als ein Wegbereiter für das hohe sportliche Renommee, das Trakehner Hengste heute in Dänemark genießen.  Den guten Ruf der Trakehner Hengste im dänischen Königreich festigten FALKNER v. Pasteur xx, SCHWEDENGRUSS v. Kunzit, BARON v. Impuls, ERLKÖNIG v. Schwalbenflug, die aus heimischer Zucht stammenden CHOPSTICK v. Deadley Nightshade xx und CANTUS ASS v. Ibikus sowie der Arogno-Sohn TRAUMDEUTER.

Ein weiterer Arogno-Sohn hat jedoch wie kein anderer Hengst vor ihm Akzente gesetzt: Als Kaj Olesen und Olav Brandorff SCHWADRONEUR auf ihre Station auf Seeland holten, war dem noblen Ibikus-Enkel keineswegs der Ruf als Reformator und Stolz der dänischen Dressurpferdezucht prophezeit. Seine Kinder sind hoch begehrte und hoch veranlagte Dressurpferde, viele von ihnen starten erfolgreich in internationalen Konkurrenzen. Seit Jahren behauptet er sich in der Auflistung der erfolgreichsten Dressurvererber auf der Spitzenposition. Auch der Bundeschampion INDUC v. Marduc und die Blue Hors Beschäler SILVERMOON v. Kostolany und HERTUG v. Schwadroneur haben hervorragende Verdienste als Lieferanten von Reitpferden in bedeutendem Format und mit hochklassiger Veranlagung.

20 Hengste sind gegenwärtig im Hengstbuch des TAF eingetragen, darunter bekannte Namen wie der S-erfolgreiche Dressurhengst SAINT CLOUD v. Neuquen xx, der sportive GODOT v. Freudenfest und mit dem Prämienhengst KAISER WILHELM v. Lehndorff’s ein Dressurstar jüngerer Generation. ARMANO, der prämierte Halbblüter v. Buddenbrock, bewohnt im renommierten Blue Hors Stud die Nachbarbox zum internationalen Dressurstar Don Schufro. Das hohe sportliche Renommee der dänischen Trakehner Zucht hat einige ihrer Hengste auch in der deutschen Zucht hoffähig gemacht: Der Gunnar-Sohn PYRMONT war in den siebziger Jahren der erste, dazu traten in den Folgejahren CAMELOT v. Arsenal, GORTUS v. Cantus, mit PERNAMBUCO der letzte Ibikus-Sohn, weiterhin GOODWOOD v. Partout und der schwarze Typhengst SCHIFFON v. Anduc. Jens Skude stellte mit CADEAU v. Silvermoon einen jungen Hauptvererber für das Gestüt Hörstein. Den unübersehbaren Einfluss einiger Trakehner Hengste dokumentieren ihre Nachkommenzahlen (jeweils inkl. ihrer Nachkommen in der Warmblutzucht): Schwadroneur: 838, Hertug: 443, Schwedengruss: 433, Falkner: 341, Ibikus: 316, Herbststurm: 303, Traumdeuter: 298 und Donauwind: 285.

Züchter und Sportler

Mehr als 300 Mitglieder bilden heute die TAF. 200 eingetragene Mutterstuten stellen ihr züchterisches Potential, in jedem Jahr werden 140 Fohlen mit dem Brand der Elchschaufel und dem angeschlossen „D“ gebrannt. In den letzten Jahren haben sich wertvolle Stutenfamilien mit ihren Angehörigen in Szene gesetzt. Der Stamm der Webelsgrunderin INSTANZ v. Etong, Halbschwester des Ibikus, kam durch Leif Rysgard ins Land. In seiner Zucht blühten auch die Zweige der Cordula-Tochter CORDELIA und der Dohnaschen KORFU v. Schwalbenflug. Die Birkhausenerin PILLAU v. Donauwind hat über ihre Töchter PERGULA v. Grimsel und PAPRIKA v. Elfenprinz bei Kaj Olesen und Olav Brandorff eine Dynastie begründet, der auch die gekörten Hengste Pidroneur, Parlör und Preussenwind angehören. Auch der Stamm, der von der polnischen Angloaraberin HERBA x ausgeht, nimmt eine dominierende Stellung ein: die gekörten Hengste Henkel, Hercules, Harley ( USA) und schließlich der berühmte Hertug zählen dazu.

