Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer von Stuten liegt bei 336 Tagen. Geburten zwischen dem 320. und dem 360. Tag sind normal. Frühgeburten sind in der Pferdezucht unerwünscht und enden für das Fohlen meist tödlich. Die Größenentwicklung des Fetus erfolgt erst im letzten Trächtigkeitsdrittel. Erst nach dem 300. Tag sind die Organreifung, insbesondere der Lunge, und die Entwicklung von Knochen, Fell und Augen weitestgehend abgeschlossen.
Spätestens ab dem 300. Tag der Trächtigkeit sollte die Stute auf Anzeichen für die bevorstehende Geburt untersucht werden. Etwa sechs Wochen vor der Geburt nimmt das Euter deutlich an Umfang zu. Wenige Tage vor der Geburt treten die zunächst im schwellenden Euter eingezogenen Zitzenspitzen heraus. Das Einsetzen der Euterfunktion zeigt sich durch die sogenannten Harztropfen, eine bernsteinfarbene klebrige Flüssigkeit an den Zitzenöffnungen, angetrocknetes Präkolostrum. Als geburtsnah gilt das Einschiessen der Milch. An den Zitzenöffnungen sind Milchtropfen erkennbar, bei einigen Stuten geht die Milch sogar im Strahl ab. Je nach Veranlagung der Stute können jedoch noch Stunden und Tage bis zur Geburt vergehen. Weitere Geburtsanzeichen sind das Einsinken der Beckenbänder und eine Erschlaffung der Vulva. Unmittelbar vor der Geburt zeigen viele Stuten kolikähnliche Symptome wie vermehrte Unruhe, Schwitzen, Umherlaufen, Scharren und häufiges Hinlegen.
Die drei Phasen der Fohlengeburt
Der eigentliche Geburtsvorgang wird in Öffnungsphase, Austreibungsphase und Nachgeburtsphase unterteilt. Die Öffnungsphase kann 1 bis 4 Stunden dauern. In dieser Zeit weitet sich der Geburtskanal, die Wehen werden äußerlich sichtbar. Durch die regelmäßigen Uteruskontraktionen werden die Fruchtblasen in die Öffnung des Muttermundes gepresst. Am Ende der Öffnungsphase zerreisst die Allantochorionblase und die wässrige Allantoisflüssigkeit fließt aus der Scheide ab.
Während der Austreibungsphase wird die Frucht in der noch intakten Allantoamnionblase (die weißliche, feste „Eihaut“) in den Geburtsweg vorgeschoben. Fast alle Stuten liegen während der Austreibungsphase in Seitenlage, die Beine von sich gestreckt. Einige Stuten wechseln zwischen den Wehen die Lage, erheben sich und legen sich erneut hin. Die normale Geburtslage des Fohlens ist die Vorderendlage, Schultergliedmaßen und Kopf sind in gestreckter Haltung. Bei einer normal verlaufenden Geburt sieht man zuerst etwas versetzt die beiden Hufe, kurz danach Maul und Nüstern des Fohlens. Ein wenig länger dauert es, bis Schulter und Brustkorb den Geburtskanal passiert haben. Dabei ist genau diese Phase während der Austreibung kritisch: Sobald die Brust des Fohlens aus dem Geburtskanal heraustritt, passiert der Nabel den knöchernen Beckenrand der Stute. Die Nabelschnur wird über den Beckenrand gezogen und kann vom Bauch des Fohlens gegen die knöcherne Unterseite des Geburtkanals gequetscht werden. Dadurch wird die Blutzufuhr aus der Gebärmutter behindert und die Sauerstoffversorgung des Fohlens eingeschränkt. Sind Kopf, Schulter und Bauch des Fohlens zu sehen, ist die akute Gefahr vorüber. Die Hinterbeine gleiten meist relativ mühelos aus der Stute. Die Dauer der Austreibungsphase beträgt selten mehr als 20 Minuten.
Die ersten Minuten im Leben
Normalerweise reißt spätestens jetzt die Eihaut durch die Bewegungen des Fohlens auf. Geschieht dies nicht, muss die Haut umgehend von einem Geburtshelfer geöffnet werden. Bleibt sie geschlossen, wird das Einsetzen der Atmung verhindert und das Fohlen erstickt. Zum Öffnen der Haut sind möglichst Einmalhandschuhe zu verwenden. Für jegliche Eingriffe rund um den Geburtvorgang gilt: Absolute Sauberkeit ist notwendig, um Infektionen von Stute und Fohlen zu vermeiden. Ist die Eihaut geöffnet, muss die Atmung des Fohlens genau kontrolliert werden. Die schnellen Atembewegungen sind im Bereich von Brust und Bauch deutlich zu erkennen. Setzt die selbstständige Atmung des Fohlens nicht ein, muss der Geburtshelfer sofort eingreifen: Ein Kaltwasserguss in den Nacken des Fohlens stimuliert das Atemzentrum ebenso wie die manuelle Stimulation der Nasenscheidenwand.
