Sie sind nicht im Turniersport zu Hause, werden beinahe immer vergessen, wenn es um Leistung geht. Und doch stehen viele „Freizeitpferde“ in Privathänden in ihren Leistungen sportlich ihren Turnierkollegen in nichts nach. Sabine Kreuter berichtet – stellvertretend für so viele – von ihrem Trakehner Jagdpferd.
Mein Wallach SIDNEY v. Windfall a.d. Sarah v. Bartholdy macht seit fünf Jahren bei mir einen hervorragenden Job als Equipagenpferd (d.h. Hundeführpferd) beim Schleppjagdverein von Bayern. Leider herrscht in der Reiterwelt die Meinung vor, dass in diesem Sport Pferde von minderer Qualität durchaus ausreichen; meist mit dem Erfolg, dass derjenige, der eine Jagd auf einem solchen Pferd reitet, nie wieder an einer solchen teilnehmen will. Dabei sind gerade in unserem Sport Galoppiervermögen, Ausdauer, Härte, Zuverlässigkeit, schnelle Reflexe, leichtes Handling und Rittigkeit ähnlich wichtig wie im Vielseitigkeitssport. Mit guten Pferden hat man es als Reiter leichter und beide Seiten haben auch mehr Spaß.
Ich bin durch Zufall an einen Trakehner geraten, obwohl ich schon immer Halbblüter geritten bin. Der Zufall hieß Herr Lemke, der ja der Züchter von Windfall ist und mit seinem Stall nur wenige Kilometer von unserem Reitverein entfernt ist. Sidney war bis vierjährig Hengst, angeritten, hatte aber sechsjährig noch keine weiteren Erfahrungen. Über die letzten fünf Jahre habe ich wohl einen sehr typischen Trakehner kennen lernen dürfen. Wunderschön, arbeitsfreudig und leistungsbereit, sehr sensibel und charakterlich einwandfrei – eine echte Persönlichkeit, weswegen mich sehr oft auch die Leute ansprechen. Dazu kommen Galoppiervermögen, Ausdauer, eine schöne und sichere Sprungtechnik. Sidney ist sensibel in der Hand – ich reite auf Trense – hat viel Schwung und ist absolut hundefreundlich. Er macht auch eine gute Figur unter dem Damensattel, der bei Showveranstaltungen zum Einsatz kommt. „Schade, dass ich nur Jagd reite, eigentlich ist das Pferd ja viel zu schade dafür.“ Ändern kann man diese Einstellung wohl nie, aber ein bisschen Respekt für unseren schönen, sehr naturnahen Sport würde ich mir manchmal wünschen.“



