Längst legendäre Geschichte, leistete Trakehnen wie auch die Ostpreußische Warmblutzucht in Zucht und Sport Pionierarbeit. Dr. Horst Willer hat einleitend zu einer Reihe über die Vorreiter-Funktion der Trakehner durch die Jahrzehnte die Reitpferdeauktionen in Trakehnen näher betrachtet.
„Ich habe bei keinem einzigen der vielen Trakehner, die ich im Laufe der Jahre in meinen Stall bekam, Enttäuschungen erlebt. Man musste nur den Drei- und Vierjährigen die Zeit zur Entwicklung lassen und sie trotz ihres hohen Blutstandes, trotz ihrer guten staatlichen Aufzucht und der Leistung, die sie so jung schon bei den Jagden zeigten, ausreifen lassen und schonen, denn auch sie waren ja im vollen Wachstum begriffen. Eine Sicherheit hatte man beim Ankauf der jungen Trakehner: sie wurden immer nobler und schöner, je älter sie wurden. Selbst pummelige, unscheinbare dreijährige Trakehner bekamen Linien, die man nicht vermutet hatte, weil sie eben seit Generationen auf edelstes Blut durchgezüchtet waren.“ So beschrieb der namhafte Dressurreiter Felix Bürkner seine Erfahrungen als Käufer von Trakehner Jagd- und Reitpferden auf den Auktionen in Trakehnen Ende der zwanziger Jahre. Herder v. Pilger, später eines seiner erfolgreichsten Dressurpferde, ersteigerte Bürkner auf der Trakehner-Auktion 1935.
In den Anfängen der Trakehner Auktionen - zu Beginn des 19. Jahrhunderts - kamen meist Pferde zur Versteigerung, die nicht in die Trakehner Herden eingereiht wurden bzw. als Vatertiere für die Landgestüte nicht in Frage kamen. Mit der Fertigstellung des Trakehner Jagdstalles 1898, der Anschaffung der Trakehner Meute 1907 und dem Aufbau einer Vielzahl natürlicher Geländehindernisse wurde die Ausbildung der jungen Pferde und die Prüfung ihrer Reiteigenschaften grundlegend verbessert. Landstallmeister v. Oettingen (1895-1912) kommt der Verdienst zu, mit der Errichtung des Boxen- und Auktionsstalles wesentliche Voraussetzungen für das Training und die Leistungsprüfung der jungen gestütseigenen Hengste und Stuten geschaffen zu haben. In der Ära seines Nachfolgers Graf Sponek (1912-1922) wurde das Gelände- und Jagdreiten hinter der Meute systematisch ausgebaut. Der Trakehner Jagdstall wurde zum Symbol für die Trakehner Leistungszucht.
In jedem Jahr im Frühjahr wurden ca. 120 dreijährige Pferde in den Jagdstall eingestellt, angeritten und dann wenigstens eine Saison im Trakehner Jagdgelände ausgebildet und erprobt. Die ursprünglich nur im Herbst zur Zeit der Querfeldeinrennen durchgeführte Versteigerung der Jagd- und Reitpferde, zu der sich die damals renommierten Turnier- und Rennreiter, bekannte Ausbilder, später auch vermehrt hohe Militärs sowie die Leiter großer Handels- und Reitställe aus dem In- und Ausland gern in Trakehnen einfanden, wurde später auf Wunsch der Interessenten geteilt, so dass im Frühjahr die Auktion der dann Vierjährigen stattfand.
Im Hauptgestüt Trakehnen zu kaufen, hatte seine Vorzüge. Ein ähnliches Angebot an leistungserprobten und hochwertigen Sportpferden gab es zu jener Zeit in Europa nur auf der Hunterschau in Dublin, wobei die Pferde dort einen ganz anderen Typ verkörperten. In den zwanziger Jahren gingen Pferde ostpreußischer Abstammung in der „Großen Pardubitzer Steeple-Chase“ häufig als Sieger hervor. 1924 und 1928 konnten zwei Pferde aus dem Hauptgestüt Trakehnen, Herero v. Shilfa xx bzw. Vogler v. Christian de Wet xx, die Pardubitz gewinnen. Die Trakehner Pferde waren auch aufgrund der Olympiasiege von Piccolomini v. Fischerknabe, geb. im Hauptgestüt Trakehnen, unter dem schwedischen General v. Lindner in der Großen Dressurprüfung und des Ostpreußen Balte v. Adjudant in der Großen Vielseitigkeitsprüfung 1924 in Paris gefragte Sportpferde.
