Freitag, 18. Mai 2012
 


Die Weidesaison ist beendet, die Pferde sind in den Stall zurückgekehrt, und für die meisten Pferdehalter beginnt somit wieder die arbeitsintensive Jahreszeit. Das Winterhalbjahr bringt nicht nur veränderte Haltungsbedingungen mit sich, sondern auch eine Vielzahl von Krankheiten und Notfällen, die besonders gehäuft in der kalten Jahreszeit auftreten.

Einer der häufigsten Notfälle, zu denen der Tierarzt gerufen werden muss, ist die Schlundverstopfung. Sind die ersten Anzeichen oft gar nicht so dramatisch, handelt es sich bei einer Schlundverstopfung jedoch um einen sehr bedrohlichen, im schlimmsten Fall lebensgefährlichen Zustand für das Pferd. Während sich die Pferde im Sommer oftmals ausschließlich von Weidegras ernähren, muss sich der Pferdemagen im Winter mit einer Vielzahl von Kraftfuttermitteln auseinandersetzen. Neben dem Rauhfutter erhalten viele Pferde pelletiertes oder quellfähiges Kraftfutter, welches oft ursächlich ist für einen Schluckkrampf, der der Schlundverstopfung stets vorausgeht.

Der Schlund des Pferdes liegt am Eingang der Speiseröhre, er stellt gewissermaßen den Übergang zwischen Maulhöhle und Speiseröhre dar.  Die Besonderheit dieser Lage besteht darin, dass sich im Bereich des Schlundkopfes der Speiseweg mit den Atemwegen kreuzt. Der Schlund besteht, genau wie die Speiseröhre, aus einem Muskelschlauch, der den Futterbrei in wellenförmigen Bewegungen in Richtung Magen transportiert. Auf dem Weg zum Magen gibt es anatomisch bedingte Engstellen  der Speiseröhre, die ein Verklemmen von größeren Futterpartikeln begünstigen. Besonders häufig kommt es zu Komplikationen im Bereich des Brusteinganges, über der Herzbasis und am Zwerchfelldurchtritt direkt vor dem Mageneingang.

Gefährliche Schlundverstopfung

Im Normalfall zermahlen die Pferde ihr Futter ausreichend lange, so dass der Futterbrei unproblematisch abgeschluckt werden kann. Es gibt jedoch zahlreiche Faktoren, die eine Schlundverstopfung hervorrufen können. Gefährdet sind zum einen Pferde, die ihr Futter hastig herunterschlingen, z.B. extrem futterneidische Pferde. Pelletiertes Futter wird oft schneller gefressen als Getreidekörner, die Pellets werden nicht ausreichend zermahlen und eingespeichelt und bilden im Schlund einen klebrigen Klumpen. Alle quellfähigen Futtermittel, wie Zuckerrübenschnitzel oder Mash, bilden eine besondere Gefahrenquelle. Werden diese Futtermittel nicht lange genug mit ausreichend Wasser vorbereitet, quillt das Futter im Schlund und in der Speiseröhre nach. Eine der häufigsten Ursachen für eine Schlundverstopfung sind kleingeschnittene Futtermittel. Auch wenn der Pferdehalter es eigentlich gut meint, zerkleinerte Äpfel oder Rüben gehören nicht in den Pferdetrog. Anstatt zu kauen, schlingen Pferde die kleingeschnittenen Äpfel oder ähnliches gierig in sich hinein. Nicht selten verklemmt sich dann eines der Apfelstücke an den oben erwähnten Engstellen der Speiseröhre.

Ist die Speiseröhre durch einen Futterklumpen verstopft, fressen Pferde oftmals dennoch weiter. Die zusätzlich aufgenommene Nahrung staut sich über der Engstelle an. Erst dann macht sich langsam der Schluckkrampf bemerkbar. Die gesamte Muskulatur im Bereich Schlund und Speiseröhre ist verkrampft, die Pferde würgen oder schlucken auffällig. Auch während des Schluckkrampfes produziert das Pferd weiterhin Speichel. Durch die Schlundverstopfung kann der Speichel nicht mehr durch die Speiseröhre abfließen, es kommt zu dem typischen Erscheinungsbild einer Schlundverstopfung: Mit Futterbrei vermischter Speichel läuft dem Pferd aus einer oder beiden Nüstern. Bedrohlich ist dieser Zustand vor allem wegen der vorgenannten Kreuzung von Atem- und Speiseweg. Ist der Futtermittelbrei zurückgestaut bis zum Schlundkopf, besteht die Gefahr, dass Futterpartikel in die Lunge gelangen. Der verunreinigte Futterbrei kann zu schweren Lungenentzündungen führen. Besteht eine Schlundverstopfung über einen längeren Zeitraum, kommt es oftmals zu Durchblutungsstörungen im Bereich der Speiseröhre . Nachfolgend kann es zu einem Absterben von Gewebe der Speiseröhrenwand kommen. Wird eine Schlundverstopfung nicht innerhalb weniger Stunden erkannt und behandelt, können diese Spätfolgen durchaus  zum Tod des Pferdes führen.

Die Behandlung durch den Tierarzt besteht in der Regel aus der Gabe von entkrampfenden Medikamenten und dem Freispülen der Speiseröhre. Hierfür muss dem Pferd eine Nasen-Schlund-Sonde eingeführt werden. Mit Wasser wird anschließend versucht, die Verstopfung aufzulösen. Nach dem Freispülen der Speiseröhre müssen die Atemwege kontrolliert werden. Gegebenenfalls werden dem Pferd über mehrere Tage hinweg Antibiotika und Schleimlöser verabreicht. Übrigens gibt es auch die sogenannte „Tierarzt-induzierte“ Schlundverstopfung.

