Erstmals in der Trakehner Geschichte erhielt ein in den USA gezogener Hengst hierzulande das positive Körurteil. Zwei weitere Züchter erlebten in Wickrath eine Premiere: Ihre Hengste vermochten die Körkommission bei jedem ihrer Auftritte zu überzeugen.
Der Körplatz Wickrath mit dem Zuchtbezirk Rheinland als engagiertem Gastgeber ging für die Trakehner in die zweite Runde. Den Auftakt am Samstag bildete die Pflastermusterung in der Allee der barocken Parkanlagen, gefolgt vom kombinierten Freilaufen und Freispringen vor vollen Rängen, jedoch mit Längen für das Publikum. Lichtblicke: allen voran der am Sonntag anerkannte Waitaki-Sohn DER DÜRER, aber auch einige der Junghengste zeigten Potential und Geschick am Sprung. Auf dem Dreieck am Sonntag brillierten mit Takt und Typ STURMKLANG v. Maizauber und LORD LUCIANO v. Enrico Caruso und sorgten für Szenenapplaus. Die älteren Hengste sowie die Köranwärter mit abgelegtem 30-Tage-Veranlagungstest präsentierten sich der Körkommission abschließend unter dem Sattel. Auch hier punkteten zwei Favoriten: der Enrico Caruso-Sohn durch Losgelassenheit, Gleichgewicht und Aufmerksamkeit, von Nadine Rüdiger lehrbuchgemäß mit der Nase leicht vor der Senkrechten, dem Genick als höchstem Punkt vorgestellt. Der Dürer und sein ständiger Reiter Bastian Kuckartz demonstrierten feine Kommunikation von Reiter und Pferd am Sprung. Auf Trense und am relativ langen Zügel überwand der typvolle Fuchs spielend und gelassen Ständerhöhe, ohne sein Vermögen damit ausgereizt zu haben.
„Gekört“ hieß es im Endring dann als erstes für Sturmklang. Klaus Peter Kuhlemann aus Alpen-Veen gehört damit in die Riege der Hengstzüchter. Seit 16 Jahren Trakehner Züchter, war die Freude über den ersten gekörten Hengst groß. Sturmklang ist für die laufende Decksaison im Trakehner Gestüt Eichenhof, Uslar, aufgestellt.
Eine dramatische Vergangenheit hat der zweite gekörte Junghengst Lord Luciano: Erhard Schulte hatte den Junghengst aus dem leistungsbetonten Mutterstamm der Lonka vor zwei Jahren bei einem Besuch bei der Züchterin Debra A. Tyler, Vermont/USA entdeckt und war sofort vom Bewegungspotential des noch jugendlichen Braunen überzeugt. Sein Rat, den Hoffnungsträger zur Körung nach Deutschland zu schicken, stieß bei der Züchterin zunächst nicht auf Begeisterung, bedeutete die Reise des Hengstes doch hohe Kosten mit ungewissem Ausgang. Dennoch gab sie ihn Anfang Mai 2005 zur Vorbereitung in die Hände der renommierten Ausbilderin und Mitglied des US-Dressurkaders, Ida Anderson. Ein Wink des Schicksals? Zwei Wochen nach „Lucis“ Abreise brannte der Hengststall der Tylord Farm durch Blitzschlag nieder, Enrico Caruso, der Vater von Lord Luciano sowie dem Junghengst nah verwandte Pferde und auch der jüngst erworbene Scheckhengst Cosmopolit kamen tragisch im Feuer um. 15 Zuchtstuten blieben Debra Tyler. Die Trakehner hielten einmal mehr zusammen und die Züchterin – derzeit ohne eigenen Hengst - erhielt Freisprünge für ihre Stuten. Lord Luciano aber ist ein Vermächtnis seines in Deutschland und den USA als Leistungsvererber hoch geschätzten Vaters. Ende Oktober in Deutschland angekommen, legte er in Schlieckau einen hervorragenden 30-Tage-Test ab, zeigte sich im Arbeitsalltag wie auch bei der Körung stets leistungsbereit, gelassen und auf den Menschen konzentriert. Das Wiedersehen von Hengst und Züchterin in der Wickrather Halle rührte auch robuste Gemüter an. „Ein Pferd, dem die Intelligenz aus den Augen schaut“, kommentierte Zuchtleiter Lars Gehrmann und rühmte die Kombination von Leistungsbereitschaft und -vermögen mit Nervenstärke. Lord Luciano bezog direkt nach der Körung eine Beschälerbox im Gestüt Tasdorf.
Der 2001 geborene Der Dürer hat bereits Körprädikate diverser deutscher Zuchtverbände gesammelt: Dreijährig beim ZfdP gekört und in Mecklenburg Vorpommern anerkannt und beim 30-Tage-Test in Schlieckau souverän bestätigt, wurde er im letzten Jahr für die Pferdezuchtverbände Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt anerkannt. Ein Springspezialist laut Pedigree und in der Praxis, dabei von edlem Trakehner Typ, wird seine Zukunft in Zucht und Sport gleichermaßen liegen. Vierjährig siegreich in Springpferdeprüfungen bis Kl. L, kam er nach Wickrath bereits mit einem ersten M-Sieg und überzeugte endlich auch die Trakehner Körkommission. Dr. Mechthild Strümpfel hat für ihren Hengst, der zu Zeit über Frischsperma verfügbar ist, klare Pläne. Prämisse bleibt die altersgemäße Förderung und der gezielte Einsatz, der dem Sportler Motivation und Gelassenheit erhalten soll. Die Qualifikation für das Bundeschampionat ist das aktuelle Ziel, auch ein Wiedersehen in Hannover ist geplant.
