Wenn ein Zuchtbezirk in der Lage ist, in acht Klassen nahezu gleichmäßig hochkarätige Stuten zu präsentieren, dazu ein sportliches Rahmenprogramm mit viel versprechenden Nachwuchspferden und obendrein den Bundesjungzüchterwettkampf nahtlos zu integrieren weiß, dann bleibt als Kommentar: das war spitze!
Welch eine Landessiegerin! Sie bezauberte in den Holstenhallen unter Nicole Kochskämper. Sie siegte in Kl. M und war im großen Viereck unter Katja Hinder S-platziert. Auf die großzügigen Anlagen des Reit- und Fahrvereins Niederzeuzheim-Hadamar hatte KANDELA ihr erstes Hengstfohlen von Münchhausen mitgebracht. Und repräsentierte ihren Züchterstall und ihre Rasse überzeugend: gelassen, vom Fleck weg antretend, mit großen Bewegungen und aktiver Hinterhand, dabei stets losgelassen und auf ihren Vorführer Helmar Bescht konzentriert. „Eine Stute, bei der alles passt“, kommentierte Gastrichter und Hannoveraner-Züchter Konrad Böth begeistert. „Sie kommt dem Idealbild unseres Zuchtziels sehr nahe“, lobte Zuchtleiter Lars Gehrmann das Exterieur- und Bewegungspotential der 12-jährigen Lehndorff’s-Tochter aus der Zucht von Herbert Schümann. Dessen Vermächtnis hat seit einigen Jahren sein Sohn Stefan Schümann übernommen und verpflichtet sich der züchterischen Leistung seines Vaters und seiner Schwester gleichermaßen passioniert wie erfolgreich. Die 6. Landesschau des Zuchtbezirks Hessen wurde zum großen Tag des Gestüts an der Rabenau. Der Ib-Preis der sechs- bis achtjährigen Stuten ging an Kandelas Vollschwester KARLOTTA, die sich hochmotiviert und in ihrer Klasse mit dem besten Trab zeigte. Die ungekrönte Königin des Tages aber war beider Mutter KANDIA v. Mahagoni, die sich mit 23 Jahren nach 13 lebenden Fohlen in beispielhafter Verfassung und Elastizität zeigte … so dass der Sieg im Familienwettbewerb für diese drei Spitzenstuten aus der Familie der Kantilene als logische Konsequenz erschien.
Nicht weniger Klasse zeigten die beiden Reservesiegerinnen. Allerhöchste Zuchtqualität bescheinigten die Richter der Eintragungssiegerin 2002, gezogen und im Besitz von Marika Werner: Pr.St. GOLDA MEIR v. Münchhausen TSF aus der Gribaldi-Vollschwester Pr.St. Georgina II, die in herrlichem Seitenbild und in der Bewegung wie im Interieur mit unerschütterlichem Gleichgewicht auftrat. Dritte Fuchsstute im Spitzentrio des Tages war die vierjährige Beg xx-Tochter Pr.St. SKYLIGHT, ein blutgeprägtes, mit großen Partien und überragendem Bewegungsablauf versehenes Spitzenprodukt nach Hörsteiner Art: Leistungsblut pur, gepaart mit Adel und Leichtfüßigkeit. Ihre Mutter ist die Landessiegerin 1998, St.Pr., Pr.u. E.St. SERENADE XIV v. Habicht.
Eine Landesschau mit einer derart gleichmäßigen hohen Qualität zu beschicken ist eine Ausnahmeleistung, auf die der Zuchtbezirk „in der Mitte Deutschlands“ stolz sein kann. In jeder der acht Klassen traten moderne, großlinige Stuten an, die sportliche Attribute mit Rassetyp und Geschlechtsausdruck zu verbinden wussten. In jeder der acht Klassen gab es auf hohem Gesamtniveau klare Siegerinnen, die den Endring zu einer Parade auf hohem Qualitätsniveau werden ließen. Zahlreiche Stuten führten Fohlen bei Fuß, die meisten waren gut herausgebracht und einzelne Zuchtstätten verdienten ein Sonderlob für das feine Einmustern ihrer Stuten. „Es hat sich gelohnt“, resümierte Marika Werner und sprach dabei ihren organisatorischen Mitstreitern Peter Richterich, Matthias Werner und der Jungzüchterbeauftragten Ulrike Sahm aus der Seele. Als frisch gewählte Landesfürstin hatte sie mit ihrem Team zwei Tage organisiert, deren herzliche Gastfreundschaft auch weite Anreisen für Teilnehmer und Zuschauer lohnte. Die Besitzer der Klassensiegerinnen konnten sich über je einen Freisprung aus verschiedenen großen Zuchtstätten aus dem ganzen Bundesgebiet freuen, wobei das Gestüt Hämelschenburg seinen Ehrenpreis bei der kurzfristigen Teilung „seiner“ Klasse ohne Zögern verdoppelte. Die persönliche Überzeugungsarbeit der Landesfürstin im Vorfeld wurde durch Nennungen von gut 70 der besten Stuten des Bezirks, 80,75 Prozent von ihnen leistungsgeprüft, belohnt. Die großen Zuchtstätten wie das Traditionsgestüt Hörstein, das Gestüt Elmarshausen und das Gestüt An der Rabenau hatten sechs und mehr Pferde genannt. Marika Werner und Ingo Wittlich stellten Familien aus, viele der insgesamt 27 Aussteller reisten mit mehr als einem Pferd an.