Es ist nicht notwendig, die Nabelschnur zu durchtrennen oder abzubinden. Unmittelbar nach der Austreibung fließen bei intakter Nabelschnur noch größere Mengen sauerstoffreiches Blut durch den Nabel. Eine zu frühe Durchtrennung der Nabelschnur würde sich eher nachteilig für das Fohlen auswirken. Normalerweise reißt die Nabelschnur beim Aufstehen der Mutterstute oder bei den ersten Aufstehversuchen des Fohlens an der dafür vorgesehenen „Soll-Bruch-Stelle“, ca. 8-10 cm unterhalb des Fohlen-Nabels. Der Nabelstumpf kann mit Hilfe von Jodtinktur desinfiziert werden, auf keinen Fall sollte er abgebunden werden, da eine Infektion durch Rückstauung die Folge wäre.
Letztes Stadium der Geburt ist die Nachgeburtsphase. Innerhalb von 2 Stunden nach dem Ende der Austreibungsphase lösen sich die Eihäute von der Gebärmutter und werden durch Muskelkontraktion der Gebärmutter ausgetrieben. Die Muskelkontraktionen werden bei einigen Stuten als heftige Nachwehen sichtbar. Beschleunigt wird die Ablösung der Nachgeburt durch frühzeitiges Saugen des Fohlens, da es durch die Stimulation am Euter zu einer Oxytocin-Ausschüttung bei der Stute kommt. Niemals darf an der Nachgeburt gezogen werden. Der Versuch, die Ablösung manuell zu beschleunigen, kann zu schweren inneren Verletzungen der Stute führen. Damit die Stute nicht auf die herabhängende Nachgeburt tritt, sollte ein Knoten in die Nachgeburtsteile gemacht werden. Ist die Nachgeburt nach 3 bis 4 Stunden nicht vollständig abgegangen, ist umgehend ein Tierarzt zu rufen. Nachgeburtsverhaltung oder in der Gebärmutter verbliebene Restteile können zu einer Entzündung der Gebärmutter und zur Geburtsrehe führen. Auch bei einem problemlosen Nachgeburtsabgang ist es sinnvoll, die Nachgeburt dem Tierarzt zur Überprüfung auf Vollständigkeit zu zeigen.
Zeit zum Aufstehen
Kurz nach der Geburt unternimmt das Fohlen die ersten Versuche aufzustehen. Vordringlichstes Ziel ist die Aufnahme von Kolostralmilch, die alle für das Fohlen lebenswichtigen Antikörper enthält. Über die Gebärmutter des Pferdes ist keine intrauterine Immunisierung möglich, das Fohlen wird ohne Antikörper geboren. In den ersten 6 Stunden nach der Geburt ist der Darm des Fohlens für die mit dem Kolostrum aufgenommenen Antikörper durchlässig. Nach 6 Stunden nimmt die Durchlässigkeit kontinuierlich ab, nach ca. 24 Stunden ist die Darmschranke geschlossen. Die Aufnahme von Kolostralmilch ist die einzige Möglichkeit, das Fohlen für die ersten 6 Lebensmonate mit den notwendigen Schutzstoffen zu versorgen. Die Zusammensetzung der Antikörper orientiert sich an dem Immunstatus der Mutterstute. Die tragende Stute sollte daher in den letzten 8 Trächtigkeitswochen nicht mehr umgestallt werden, damit die vorhandenen Antikörper dem Infektionsdruck des derzeitigen Stallplatzes entsprechen. Außerdem sollten die Zuchtstuten regelmäßig gegen Tetanus, Influenza und Herpes geimpft werden, da sie auch diese Antikörper an das Fohlen weitergeben.
Zusätzlich sollte das Fohlen innerhalb der ersten 12 Stunden eine Schutzimpfung gegen Fohlenlähme erhalten. Positiver Nebeneffekt des Tierarztbesuches ist, dass das Fohlen gleichzeitig auf seine Vitalwerte (und ggf. Saugreflex, Darmpech, Nabel, Gliedmassenstellung) überprüft wird. Bis vor einigen Jahren wurde das neugeborene Fohlen zusätzlich gegen die Weißmuskelkrankheit geimpft. Diese Krankheit, die im Wesentlichen durch Vitamin E- und Selenmangel hervorgerufen wird, tritt heutzutage durch die Gabe von vitaminisiertem Mineralfutter nur noch selten auf.
