Familie Camp auf dem Brauershof in Geldern ist eine feste Grösse im rheinischen Zucht- und Turniergeschehen wie auch bei den überregionalen Trakehner Veranstaltungen. August und Katja Camp sind seit Jahren als Reiter und Ausbilder von Hengsten und Reitpferden bekannt. Nun sind es ihre Töchter Helena und Lydia, die von sich reden machen und sich anschicken, es im Sattel ihren Eltern gleich zu tun.
Wir grüßen unsere Deutsche Meisterin“ steht auf dem Plakat, welches liebevoll in Handarbeit von der Stallgemeinschaft erstellt wurde und nun an der Haustür hängt. Das Schild gilt Lydia Camp, die nach ihrem sensationellen Doppelerfolg bei den Pony-Europameisterschaften in Saumur, wo sie im Juli die Goldmedaille mit der Deutschen Mannschaft in der Dressur und in der Einzelwertung erringen und sich ganz oben auf dem Siegerpodest platzieren konnte, nun noch den Titel der Deutschen Meisterin für sich verbuchen konnte. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Freudenberg gewann sie, wiederum im Sattel ihres Ponys Dulcia (Arts Dancer Boy x Derbino), alle drei Wertungsprüfungen und damit Titel und Goldmedaille bei den Pony-Dressurreitern. Das war im August. Mehr gibt es für eine 16-Jährige, die ihr letztes Ponyjahr absolviert und dieses wahrlich vergoldet abschließt, kaum zu gewinnen.
Mit Zauberei hat dies nichts zu tun, vielmehr mit Talent und Ausbildung, denn auch Lydias Schwester Helena macht von sich reden. Vorrangig im Vielseitigkeitssattel zu Hause, hat sie sich dem „Triathlon des Pferdesports“ verschrieben. Im Kader der Junioren errang sie die Silbermedaille und den Titel Vizemeisterin bei den Rheinischen Meisterschaften in der Vielseitigkeit. Der Trakehner Gemeinde ist sie bereits bestens bekannt, denn in diesem Jahr konnte sie beim Trakehner Bundesturnier in Hannover die Vielseitigkeit der Klasse L für sich entscheiden. Helenas Erfolgspferd FLORESCO ist ein von August Camp selbst gezogener Fuchs von Herzzauber aus einer Marquisard xx-Mutter. Floresco sollte eigentlich ein Dressurpferd sein und ist auch bis St. Georg ausgebildet. „Als Helena sich für die Vielseitigkeit interessierte, musste ein Pferd her“, erzählt August Camp, „und wir dachten eigentlich, wir hätten keines.“ Doch Helena probierte Floresco aus und zum Erstaunen aller machte er alles mit, sprang sogar ins Wasser. Floresco erlernte mit 10 Jahren das Springen und geht seit vier Jahren erfolgreich in den 1-Sterne-Prüfungen der Vielseitigkeit.
Trainiert wird Helena viel von ihrem Vater, der sie auch auf die Turniere begleitet. Ein abwechslungsreiches Training ist schwierig zu gestalten. „Irgendwann kennt man sämtliche Geländestrecken in der Umgebung“, erklärt August Camp, „so dass wir schon zu den Turnieren fahren müssen, um zu trainieren.“ Ein erheblicher Aufwand, der sich in den Augen Helenas allerdings lohnt. Entsprechend der Familientradition sitzt sie zwar fest im Dressursattel und kann auf Erfolge in M-Dressuren verweisen. Aber für sie ist die Vielseitigkeit einfach ein spannender Sport, niemals gleich und die Herausforderungen fragen immer wieder aufs Neue nach Geschicklichkeit, Können und Umsicht des Paares. Ihren jüngsten Coup landete sie bei den Bundeschampionaten mit dem Pony Voyager, dem sie zum Titel der sechsjährigen Dressur- wie auch der Vielseitigkeitsponys verhalf. Überhaupt, so erzählt Helena, schätzte sie am Pferdesport die Zusammenarbeit mit dem anderen Lebewesen, wo jeder Tag anders sei und Mensch und Tier, wollten sie Leistung bringen, sich finden müssen. In der Vielseitigkeit gibt es keine Selbstläufer. „Nebenbei“, so erzählt sie weiter, „bin ich kein Stubenhocker. Ich schätze die viele frische Luft.“ Das meint sie ernst, die Gymnasiastin im 13. Schuljahr, die nach dem Interview nicht das angebotene Auto, sondern das Fahrrad nimmt, um zum Klavierunterricht zu fahren.
Korrektes Reiten ist unabdingbar.