Mit Stolz pflegt Peter Christensen die Familie der hochdekorierten TANNENMEISE v. Sterndeuter, ihre Enkelin TAMARA v. Schwadroneur war mit 140.000 DM umjubelte Auktionsspitze beim Hengstmarkt 2000. Den Erfolg wiederholte Bjarne Norgaard im Folgejahr mit Tamaras Halbschwester EVITA (Spitzenpreis NMS 2001: 110.000 DM). Auch ihre Tochter, die amtierende Jahressiegerstute, EVVIVA v. Kaiser Wilhelm, entstammt seiner Zucht.

Grethe Aagaard’s Gestüt Conradineslyst kann mit Stolz für sich in Anspruch nehmen mit den Brüdern KOUGAR von C und KOBRA von C v. Gribaldi zwei hoch angesehene Hengste für die ATA hervorgebracht zu haben. Doch alle Fäden laufen zusammen bei Pia Prom: Bei ihr verbrachte Ibikus seinen Lebensabend. In unermüdlichem und bewundernswertem Einsatz bewältigt sie all das, was mit dem lapidaren Begriff „Organisation“ bezeichnet wird. Die Auflistung dieser Erfolgzüchter erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt jedoch den Sachverstand und den hohen Anspruch, den dänische Trakehner Züchter an Typ- und Gangqualität, vor allem aber an die Sportlichkeit ihrer Pferde stellen.

Dänische Trakehner haben internationalen Ruf: Die Schwadroneur-Söhne ESPRIT (Nicole Ahlefeldt Lauvig-Lehn) und ROI DE COEUR (Dominique d’ Esmee), Vollbruder des Hertug, behaupten sich hochplatziert in World-Cup-Konkurrenzen. UNIK v. Schwadroneur und Hanne Ejlersgaard und MONTANAS MASERATI v. Sponeck mit Rikke Svane zählen zur nationalen Spitze im dänischen Dressurlager. Anne Grethe Törnblad galt unter ihrem Mädchennamen Jensen im Sattel ihres „Schweden-Trakehners“ MARZOG v. Heristal als eine der erfolgreichsten Dressurreiterinnen der Welt. Schwadroneur wurde in ihren Händen zu einem siegreichen Dressurpferd auf S-Niveau. Heute stellt sie seinen Sohn LADRONEUR erfolgreich in S-Konkurrenzen vor. PREUSSENWIND v. Gribaldi und CAMINERO R v. Partout stehen mit Sidsel Johansen, einer der besten jungen Reiterinnen im Königreich, am Beginn einer erfolgreichen Karriere. 70 – 80 junge Dressurpferde starten nach der  Qualifikation im Sommer eines jeden Jahres im Reitpferdechampionat der TAF – die Ernte aller züchterischen Bemühungen und eine weitere grundlegende Voraussetzung für den sportlichen Erfolg der dänischen Trakehner Pferde.

     Erhard Schulte

SUMMARY:

Trakehner breeding in Denmark started more than 40 years ago. Since the first imports of breeding stock in the early sixties, it has developed into a particularly active and forward-looking affiliated association. Trakehner stallions have greatly influenced the Danish warmblood, an internationally appreciated sport horse breed placed fifth in the dressage ranking of the WBFSH. Ibikus, Donauwind, Donauschimmer, Schwedengruß, Traumdeuter, and Falkner are famous for their offspring´s accomplishments as sport horses. But the most distinguished Trakehner stallion is Schwadroneur (by Arogno). Trakehner as well as warmblood breeders in Denmark take pride in him and his offspring: he sired numerous dressage horses competing at international level. The high reputation of Trakehner horses “made in Denmark” in Germany is confirmed by the top-selling auction mares Tamara and Evita and the supreme champion mare Evviva.

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