Die entsteht immer dann, wenn der Tierarzt einem Pferd ein Beruhigungsmittel verabreicht hat. Durch die Sedierung kommt es für mehrere Stunden zu einer verminderten muskulären Tätigkeit, auch im Bereich des Schlundes und der Speiseröhre. In diesem Zustand sollte das Pferd weder Kraftfutter, noch langfaseriges Rauhfutter aufnehmen können.

 

Leber- und Nierenstoffwechsel

Die Behandlung von Stoffwechselproblemen beim Pferd gewinnt zunehmend an Bedeutung. Vor allem im Winterhalbjahr kommt es zu einer Häufung von unspezifischen Stoffwechselerkrankungen beim Pferd. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Umstellung von Weide- auf Stallhaltung. Kontinuierliche Bewegung auf der Koppel weicht oft stundenlangem Stehen in der Box, die Fütterung wechselt von Gras auf Heu, Silage und Kraftfutter, quasi von Frisch auf Konserve.

Alles was das Pferd jemals an Nahrung zu sich nimmt, wird über Leber und Niere verstoffwechselt. Leber- und Nierenstoffwechsel sind einer der zentralen Kreisläufe im Körper. Die Leber ist verantwortlich für die Blutbildung, den Muskelaufbau, den Abbau aller stoffwechselpflichtiger Produkte und dem Aufbau der Immunoglobuline und Abwehrstoffe. Die von der Leber produzierten harnpflichtigen Stoffe werden über die Niere ausgeschieden.

Der Körper kann jedoch nur das verarbeiten, was ihm angeboten wird. Bei minderwertigem Pferdefutter kann der Leber-Nierenstoffwechsel nachhaltig belastet werden. Das im Winter angebotene Rauh- und Kraftfutter ist häufig mit Endotoxinen oder Schimmelpilzen verunreinigt. Auch wenn es nicht immer unmittelbar zu einer Erkrankung des Pferdes kommt, reichern sich die Schadstoffe in den Stoffwechselorganen an. Langfristig werden Leber und Niere jedoch nachhaltig geschädigt. Ein Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen kann sich ebenso ungünstig auf Leber und Niere auswirken, wie eine Überversorgung. Eine besonders hohe Belastung entsteht bei Zuchtstuten während der Laktationsphase. Die Bausteine der Milch werden vorwiegend in der Leber produziert, weiterhin ist die Leber Hauptstoffwechselorgan während der Milchbildung. Bei unzureichendem Futter- oder Mineralstoffangebot während der Laktation kommt es zu Stoffwechselstörungen in der Leber. Die Leber schafft es zwar eine ganze Weile, die Belastungen mit Schadstoffen oder Mangelsituationen zu kompensieren, irgendwann kommt es jedoch zu Funktionsstörungen mit nachfolgenden Leberzellzerstörungen.

Lebererkrankungen treten selten spontan auf. Vielmehr handelt es sich um eine chronische Entwicklung durch Überlastung des Organs. Lebererkrankungen äußern sich beim Pferd durch schlechten Allgemeinzustand, Abbau von Körpermasse, Leistungsverlust, bei fortgeschrittenen Schäden auch durch gelbliche Schleimhäute. Eine Diagnose kann nur durch eine Blutuntersuchung sicher gestellt werden. Als therapeutische Maßnahme kann der Leberstoffwechsel mit Infusionen (Amminosäuren, Vitaminen) unterstützt werden. Angepasste Ergänzungsfuttermittel und Futterzusatzstoffe können sinnvoll sein.

Bei einer Überlastung der Leber ist immer auch die Niere direkt betroffen. Die von der Leber produzierten harnpflichtigen Stoffe werden über die Niere ausgeschieden. Bei zu großen Mengen harnpflichtiger Stoffe wird die Ausscheidungskapazität der Niere überschritten. Es kommt zum Anstieg harnpflichtiger Stoffe im Blut und den damit verbundenen Krankheitsbildern wie Gelbsucht, Urämie oder schleichender Niereninsuffizienz. Bei Nierenproblemen besteht die Therapie in der Erhöhung und Verbesserung der Ausscheidungsrate. Hierfür werden harntreibende und entwässernde Medikamente verabreicht. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch auch hier die angepasste Fütterung und damit eine Verminderung der harnpflichtigen Stoffwechselprodukte.

                                      Petra Rebhan

SUMMARY:

Pelleted and swellable feed as well as apples or carrots cut into small pieces may cause esophageal obstruction in horses. When choked by feed material,  the esophagus will cramp, the horse is no longer able to swallow and the feed will pack up in the esophagus. Retching, coughing, as well as feed and saliva mixture coming out at one or both nostrils indicate choke. Because of the reflux of feed and saliva some of this mixture might be inhaled and cause aspirational pneumonia. Choke is life-threatening and treatment should begin immediately. The veterinary surgeon will administer an esophageal relaxant and use a nasogastric lavage tube to flush the esophagus. Stabled horses may develop liver and kidney disorders during wintertime. The feed given is often contaminated by endotoxins or mould. In the long run, poor-quality feed is likely to affect liver and kidneys because of the accumulation of harmful substance in these organs. Frequently symptoms in liver and kidney disorders are diffuse, for example poor overall condition, weight loss and decreased performance. Only a blood analysis will allow a reliable diagnosis.

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