Den Auftakt bildeten am Sonntagmorgen die dreijährigen Stuten. Den 1a-Preis erhielt die von Dr. Elke Söchtig gezogene und ausgestellte Tambour-Tochter ZAUBERMELODIE III, die sowohl in Typ und Rahmen als auch durch ihre raumgreifenden, elastischen Bewegungen gefiel und bereits Siegerstute der diesjährigen zentralen Eintragung war. Ihre Halbschwester aus derselben Zuchtstätte, ZAUBERBLÜTE III wurde mit dem 1c-Preis ausgezeichnet, die Hörsteiner Cadeau-Tochter SKYLINE II verdiente sich den Ib-Preis und überzeugte durch Rahmen, korrektes Fundament und guten Antritt. Die Richter hoben in dieser Klasse durchweg die großrahmige Aufmachung und die Bewegungsqualität der jungen Stuten hervor.
Ebenfalls in die Generation der Nachwuchsstuten fällt die Klasse der Vierjährigen, die an diesem Tag mit zwölf Stuten die stärkste Gruppe war. Spontan in zwei Abteilungen von je sechs Stuten geteilt, erntete die hohe Gesamtqualität dieser Klasse Lob. Zehn der zwölf Stuten sind bereits leistungsgeprüft, darunter acht Prämienstuten. Die erste Abteilung entschied die Hörsteiner Beg xx-Tochter Pr.St. SKYLIGHT ebenso wie den Gesamtklassensieg für sich. Mit dem 1b-Preis folgte die Pr.St. AVIANA v. Münchhausen, gezogen und im Besitz von Familie Rossbach, Biedenkopf. Die Landeschampionesse bezauberte durch hervorragende, losgelassene Bewegungen und empfahl sich als Topmodell für Zucht und Sport. Der 1a-Preis in der zweiten Abteilung ging an die St.Pr.u.Pr.St. AQUAMARIN v. Freudenfest aus der Zucht von Karl-Heinz Kriwet, Bad Pyrmont und im Besitz von Ralf Schär, Bad Hersfeld. Klare Typprägung und der leichtfüßige, schwungvolle Bewegungsablauf sicherten der Dunkelbraunen knapp den Sieg vor der sportlichen Hörsteiner Sixtus-Tochter Pr.St. SYMPHONIE XII, die den besten Trab der Gesamtklasse zeigte.
Sechs Fünfjährige, sämtlich leistungsgeprüft, waren angetreten und zwei Mütter mit Fohlen bei Fuß setzten sich an die Spitze: Den 1a-Preis gab es für die typvolle Pr.St. SHANARA v. Monteverdi, die sich bei optimaler Oberlinie und gutem Fundament taktsicher mit viel Raumgriff zeigte – eine Top-Stute attestierte das Richterteam dem Züchter und Besitzer Udo Schmittberger aus Schotten. Mit dem 1b-Preis folgte Pr.St. NABRASKA, eine Tochter des Tambour aus bewährter Anpaarung mit der St.Pr.u.E.St. Nakita, gezogen und im Besitz von Dr. Elke Söchtig. In der großen Klasse der sechs- bis achtjährigen Stuten erleichterte die beträchtliche Varianz die Rangierung. Bestechende Klassensiegerin wurde Golda Meir vor der sportlich auftretenden Lehndorff’s-Tochter Karlotta. Beide Stuten punkteten am Nachmittag in der Familienklasse für die solide Vererbungsqualität ihrer Mütter und Konstanz ihrer Zuchtstätten bei Marika Werner bzw. Stefan Schümann.
