Freitag, 18. Mai 2012
 


Die Turniersaison 2006 war in vielerlei Hinsicht für Trakehner und ihre Reiter in Nord Amerika erfolgreich. Selten zuvor wurden so viele Erfolge auf nationaler Ebene gesammelt wie diesen Sommer, und das bezieht sich nicht nur auf die USA, sondern auch Kanada. Erfreulich ist hierbei der Trend, dass talentierte junge Reiterinnen und erfolgreiche Profis, die bislang eher anderen Zuchtgebieten zugewandt waren, vermehrt auf Trakehner Sportpferde setzen.

Einer der beeindruckenden Erfolge der Saison geht auf das Konto der 19-jährigen Laura Noyes aus Falmouth, Maine, und ihrem Wallach SYNCRO v. Enrico Caruso - Habicht. Laura besitzt Syncro seit den Anfängen ihrer Karriere im Sattel und hat den Wallach selber von der ersten E-Dressur bis jetzt auf Prix St. Georg-Niveau gebracht. Sie trainiert regelmäßig bei George Williams und verlegte sogar ihren Studienort nach Ohio, um näher bei ihrem Trainer zu sein. Laura Noyes und Syncro siegten überlegen in der Hochburg der amerikanischen Dressurszene in Devon im Sommer 2006. Das Paar gewann die Nationale Meisterschaft in der Dressur und erhielt damit ein Ticket für die Teilnahme und den Flug zum FEI Young Rider World Cup, den inoffiziellen Weltmeisterschaften der jungen Reiter im Dezember 2006 in Frankfurt!

Nicht weniger erfolgreich verlief die Saison für Lauren Sprieser und ihren 15-jährigen Wallach BELLINGER v. Maizauber - Habicht. Der imposante Braune stammt aus der Zucht des Gestüts Gorlo in Melle und ging als Jungpferd über die Medinger Eliteauktion. Leider begann damit für den sensiblen Wallach eine Reise durch etliche Hände, bis er schließlich bei Lauren Sprieser landete. Wie sie selber beschreibt, liegen bei ihrem “Billy” Genie und Wahnsinnn eng beieinander, aber für die Berufsreiterin aus der Nähe von Chicago ist er nicht nur eine Herausforderung, sondern belohnt die Arbeit und Geduld oft mir Ritten „vom anderen Stern”, wie Lauren Sprieser sagt. Mit Bellinger hat sie sich über die Jahre von Klasse M bis zum Grand Prix hochgearbeitet, und qualifizierte sich für den Brentina Cup, das amerikanische Pendant zum Piaff Förderpreis. In Gladstone wurde dann die harte Arbeit mit einem sensationellen 3. Platz belohnt, und Lauren Sprieser sieht der nächsten Saison entspannt entgegen, denn „Billy muss nichts mehr beweisen. Er ist das Pferd meines Lebens und für 2007 hoffe ich auf eine gefestigte Erfolgsserie im Grand Prix-Sport”.

Das Trio komplettiert die kanadische junge Reiterin Whitney Harris mit ihrem fünfjährigen Wallach KLOUSEAU v. EH Charly Chaplin - EH Arogno. Der Braune stand unter dem Namen Konstantin bereits im Auktionsring in Neumünster, wo er 2003 als nicht gekörter Hengst von den kanadischen Dressurförderern Claudia und Ruth Demandt entdeckt wurde. Nachdem der Wallach angeritten wurde, interessierte sich die Familie Harries für den gangstarken Youngster und erwarb ihn als Zukunftpferd für die Tochter, die bisher noch keinen Trakehner hatte. Umbenannt in Klouseau, hatte das Paar eine sehr erfolgreiche Saison in FEI Prüfungen. So siegten sie beim CDI Blainville in der FEI Abteilung der fünfjährigen Dressurpferde mit glatten 80%! Klouseau trat damals die Reise aus Neumünster nicht alleine an. Sein älterer Bruder KASPARE, Reithengst im Lot der Auktionspferde, ging ebenfalls an Claudia und Ruth Demandt und blieb auch in deren Besitz. Einen Großteil der Saison 2006 wurde er vom kanadischen Grand Prix-Reiter Jon Costin trainiert und auch vorgestellt und wechselte vor wenigen Wochen in den Beritt von Esther Mortimer, die mit dem auffälligen Braunen einen Platz im Nationalteam von Guatemala, ihrer Heimat, für die Panamerikanischen Spiele anpeilt. Kaspare siegte bei etlichen FEI Prüfungen für sechsjährige Dressurpferde, darunter bei den Ontario Dressage Championships in Bethany, wo er 78% aus der Prüfung mit nach Hause brachte.

