Der „Feind“ lauert überall: Nahezu jedes Pferd ist im Laufe seines Lebens Wurminfektionen ausgesetzt, trägt Larven in sich und dient vielen Parasiten als Zwischen- und Endwirt. Dabei handelt es sich keinesfalls um Infektionen, die man auf die leichte Schulter nehmen dürfte. Immer noch sterben jedes Jahr unzählige Fohlen und ausgewachsene Pferde an Organschäden infolge von unzureichend behandeltem Parasitenbefall.
Die in vielen Pferdeställen obligatorische Entwurmung, eine Paste im Frühjahr, eine im Herbst, führt oftmals nicht zu einem zufriedenstellenden Behandlungsergebnis. Für eine erfolgreiche Parasitenbekämpfung ist es unverzichtbar, genaue Informationen über den Infektionsstatus der Pferde zu ermitteln. Eine Bestandsdiagnose sollte vorzugsweise in den Sommermonaten erfolgen. Bei einem kleinen Bestand werden Kotproben aller Pferde genommen, bei größeren Beständen wird der Infektionsstatus von etwa 20% aller Pferde über eine Kotprobe ermittelt.
Nach erfolgter Entwurmung sollte, aufgrund zunehmender Resistenzen, mindestens einmal jährlich der Behandlungserfolg überprüft werden. Die Überprüfung erfolgt in der Regel durch einen Eizahlreduktionstest: Vor der ersten Entwurmung erfolgt eine zahlenmäßige Untersuchung (Eizählung) von Kotproben mehrerer Pferde des Bestandes. Etwa 14 Tage nach der Entwurmung wird die Eizählung in neuen Kotproben wiederholt. Für die Festlegung der Entwurmungsintervalle spielt der sogenannte ERP-Wert eine wichtige Rolle (ERP = Egg Reappearence Period). Der ERP-Wert bezeichnet die Zeit zwischen erfolgreicher Behandlung und Wiederanstieg der mittleren Eizahl pro Gramm Kot auf >200 bei mehr als der Hälfte der Pferde des Bestandes.
Es wird von vielen Pferdehaltern als Zeitverschwendung belächelt, das Absammeln des Pferdekotes von der Weide. Der Arbeits- und Zeitaufwand dafür ist hoch, jedoch wurde nachgewiesen, dass das regelmäßige „Abäppeln“ (2 x pro Woche) zu einer drastischen Senkung der Larvendichte auf dem Gras führt. Im direkten Vergleich zeigte das „Abäppeln“ einen besseren vorbeugenden Effekt gegen den Befall mit Parasiten, als der planmäßige Einsatz von Entwurmungsmitteln. Um den Parasitendruck weiter zu senken, sollte eine Überweidung der Pferdekoppeln vermieden werden. Die Besatzdichte der aufgetriebenen Pferde sollte 1000 Kg Körpergewicht pro Hektar Weidefläche nicht überschreiten. Wenn die Betriebsgröße es zulässt, sollte mit Umtriebs- oder Wechselweiden gearbeitet werden. Die Pferde verbleiben bis etwa Mitte Juli auf einer Fläche, dann werden sie planmäßig entwurmt und ca. 2 bis 3 Tage später auf eine „saubere“ Weide umgetrieben. Als „sauber“ gelten Flächen, die im gleichen Jahr noch nicht von Pferden beweidet wurden. Der vorherige Besatz mit Schafen und Rindern ist zulässig, kann jedoch zu einem vermehrten Befall mit Magenwürmern führen. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die am häufigsten im Pferdestall auftretenden Endoparasiten, sowie über geeignete Vorbeuge- bzw. Bekämpfungsmaßnahmen.
Palisadenwürmer (Strongyliden)
Der Befall mit kleinen und großen Palisadenwürmern ist bei Pferden weltweit verbreitet und tritt unabhängig von Rasse und Alter (Ausnahme junge Saugfohlen) auf. Die Infektion mit Palisadenwürmern erfolgt sowohl bei Weidegang, als auch bei reiner Stallhaltung. Ausgewachsene Palisadenwürmer schädigen den Dickdarm des Pferdes, die parasitierenden Larven der Palisadenwürmer verursachen während ihrer Wanderung durch den Pferdekörper irreparable Schäden am Gesamtorganismus.