23 Hengste von 21 Vätern traten an: 16 Dreijährige ohne 30-Tage-Veranlagungstest, vier drei- bzw. Vierjährige mit abgelegtem Veranlagungstest und drei Hengste der Jahrgänge 2001 bis 1999. Der Katalog versprach hoch im Blut stehende Bewerber: Fünf Halbblüter, davon vier Söhne von Vollblutstuten sowie ein Sohn des Pushkin Sh.A., darüber hinaus Junghengste mit Vollblut- bzw. angloarabischem Muttervater ließen auf hochblütigen Zuchtnachwuchs hoffen. Eine Hoffnung die im Verlauf der Veranstaltung zerrann. Für Vollblutfreunde blieb das „vorläufig nicht gekört“ für den kürzlich beim ZSAA gekörten Dreiviertelblüter VIRGINIAN SKY, einen sportlich auftretenden Sohn des Best before Midnight aus einer Vollblutmutter, den die Sportpferdezucht Hasbergen ausstellte.
Reitpferde
Acht Reitpferde stellten sich unter der bewährten Regie von August Camp dem Publikum. „Pferde zum Losreiten“ lockte der unermüdliche Moderator der Veranstaltung, Hans Kirchner, und die Drei- bis Fünfjährigen zeigten sich bei reeller Grundqualität solide vorbereitet und ansprechend vorgestellt. Ein Drittel der Reitpferde wurde verkauft. Der dreijährige Hofrat-Sohn BRENNPUNKT aus der Zucht von Dr. Ursula Mittermayer wurde von einer 14-jährigen Reiterin vorgestellt - und fand unmittelbar nach seinem Auftritt neue Besitzer. Ebenfalls während der Veranstaltung verkauft wurde der fünfjährige, vielseitig platzierte IVANHOE v. Schiffon – Kostolany aus der Zucht von Pius Harlacher, Oberhausen. Inzwischen wurde ein weiteres Pferd verkauft.
Fohlen
In Wickrath präsentierte sich eine feine, kleine Auswahl qualitätsvoller Fohlen - drei Stut- und zwei Hengstfohlen – an der Seite ihrer fast durchweg sorgfältig herausgebrachten Mütter. Neben den bewährten Vererbern Harlem Go und Enim Pascha stellte der sportliche Shooting-Star Insterburg TSF einen Sohn sowie die 2004 gekörten Hengste Blitz und Donner und C’est bon jeweils Nachwuchs aus ihrem ersten Fohlenjahrgang.
Freispring-Cup
Fünf Dreijährige und sieben Vierjährige waren angereist um sich im Trakehner Freispring-Cup den Richtern Elmar Lesch und Claus Schridde sowie dem Nachwuchsrichter Julius Paulicka zu stellen. Ansprechende Auftritte, gut kommentiert von Claus Schridde, boten einige Vierjährige: Mit einer 8,5 die Höchstnote für das Springvermögen erhielt die vierjährige PENNY LANE’S PIPPILOTTA v. Sixtus a.d. Penny Lane V v. Römer (Z./B.: G. Hort-Scholz, Wapelfeld/Schleswig-Holstein), die in ihrer Klasse mit der Gesamtnote von 8,0 Dritte wurde. Hier siegte BONITA v. Waitaki a.d. Best of All v. Inster Graditz (Z.: S. Wagner, Bernsdorf, B.: J. Budt, Ahlen/Westfalen) mit der Endnote 8,3. Die Stute war die einzige Trakehner Platzierte beim Freispringchampionat des Kreisreiterverbandes Soest und lag dort mit Wertnote 8.0 an dritter Stelle insgesamt. Zweiter wurde ADAGIO v. Harlem Go a.d. Altena II v. Inster Graditz (Z.: H.-O. Löwe, Marbach, B.: Trakehner Gestüt Gorlo, Melle/Westfalen). Bei den Dreijährigen siegte RAHEL ZGF v. Key West a.d. Ragnit v. Habicht (Z./B.: ZG Frese, Maasen/Niedersachsen-Nord-West) mit der Gesamtnote 7,75 vor CONNAR MC CLAUD v. Peron junior a.d. Carisma v. Le Duc (Z./B.: E. Kirchen, Irsch/Rheinland-Pfalz-Saar) mit der Note 7,4 und KATHAJA v. Sixtus a.d. Kashooga v. Matador (Z./B.: S. Gellhaar, Steinau/ Hessen) mit einer 7,25.
Offen bleibt die Frage, wo die Frühjahrskörung im kommenden Jahr stattfinden wird. Die gelockerten Bestimmungen bezüglich des 30-Tage-Tests erlauben, einen früheren Termin in Betracht zu ziehen. Der Vorstand wird Ort und Zeitpunkt der Veranstaltung diskutieren. IE
SUMMARY:
For the first time in Trakehner history an U.S.-bred stallion has been licensed in Germany: Lord Luciano by Enrico Caruso (breeder: Debra Tyler, Vermont/USA) succeeded in winning over the commission as well as the audience in Wickrath. Also approved were Sturmklang, a typey Maizauber-son with cadenced movement and Der Dürer, who is already a winning show jumper at M-level (by Waitaki). The presentation of the high-quality riding horses made a very positive impact and three of them were sold on the spot.