Im Juniorenbereich in den USA ist Julie McKean aus Camden in Maine eine feste Größe. Sie reitet den dänischen Trakehner Wallach STRAVINSKY v. Camerlengo x- Deadly Nightshade xx. Auch Julie McKean siegte in FEI Juniorenprüfungen, u.a. bei den amerikanischen Meisterschaften und in Devon, wo sie mit dem erst achtjährigen Stravinsky Prüfungen auf M/S-Niveau im Bereich von 67-70% für sich entscheiden konnte. Stravinsky führt über seinen Großvater Mago xx und den Muttervater Deadly Nightshade xx viel Vollblut, was sich ganz besonders in seiner Arbeitsbereitschaft und Eleganz widerspiegelt.

National auf sich aufmerksam machen konnte KOSMISCH v. Happy Hour - Memelruf aus der Zucht und dem Besitz von Cari und John Cassel in Arkansas. Der Wallach qualifizierte sich souverän sowohl für das amerikanische Bundeschampionat der Fünfjährigen, wie auch für die FEI Prüfungen in Devon und konnte unter seiner Reiterin Kendra Menzies einen 2. Platz in Devon holen. Die Prüfung war ausgeschrieben für Pferde, die in den USA gezogen wurden.

Eine kleine internationale Erfolgsgeschichte ist die Karriere des gekörten BARON VERDI v. Monteverdi TSF - Anduc. Der imposante Braune stammt aus der Zucht von Werner Kindt in Mettlach, Rheinland-Pfalz und wurde bei Familie Engelhardt im Ruhrgebiet aufgezogen. Er ging als knapp Zweijähriger in die USA an Dr. Timothy Holekamp und schickt sich nun an, die Holekampsche Erfolgsgeschichte des Windfall zu wiederholen, nur in einer anderen Disziplin. Etliche Siege und Platzierungen in Dressurpferdeprüfungen bis Klasse L gehen auf das Konto des fünfjährigen Hengstes, der von James Koford vorgestellt wird. Er qualifizierte sich ebenfalls für das US Bundeschampionat der Fünfjährigen und siegte überlegen in der FEI Prüfung in Devon.

Auf Grand Prix-Niveau sind auch TANNENHÄUSER v. Enrico Caruso - Avignon II, HESPEROS v. Donaumonarch - Caprimond, MARTAILO v. Hailo - Martini, WINDWALZER, ein gekörter Hengst v. Saxon - Virgil, und der in Deutschland von Erika Pistorius gezogenen JOEWELL v. Empire - Cornelius landesweit erfolgreich. Es war auffällig, dass der bis Grand Prix siegreiche Hengst LEONIDAS mit seinen ältesten Nachkommen sämtliche „Horse of the Year” Preise in den Dressurklassen M und S auf nationalem Niveau belegen konnte. Ganz stark an der Westküste ist zudem der Schimmel LEMON aus der Zucht von Dr. Lehmann in Deutschland. Der sichere Prix St. Georg-Sieger ging unter dem Namen Hardenberg Lemon über die Klosterhofer Eliteauktion, war in Deutschland unter Nicole Kochskämper S-siegreich und wechselte zu Margo Hoagland nach Kalifornien, wo der schicke Schimmel von Amiego - Ravel seiner neuen Besitzerin viel Freude bereitet. Auch Margo Hoagland hat mit Lemon den ersten, aber sicherlich nicht letzten Trakehner im Stall. Die Westküste ist auch das Terrain des Weltcup-erfolgreichen Hengstes HERZBERG v. EH Leonardo - Persaldo aus der Zucht von Anton Urnau, der in den USA für die Oldenburger Zucht anerkannt ist und auch aktiv im Deckeinsatz steht. Unter dem Sattel von Jennifer Hoffmann beeindruckt der elegante Dunkelbraune immer wieder durch seine Bewegungsqualität und Nervenstärke, die ihn besonders in Kürprüfungen auf höchstem Niveau vielfach als Sieger vom Platz gehen sieht.

Die bei der ATA registrierten Trakehner sind allerdings nicht die einzigen, die in der Presse oft besprochen werden. So war es eine besondere Freude, den in Deutschland einst gekörten Hengst HALBGOTT v. Partout - EH Consul aktiv im Sport zu sehen. Der bewegungsstarke Braune steht dem international erfolgreichen Reiter Marco Bernal in Florida zur Verfügung und läuft aktuell auf Inter I Niveau im Bereich der 70% Marke. Man darf auf mehr gespannt sein.               Dr. Maren Engelhardt

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