Die Infektion der Pferde mit Palisadenwürmern erfolgt meist durch die Aufnahme von deren Eiern oder infektiösen Larven. Ein wesentliches Problem bei der Bekämpfung von Palisadenwürmern ist die zunehmende Resistenz, vor allem kleiner Palisadenwürmer. Untersuchungen belegen, dass in Deutschland die gegen gebräuchliche Wirkstoffe resistenten Palisadenwürmer, in nahezu jedem Warmblut-, Vollblut- und Trabergestüt, sowie in vielen Reitställen vorhanden sind. Als Zahlenbeispiel: Bei der Bekämpfung kleiner Palisadenwürmer im Darmlumenstadium wird u.a. Benzimidazole eingesetzt. Ursprünglich vernichtete dieser Wirkstoff mehr als 90% der vorhandenen Würmer. Durch die Resistenzen ist die Wirkung heutzutage auf einen Wert von unter 80% bis hin zur Wirkungslosigkeit reduziert. Die Bekämpfung, nicht nur der Palisadenwürmer, sollte daher immer durch besondere, dem Betrieb angepasste Maßnahmen ergänzt werden (siehe Info-Kasten Maßnahmen zur Parasitenbekämpfung beim Pferd).
Spulwürmer (Parascaris equorum)
Infektionen mit Spulwürmern kommen vor allem bei Fohlen und Jährlingen vor. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Pferde eine bessere Immunabwehr gegen die Spulwürmer.
Die Infektion der Fohlen erfolgt durch die orale Aufnahme larvenhaltiger Eier, die von anderen Pferden mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Eier der Spulwürmer sind sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. In feuchtem Milieu bleiben sie über Monate, eventuell Jahre ansteckungsfähig. Die Bekämpfung der Spulwürmer sollte daher Hygienemaßnahmen im Stall und auf der Weide mit einschließen. Auf der Weide durch das Absammeln des Pferdekotes, im Stall durch die regelmäßige thermische Desinfektion vorgereinigter Boxen (thermische Desinfektion= Säuberung mit einem Hochdruck-Dampfstrahlgerät, Wasserdampf heißer als 130°c). Die Anwendung chemischer Desinfektionsmittel ist nicht sinnvoll.
Wenn eine planmäßige Entwurmung gegen Palisadenwürmer durchgeführt wird, ist keine weitere spezielle Maßnahme gegen Spulwürmer erforderlich, da dieser Parasit mit erfasst wird.
Zwergfadenwürmer (Strongyloides)
Der Befall mit Zwergfadenwürmern tritt typischerweise bei Fohlen auf. Saugfohlen infizieren sich durch Aufnahme von Zwergfadenwurmlarven, die von infizierten Stuten ab dem 4.Tag nach der Geburt etwa 6 Wochen lang mit der Milch ausgeschieden werden. Weitere Infektionen erfolgen über durch die Haut eindringende Larven, die sich aus den Eiern entwickeln, die die Stute mit dem Kot ausscheidet.
Bei einer massiven Erstinfektion erkranken Fohlen zwischen dem 9. und 16. Lebenstag an Durchfall, verbunden mit wechselndem Appetit, Mattigkeit und Entwicklungsstörungen. Erfolgt zusätzlich eine Infektion über durch die Haut eindringende Larven, kann es zu schweren Erkrankungen der Atemwege kommen. Verkompliziert wird die Erkrankung durch bakterielle Sekundärinfektionen, die beim Fohlen mitunter zum Tode führen.
Bei einer medikamentösen Bekämpfung der Zwergfadenwürmer sind stets alle Fohlen des Bestandes zu entwurmen. Um eine Übertragung der Larven über die Muttermilch zu vermindern, hat es sich bewährt, die Mutterstute am Tag der Geburt mit Ivermectin in Pastenform zu behandeln. Als weitere vorbeugende Maßnahme wird empfohlen, den Stall vor und nach dem Abfohlen sorgfältig zu reinigen und zu desinfizieren.