Es hat sich bewährt, dem Fohlen geburtsnah ein Klistier zu verabreichen. Das Klistier erleichtert den Darmpechabgang, insbesondere bei Hengstfohlen, die durch ihr enges Becken häufig Probleme beim ersten Kotabsatz haben. Beim Darmpech handelt es sich um zähen, oft festen Enddarminhalt, der während der fetalen Entwicklung angesammelt wird. Der frühe Darmpechabgang fördert die Sauglust beim Fohlen. Bei unvollständigem Abgang sollte die Klistiergabe nach 6 bis 12 Stunden wiederholt werden. Schafft das Fohlen es nicht, das Darmpech abzusetzen, kommt es meist zu einer dramatischen Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Die Sauglust geht zurück, das Fohlen wird matt und apathisch und zeigt deutliche Koliksymptome. Durch die fehlende Milchaufnahme wird das Darmpech weiter eingedickt bis die Kotmasse so stark verfestigt ist, dass nur noch ein chirurgischer Eingriff Abhilfe schaffen kann. Im Normalfall ist spätestens 24 bis 48 Stunden nach der Geburt das Darmpech vollständig abgegangen und der hellere, weiche Milchkot erscheint.
Störungen im Geburtsablauf
Störungen im Geburtsablauf können von der Mutterstute oder von der Frucht ausgehen. Seltener sind die Störungen seitens der Stute: Einengungen der Geburtswege z. B. nach Beckenfraktur oder Scheidenplastiken sind im Vorwege bekannt und entsprechend tierärztlich zu betreuen. Etwas häufiger können Lageveränderungen der Gebärmutter den Geburtsverlauf beeinträchtigen, etwa durch eine Drehung oder Abknickung der Gebärmutter.
In der Mehrzahl der Fälle gehen die Geburtsstörungen von der Frucht aus. Eine zu große Frucht oder Missbildungen der Frucht können das Passieren des Geburtskanals behindern. Die häufigsten Geburtsstörungen sind beim Pferd durch fehlerhafte Lagen, Stellungen und Haltungen der Frucht bedingt. Die Stuten zeigen meist eine normale Öffnungsphase, das Fruchtwasser geht ab, teilweise wird bereits die Fruchtblase sichtbar. Ist in den nächsten 10 bis 15 Minuten kein deutlicher Geburtsfortschritt zu erkennen, sollte sofort ein Tierarzt informiert werden. Je früher der Tierarzt die Möglichkeit hat, eine Lagekorrektur vorzunehmen, desto höher sind die Überlebenschancen für Fohlen und Stute.
Das Pferd als Fluchttier hat die Eigenschaft, das Fohlen in einer Sturzgeburt zur Welt zu bringen. Es wird immer versuchen das Fohlen schnellstmöglich zu gebären. Liegt das Fohlen fehlerhaft im Geburtkanal, versucht die Stute dennoch die Austreibung massiv voranzubringen, und zerstört sich mit fortschreitendem Geburtsverlauf selber.
Ein Kaiserschnitt ist selten bei Pferden. Eine der wenigen Indikationen ist die Rückenquerlage des Fohlens, bei der der Tierarzt keine Möglichkeit hat, eine Lagekorrektur vorzunehmen. Auch schwere Missbildungen des Fohlens können einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Wegen der Besonderheiten einer Sturzgeburt sind jedoch Aufwand und Risiko eines Kaiserschnitts erheblich. Als Bauchhöhlen-Operation ist er immer klinikgebunden, der Transport in die Klinik kostet Zeit, das Infektionsrisiko und die Tierverluste sind bei einem Kaiserschnitt hoch.
Die meisten Fohlengeburten verlaufen unproblematisch. Jedoch sollte kein Züchter sich scheuen, bei der kleinsten Unsicherheit sofort seinen Tierarzt zu informieren. Wenn Störungen im Geburtsverlauf auftreten, zählt für Stute und Fohlen jede Minute.
Petra Rebhan
SUMMARY:
The average duration of gestation is 336 days. Foaling prior to 320 days is likely to cause concern, because the foal is at risk of being born in a premature condition. Mammary gland development and “waxing” - the build up of wax-like droplets on the end of the mare's teats may be indicative of impending birth. The birthing process can be divided into 3 stages, preliminary labour, active labour/delivery and afterbirth. The 2nd stage should not take longer than 30 minutes and the placenta should be expelled within 3 to 4 hours after parturition. Containing vitally important immunoglobins, colostrum is essential for the new-born to receive within 6 hours after birth as it can be absorbed through the intestinal wall only for a short time. To make sure that meconium retention will not cause a problem, administration of an enema at birth is recommended. If you are concerned about anything during parturition do not hesitate to contact your veterinary surgeon.



