Kein Gast gelangt unbemerkt auf den Hof von Silke und Peter Kunath. Wer das Gestüt am Kirschberg besucht, wird sofort von neugierigen Pferdeblicken begrüsst. In Zehren bei Meissen züchtet das Ehepaar Kunath seit 16 Jahren Trakehner Pferde.
Gleich nach der Wende sollte der Traum vom eigenen Gestüt Wirklichkeit werden. In Ganschow, Großwaltersdorf, Kölsa und Stockhausen wurden die Trakehner Zuchtstuten gekauft. „Wir hatten großes Glück, denn die Pferde stammten alle aus sehr guten Stutenfamilien der Olive, Feldmaus, Rautendelein, Walküre, Glöckchen und Skadi“, sagt Silke Kunath. „Wir haben beim Kauf mit sportlichem Auge geschaut, die Bewegungen der künftigen Zuchtstuten waren uns vor allem wichtig, denn wir wollen Sportler züchten. Die Kopfklarheit, Charakterfestigkeit und Sportlichkeit stehen bei unserer Zucht an erster Stelle.“
Nach zwei Umzügen mit den Pferden fand Familie Kunath vor sechs Jahren ihr heutiges Domizil, den idyllisch gelegenen Drei-Seitenhof auf dem Kirschberg, oberhalb des von urigen Weinbergen gesäumten Elbtales. Bevor das Wohnhaus Stück für Stück saniert wird, war das Wichtigste, genügend Stallplätze zu schaffen. Im neuen Außenboxenstall, mit Blick über den ganzen Hof, haben zehn Pferde Platz. Koppeln wurden gebaut und zwei Reitplätze angelegt. Die Dächer der Gebäude und Ställe haben bei der Sanierung Vorrang. „Eine Reithalle ist einer unserer großen Wünsche“, plant Peter Kunath. Der„Züchter des Jahres 2006“ baut das Gestüt ebenso solide auf wie seine erfolgreiche Pferdezucht.
Einer, der den Betrieb erfolgreich mit trägt, ist für Silke und Peter Kunath HANDRYK v. Van Deyk. Die Züchter haben für den Hengst gekämpft und gespart und er hat sie nicht enttäuscht. Der Schimmel zog als Pachthengst 1991 bei Kunaths ein. Besitzer Burkhard Wahler verkaufte ihn später auf den Amselhof, an Familie Kemmer. „Wir haben in dieser Zeit weiterhin unsere Stuten mit Handryk gedeckt und versucht, einen anderen Pachthengst zu bekommen. Aber irgendwie war es doch unser Schimmel und so haben wir ihn schließlich von Familie Kemmer kaufen können und die Entscheidung bis heute nicht bereut“, sagt Silke Kunath. Sie ist die „Chefin“ für Handryk. Und wie Peter Kunath ergänzt, genießt dies der Hengst. „Er ist sehr menschenbezogen und ohne vorheriges Kraulen und Putzen erfolgt kein Koppelgang.“ Mit Blick ins Elbtal kann Handryk täglich über die Kirschplantage galoppieren. Galopp, vor allem im Gelände, sei seine Lieblingsgangart. „Da wird er richtig munter“, schmunzelt Peter Kunath. Im Januar bezieht Handryk wieder eine Beschälerbox in Graditz. „Durch diese zentrale Aufstallung können mehr Stuten bedeckt werden. Vor allem Züchter aus anderen Bundesländern haben sich dadurch im vergangenem Jahr auch für Handryk entschieden“, weiß der Züchter.
Er selbst hat jetzt drei Handryk-Töchter in die Zucht genommen, eine davon die frischgebackene Prämien- und Staatsprämienstute SACHSENKÖNIGIN, eine Vollschwester zu Sachsenkönig. Mit zur Zeit zehn Trakehner Zuchtstuten, darunter drei Prämien- und Staatsprämienstuten (GRACE v. Michelangelo, SAMANTHA v. Inkognito und Sachsenkönigin v. Handryk) wollen Silke und Peter Kunath ihre bisher erfolgreiche Zucht weiterführen.
Dass diese Zuchtphilosophie aufgeht, zeigt die große Anzahl der Sportler aus dem Stall Kunath, die im In- und Ausland an den Start gehen. Eines der Aushängeschilder ist dabei der bis Grand Prix international erfolgreiche SACHSENKÖNIG v. Handryk - Altan. Große Hoffnungen setzt der Züchter auch in SACHSENWALD v. Handryk – Inkognito, der im niedersächsischen Gestüt Trouillé aufgestallt ist und hier seine Ausbildung erhält. REALIST v. Handryk – Sonnenstrahl konnte sich ebenfalls in S-Dressuren platzieren und mit GASPACHO v. Handryk - Grossist stellte das Gestüt am Kirschberg den Baden-Würtembergischen Jugendmeister in der Dressur. Der Wallach ist höchst erfolgreich in Dressurpferde Klasse M. In Springpferdeprüfungen Kl. M konnte sich FABEL v. Handryk - Altan etablieren. In Frankreich geht OHARA v. Handryk - Ephor in Dressur bis Klasse S an den Start und in England hat SELBSTGÄNGER v. Handryk – Caprimond eine neue Heimat gefunden. Er ist ebenfalls bis Klasse S im Springen erfolgreich. Im vergangenen Jahr waren aus der Zucht Kunath insgesamt 17 Trakehner Pferde auf nationalen Turnieren mehrfach platziert.
Die meisten der heute erfolgreichen Sportler hat Familie Kunath als Fohlen über Auktionen verkauft. „Dadurch haben wir leider zu wenige Rückmeldungen über die Entwicklung unserer Pferde. So ist unter anderem auch SACHSENGLANZ, der Vollbruder zu Sachsenkönig aus unserem Blickfeld verschwunden. Wir als Züchter würden schon gern die sportliche Entwicklung der von uns gezogenen Pferde verfolgen“, bedauert Peter Kunath. In diesem Jahr werden auf dem Kirschberg sieben Fohlen erwartet. Täglicher Koppelgang ist für den Nachwuchs und deren Mütter Pflicht. Neben der eigenen Zucht gibt es bei Familie Kunath die Möglichkeit der artgerechten Aufzucht sowie Pensionspferdehaltung. So leben zur Zeit 60 Pferde, davon 20 Pensionspferde auf dem Gestüt. Die dazugehörigen 80 Hektar Land bewirtschaftet das Ehepaar Kunath selbst. Weidepflege und Heu werden selbst erledigt. Nur das Stroh wird von benachbarten Bauern angeliefert.
Zeit, selbst einmal in den Sattel zu steigen, bleibt kaum. Doch so ganz hat er seine Reitstiefel noch nicht an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Peter Kunath war vielseitig erfolgreich in der Dressur, im Springen und im Gelände. Ihn reizt es schon, die eigene Zucht auf Turnieren vorzustellen. „Der Sport ist mir dabei genauso wichtig, wie das Zeigen unserer Trakehner – solide Pferde mit Charakter und exzellenten Bewegungen“, so der Züchter. Die Philosophie einer Zucht, der das Ehepaar Kunath seit 16 Jahren treu ist und die mit der neuen Auszeichnung zum Hengstmarkt des Trakehner Verbandes im Oktober des vergangenen Jahres gewürdigt wurde.
Constanze Lenk