Lungenwürmer (Dictyocaulus)
Der Befall von Pferden mit Lungenwürmern ist meistens mit der Haltung von Eseln im Bestand oder in der Nachbarschaft verbunden. Das Pferd als Endwirt zeigt meist die typischen klinischen Symptome wie Husten, Atembeschwerden, rasselnde Atemgeräusche und vorübergehend Fieber. Infizierte Esel erkranken nur selten, sie können aber über Jahre hinweg Lungenwurm-Eier und- Larven ausscheiden. Die Larven erreichen wenige Tage nach der Ausscheidung Infektionsreife. Die orale Ansteckung von Pferd und Esel kann auf der Weide und im Stall erfolgen.
Der sicherste Schutz vor Lungenwürmern bietet die getrennte Haltung von Pferden und Eseln. Andernfalls sollten Esel 1-2 Wochen vor der gemeinsamen Haltung mit Pferden in Quarantäne gezielt behandelt werden.
Bandwürmer (Anoplocephala)
Der Befall mit Bandwürmern beim Pferd zeigt in den letzten Jahren eine deutlich steigende Tendenz. Die Infektion erfolgt nahezu ausschließlich auf der Weide. Hauptinfektionszeiten sind Spätsommer und Herbst. Die Entwicklung der Bandwürmer erfolgt über einen indirekten Zyklus: als Zwischenwirte dienen Moosmilben, die in der humusreichen Schicht jeder Weide leben und die mit dem Gras aufgenommen werden. Ausläufe ohne Grasbewuchs stellen praktisch keine Infektionsquelle dar. Befallene Pferde zeigen häufig Verdauungsstörungen und wiederkehrende Kolikerscheinungen. Bei hochgradigem Befall treten Abmagerung, Anämie und deutliche Leistungsminderung auf.
Die Bekämpfung der Bandwürmer ist nicht unproblematisch. Die Wirkung der gängigen Präparate ist teilweise unzureichend. Nach gezielter Entwurmung sollte der Behandlungserfolg auf jeden Fall überprüft werden. Vorbeugende Maßnahmen, wie die Bekämpfung von Moosmilben auf der Pferdeweide, sind praktisch nicht durchführbar.
Magendassel (Gasterophilus intestinalis)
Auch der Befall mit Magendassel-Larven ist eine reine Weideinfektion. Die nur wenige Tage lebende Magendassel-Fliege legt hauptsächlich im Juli und August ihre gelblichen Eier an den Pferdehaaren ab. Nach einer mehrtägigen Embryonalentwicklung bleiben die Eier für etwa zwei Monate infektionsfähig. Beim Belecken der Haare werden die schlüpfenden Larven oral aufgenommen und erreichen in den Herbst- und Frühwintermonaten den Magen. Über neun Monate parasitieren die Larven im Pferdekörper, dann werden sie ca. im Mai-Juni mit dem Kot ausgeschieden. Daran schließt sich eine 1-2 Monate währende Puppenruhe im Erdboden an, bevor der Kreislauf von Neuem beginnt.
Bei der Bekämpfung der Magendassel-Larven muss stets der parasitäre Lebensabschnitt der Larven berücksichtigt werden. Besonders zugänglich sind die Larven während des Aufenthaltes im Magen. Die Entwurmung sollte daher vorzugsweise in den Wintermonaten Dezember bis Januar erfolgen. Eine Entwurmung gegen Magendassel-Larven erfolgt nur einmal im Jahr.
Vorbeugende Maßnahmen beschränken sich auf die Behandlung von Einzeltieren. Die Anwendung von Insektiziden am Pferd verhindert die Eiablage der Magendassel-Fliege nicht. Bei Einzelpferden ist es jedoch sinnvoll, die Eier mit einem feuchtwarmen Tuch mehrmals wöchentlich abzustreifen. Petra Rebhan
SUMMARY:
Horses all over the world are afflicted by internal parasites. Severe infection may cause dangerous internal damage and even death among horses if not properly treated. Obtaining detailed information about the infection status is essential for successful parasite control. Prior to proper treatment the vet will have to diagnose the infection status of the horses in question. Proper treatment means using the right dose of the right wormer at the right time as parasites have a propensity to develop resistance against too commonly used wormers. Prophylactic stable and pasture management routines include the regular picking of horse droppings, rotational grazing as well as avoidance of over grazing.