Die älteste rangierte Klasse stellten die neun- bis vierzehnjährigen Stuten. Acht zuchterprobte Konkurrentinnen waren angetreten. Der Hörsteiner Hengst Lehndorff’s triumphierte mit zwei herausragenden Töchtern, denen bei aller Verschiedenheit der raumgreifende, elastische Bewegungsablauf gemein war. Die spätere Familiensiegerin und Landessiegerstute Kandela hatte ihr erstes Fohlen v. Münchhausen bei Fuß und präsentierte sich bei jedem ihrer Auftritte überzeugend im inneren und äußeren Gleichgewicht. Ihre Halbschwester, die Hörsteiner St.Pr.u.Pr.St. SOIREE bezauberte mit femininem, leichtfüßigem Auftreten an der Hand von Stefan Ansbach, stets auf ihren Vorführer konzentriert. In acht Zuchtjahren brachte diese herrliche Stute acht lebende Fohlen, eine Leistung die sie nur mit der von Dirk Schmidt ausgestellten PARTIN v. Kostolany (1e-Preis) teilte.
Beeindruckend war die Besetzung der Ehrenklasse der 15-jährigen und älteren Stuten. Strahlende Königin dieser nicht rangierten Klasse und der gesamten Schau war die E.St. Kandia. Angesichts der elastischen Bewegungen gerieten die Richter ins Schwärmen. 13 Fohlen, darunter prämierte Töchter sowie den Prämienhengst KAISER WILHELM brachte die Mahagoni-Tochter in 17 Zuchtjahren. Ihren Besitzer Stefan Schümann und sein Team vom Gestüt an der Rabenau ehrt die beispielhafte Schaukondition der 23-jährigen Grande Dame als Horseman im besten Sinne! Bestens in Schuss präsentierte sich auch ihre Stallkollegin und väterliche Halbschwester E.St. VENEZIA. Ein Wiedersehen gab es mit der wunderbaren Elmarshausener Stammstute und Hengstmutter Pr.u.E.St. HERZOGIN aus Pankerscher Zucht, der ebenfalls in Panker gezogenen St.Pr.u.Pr.St. HOCHMEISTERIN (B.: Werner Nitz) sowie mit Ingo Wittlichs GODLPERLE und der unter Dirk Schrade in großen Vielseitigkeiten erfolgreichen Pr.u.E.St. UNICE v. Arogno (B.: Ines Reh).
Eine sportliche Zukunftsoption war die Halbblut- und Vollblutklasse: Was wäre Hessen ohne Beg xx? Drei seiner Töchter erhielten die 1a-, 1b- und 1c-Preise und warben gleichermaßen für ihren betagten, vitalen Vater wie auch für den züchterischen Mut zum Blut. Ganz vorn die von Stefan Ansbach hervorragend eingemusterte Skylight, gefolgt von ihren Halbschwestern KINGDA KA, gezogen von Dirk Jörß, die mütterlicherseits über Habicht erprobtes Leistungsblut führt und Pr.St. Valentina vom Gestüt an der Rabenau. Einzige Vollblutstute war die Dashing Blade xx-Tochter DONKAJA xx die sich für Elmarshausen als Topmodell für die Trakehner Zucht empfahl und ihre Qualität durch Bewegungsstärke und ein schönes Fohlen v. Tambour bei Fuß demonstrierte
Jungzüchter und junge Pferde
Ein Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft soll eine Landesschau bieten. Und was wäre die Zukunft ohne die Trakehner Jungzüchter! Die fünfte Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden Bundeswettbewerbs war in die hessischen Trakehner Tage integriert. Eine Feuertaufe für Ulrike Sahm, die als neue Bundesjugendbeauftragte erstmals im Großeinsatz war. Und sie kann zufrieden sein. 33 Aktive und eine Menge Schlachtenbummler waren angereist und erlebten ein tolles Wochenende. (s.S. 40)
Die am Samstag, dem Vortag der Landesschau ausgetragenen Reitpferdeprüfungen waren hinsichtlich der vorgestellten Pferde und des Ablaufs ebenfalls ein voller Erfolg: Mehr als 40 junge Trakehner wetteiferten um Sieg und Platz in einer Stutenleistungsprüfung sowie in Reitpferde-, Eignungs- und Dressurpferdeprüfungen. Und es ging um den Titel der hessischen Landeschampionesse. Aviana v. Münchhausen, gezogen und im Besitz von Familie Rossbach, Biedenkopf, erwies sich als unschlagbar: Mit viel Gefühl vorgestellt von Barbara Rossbach siegte sie in der Dressurpferde-A und erreichte Platz 2 in der SLP und damit in der Gesamtwertung 24 von 25 möglichen Punkten.
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SUMMARY:
The regional in-hand mare show of the Trakehner breeding district Hessia was held in June. 8 different classes with a total of more than 70 mares which had already been awarded high marks at other functions had to be judged. Breed director Lars Gehrmann emphasised the exceptional quality of the mares, all of them being of a modern and athletic conformation, more than 80 percent performance tested and many with a foal at foot. Free coverings for the class-winning mares have been generously donated by big stud farms from all over Germany. The young organisation team from Hessia has achieved a great success and the Trakehner mares “from the middle of Germany” have been promoting their breeders and their breed in the very best way.