Natürlich unterstützt in dieser rheinischen Reiterfamilie jeder den anderen, doch vorwiegend trainiert Katja Camp die Tochter Lydia in der Dressur. Das Erfolgspony, die viermalige Bundeschampionesse Dulcia, wurde bereits als Fohlen von Familie Camp erworben und von Lydia selbst ausgebildet. Auf der Trakehner Stute MAGIC OLD TIME v. Oldtimer xx – Consul konnte Lydia sich bereits unter den „Großen“ behaupten, denn ihr Können und die Fähigkeit, mit Gefühl das Optimum heraus zu reiten, ließ sie in diesem Jahr bereits erste Platzierungen in S-Dressuren erringen. Der Ausbildungssprung von M nach S, den die Stute in diesem Frühjahr machte, geht auf Lydias Konto. So treten Mutter und Tochter schon mal zu den gleichen Prüfungen an und, wen wunderts, mal ist die eine, mal die andere vorne. Lydia Camp hatte in Hannover in 2005 ihr Debüt auf dem Bundesturnier. Dort konnte sie sich u.a. mit einem fünften Platz in einer M/A Dressur gegen bekannt starke Konkurrenz behaupten. Überhaupt startet Familie Camp gerne auf dem Bundesturnier. Sie verstehen es als Event, bei dem man dabei gewesen sein sollte.
Katja Camp sattelt auch in diesem Jahr für die schweren Prüfungen wieder RONDO CLASSICO v. Mackensen - Celestin. Die Beständigkeit, mit der dieses Pferd wie auch seine Boxennachbarin BELLE FLEUR, ebenfalls von Mackensen und beide im Besitz der Familie Slotosch, Moers, ihre Serienplatzierungen und Siege in der schweren Klasse erringen, ist bemerkenswert. Neun M/A- und 45 S-Siege sowie 50 zweite und dritte Plätze gehen auf das Konto des Wallachs. Belle Fleur kann auf 16 M/A-Siege, 17 S-/Inter I-Siege und gut vierzig zweite und dritte Plätze in Kl. M/A und S verweisen. „Das passiert ohne Trickserei“, so Katja Camp, „es ist das Resultat einer ehrlichen und korrekten Arbeit. Die Lektionen werden den Pferden reell beigebracht und sind von daher praktisch jederzeit abrufbar. Nur so geht es wirklich.“ Den Beweis tritt sie selber an. Mit Rondo Classico hat sie in diesem Jahr die nächste Stufe erklommen und ihn im Grand Prix, der Königsklasse, hoch platziert.
Ausbildungsstall und Pferdepensionsbetrieb
Keine Frage, dass sich auf dem Brauershof alles um die Pferde dreht. August Camp baute den ehemals landwirtschaftlichen Betrieb zu einem Pferdepensions-Betrieb um. Mittlerweile finden hier an die 100 Pferde und Ponys Platz. Weiden sind reichlich vorhanden und mit den zwei 20 x 60er-Hallen, einer neu angelegten Rennbahn, einem Spring- und einem Dressurplatz gibt es ausreichend Möglichkeit, die Pferde zu bewegen. Die privaten Einsteller sind zahlreich und die vierköpfige Familie versteht sich auch als Serviceteam. Sie unterstützen ihre Kunden bei ihren kleinen und großen Zielen auf den Pferderücken wo immer möglich. Viel Publikum kann man bei diversen Zucht- und Verkaufsveranstaltungen auf der Anlage treffen. So hält z.B. der Trakehner Verband dort seit Jahren den rheinischen Musterungstermin für den Hengstmarkt ab. Darüber hinaus bietet August Camp im September eine Feldprüfung für Stuten und die Vorbereitung, sprich Ausbildung und Beritt zur Prüfung, an.
Die Ausbildung junger Pferde ist ein betrieblicher Schwerpunkt. „Wenn man einmal nicht nur von Arbeit spricht sondern auch von der Freude daran,“ bemerkt Katja Camp, „es ist immer wieder das Schönste, junge Pferde auszubilden.“ Ihre namhaften Youngster mit der Elchschaufel sind derzeit die Hengste MAYONG v. Linné - Antares und - bis er in seine erste Decksaison einstieg – KASIMIR v. Ivernel – Charly Chaplin. Mayong hat sich in diesem Jahr für das Bundeschampionat qualifiziert und mit Kasimir war Katja Camp im vergangenen Jahr dort. Beeindruckend war auch der Auftritt von Kasimir anlässlich des Gala-Abends zum Hengstmarkt in Neumünster in 2005, wo Lydia Camp ihn vorstellte. Der junge Hengst ließ sich weder von den traditionellen Fackeln noch von der Menschenmenge beeindrucken.
Nicht nur die jungen Vier-, auch die jüngsten Zweibeiner erfahren auf dem Brauershof viel Aufmerksamkeit. Trotz eines straffen Zeitplans, denn auch die Schule will erledigt sein, organisieren Helena und Lydia Camp für die zwei bis sechsjährigen Kinder der privaten Einsteller einmal die Woche den „Zwergenkader“. Zwei Ponys stehen zur Verfügung, um ausgiebigst geputzt und an der Longe geritten zu werden. Sechs Kinder kümmern sich um ein Pony, und je nach Größe der „Zwerge“ stehen schon mal mehrere Höckerchen um die geduldigen Ponys herum. So fängt er an, der Umgang mit dem Pferd. Irmgard F. Ruhs-Woitschützke
SUMMARY:
Katja and August Camp and their daughters Helena and Lydia are genuine horse persons and riders with a soft spot for Trakehners. They run a horse training and boarding facility of their own in Geldern/Rhineland. Katja and Lydia compete against each other in dressage to S-level with the Trakehners Rondo Classico, Belle Fleur, and Magic Old Time. August instructs Helena who is an ambitious event rider with her Herzzauber-son Floresco.