In Trakehnen waren die zur Auktion angebotenen Pferde reiterlich erprobt, gewissenhaft ausgesucht und zudem wurde vor der Versteigerung auf gewisse Fehler und Mängel (z. B. Überbeine, Narben) hingewiesen. So ist der Berichterstatter der Auktion vom 4. Mai 1929 voll des Lobes hinsichtlich des hohen Qualitätsstandards: „Der größte Teil der Pferde stellte ein Modell dar, wie man es international wünscht; Pferde im großen Rahmen, mit viel Schulter, Widerrist, edlen, feinen Hälsen, markanten, kleinen, hübschen Köpfen, großen Linien und einem prachtvollen Gangwerk. Mit gewaltigen Trabtritten, leicht beschwingt, schwebten sie mit großartiger Aktion die Vorführbahn entlang und zeigten beim Vorreiten einen schönen, langen federnden Galoppsprung, wie man ihn von Galoppierern und Jagdpferden haben will mit ausgeprägter Hinterhand als Antriebsmotor.“
Der Auktionstag
Alle Pferde wurden am Auktionstag ab 8.30 Uhr an der Hand gezeigt und dann in zwei Abteilungen auf dem Reitplatz vor der Auktionshalle im Schritt, Trab und Galopp vorgeritten. Vor der eigentlichen Präsentation marschierten die Pferde im Schritt und in großen Abständen jeweils in kleinen Gruppen in die Bahn, wurden vor der Ehrentribüne durchpariert, verweilten dort wie ein Denkmal, indessen wurde ihre Abstammung bekannt gegeben. Ansonsten bot sich das übliche Bild: Großes Befragen der Gestütswärter und Reitburschen – sie kannten jedes Pferd mit seinen Stärken und Schwächen – Debatten im Hotel zum Elch, wo die Mehrzahl der Gäste untergebracht waren, und Dutzende von Kutschwagen, mit Trakehner Pferden bespannt, die die zahlreichen Besucher von und zum Bahnhof Trakehnen fuhren. Besonders geschätzte Gäste wurden vom Landstallmeister in das Trakehner Schloss zum Essen eingeladen. Um 13.15 Uhr schloss sich die Versteigerung in der großen Halle an. Die Auktionen verliefen unter Leitung des jeweiligen Oberlandstallmeisters und im Zusammenwirken mit einem Auktionator zügig und flott. Da es zu jener Zeit noch kein Mikrophon gab, musste der Auktionator über ein lautes Organ und gute Stimmbänder verfügen. Die Kaufinteressenten, die zum großen Teil weit angereist waren und das Pech hatten, leer ausgegangen zu sein, blieben in Insterburg oder Königsberg, wo am folgenden Tag Absatzveranstaltungen für Ostpreußische Reit- und Wagenpferde stattfanden.
Bei den guten Voraussetzungen für den Erwerb eines Reitpferdes in Trakehnen ist es nicht verwunderlich, dass einige der erfolgreichsten ostpreußischen Vielseitigkeits- und Springpferde, wie SCHWERTLIED v. Master Magpie xx, MORGENGLANZ v. Nana Sahib (Gewinner des Hamburger Springderbys), POSIDONIUS v. Master Magpie xx, HARTHERZ v. Cheri xx, ILJA v. Indus xx, KAMPFGESELL v. Moet xx und KAKADU v. Cancara jeweils über den Jagdstall und die Auktion in Trakehnen ihren Weg in den Turniersport angetreten haben. Auch bedeutende Dressurpferde wie DORFFRIEDEN v. Hyperion und FANAL v. Hausfreund, die von Otto Lörke in Trakehnen jeweils zu Spitzenpreisen von 10.500 RM (1937) bzw. 17.000 RM (1938) ersteigert wurden, sind aus dem Jagdstall hervorgegangen. Fanal war nach dem letzten Krieg das erfolgreichste Dressurpferd Deutschlands und begleitete seinen Ausbilder Otto Lörke im Jahr 1957 bis an dessen Grab.
Für die ersten hannoverschen Reitpferdeauktionen in Verden, die H.J. Köhler Anfang der 50er Jahre wieder einführte, waren die Trakehnen-Auktionen der Maßstab und klares Vorbild. In das Vorbereitungstraining wurde bewusst die Galopparbeit auf der Verdener Rennbahn einbezogen. Dem Käufer sollten wie in Trakehnen leistungserprobte Elitepferde angeboten werden, über deren innere und äußere Eigenschaften verlässliche Beurteilungen vorlagen und die auch zuvor von den potentiellen Käufern ausprobiert werden konnten. Dieses Konzept schrieb für den Hannoverschen Verband und alle Nachahmer Erfolgsgeschichte. Dr. Horst Willer
SUMMARY:
The riding-horse auctions nowadays held by German warmblood breed societies have been modelled on the auctions held at Trakehnen in the first half of the 20th century. 3- and 4-year-old horses, all of them hunted and thus thoroughly tested for soundness and willingness to perform were then sold to buyers from all over Europe at a good price for the time. Many of the famous pre-war sport horses were former Trakehnen auction horses. In the fifties, the Trakehner auction concept was adopted by the Hanovarian Horse Society, trend-setting for other German breed associations.



