Freitag, 18. Mai 2012
 


Ist es gewagt, diesen Nachmittag mit Superlativen zu betiteln?
Eine Vorstellung von 65 gekörten Trakehner Hengsten gibt es – weltweit – nur am zweiten Samstag im Februar in Münster. Vor international gefüllten Rängen präsentierten Hengsthalter und Deckstationen Qualität, die schlicht gute Laune machte. Dieses schon traditionelle Highlight des Trakehner Jahres sorgte in diesem Jahr für Herzklopfen: nicht nur einige Youngster des Körjahrgangs 2006 gaben ihr Debüt unter dem Sattel, auch der ein oder andere Reiter erlebte kurzfristig neu beritten eine Premiere.


Ein Stichwort für die erste Lobeshymne: gefühlvolles, dem Alter der Pferde angepasstes Reiten zeigte sich auf dem Vormarsch. Die Remonten wurden durchweg als solche vorgestellt, durften ihr Gleichgewicht suchen und finden und bestachen gleichermaßen mit Bewegungspotential wie Manierlichkeit. Besonders positiv fielen die Ritte von Friederike Schulz-Wallner auf den jungen, in Schwaiganger stationierten Hengsten IMPERIO und ZAUBERFÜRST sowie Ingo Menzes Vorstellung der Dillenburger bzw. Waldfried-Pferde UNION JACK und DORKAS auf. Den Maßstab zum Auftakt aber setzten 99 Trakehner Jahre: Otto Langels in preußischer Uniform überbrachte auf Grandseigneur KOSTOLANY eine Grußbotschaft der FN zum 275-jährigen Gründungsjubiläum Trakehnens und rief Erinnerungen an hinreißende Schaubilder wach … im Reigen herrlicher Hengste erhielten diese beiden den ganz großen Applaus!
Mit Spannung erwartet das Publikum alljährlich insbesondere die jungen Hengste. Was mehr als 20 Drei- bis Fünfjährige für eine Zukunft in Zucht und Sport versprachen, stimmt optimistisch. SONGLINE und DONAUGOLD führten die Riege der Youngster an, die von Zauberfürst, Dorkas, CHARDONNE, KROKANT und dem sich als Bewegungskünstler entpuppenden BALLZAUBER ergänzt wurde. Die Vierjährigen zeigten sich gereift und ließen Sportlerherzen höher schlagen. EASY GAME und IMPERIO, besonders großrahmig und bewegungsstark, wussten sich schön auszubalancieren, CANZLER und UNION JACK bestätigten den Spitzeneindruck des Vorjahres und auch SAMBATÄNZER, DONAUZAUBER und HERZENSDIEB gefielen unter dem Sattel. HIRTENTANZ war als Junior der Springpferde vertreten. Chefsache waren an diesem Nachmittag die Wahlerschen Hengste, sämtlich von Burkhard Wahler vorgestellt. LE ROUGE gab fünfjährig eine Kostprobe seines hoch bewerteten Veranlagungstests. Ihm zur Seite der Birkhofer MERALDIK und erstmals wieder dabei war FINCKENSTEIN, für dessen verletzte Reiterin Markus Waterhues spontan eingesprungen war. Zu gefallen wusste der deutlich gereifte PRICOLINO. IPPON, Spitzenabsolvent des 70-Tage-Tests konnte kurzfristig nur an der Hand vorgestellt werden. Ein Gleichgewichtswunder scheint der im Vorjahr in Wickrath gekörte, so sympathische LORD LUCIANO, dessen Züchterin und Besitzerin Debra Tyler eigens für seinen Auftritt aus den USA angereist war.
Ein Wiedersehen gab es mit interessanten Vertretern des Körjahrgangs 2001. Siegerhengst IN FLAGRANTI und Friederike Schulz-Wallner zeigten sich bereits beim Bundeschampionat als Dream-Team und bestätigten diesen Eindruck bei ihrem kurzen Schauauftritt. KAROLINGER I,  bisher häufig als „wuchtig“ oder „mächtig“ beschrieben, gewinnt unter seinem neuen Ausbilder und Reiter Peter Koch ungemein an Eleganz und lässt Hoffnung auf seine Sportkarriere keimen. LOWELAS trat unter seiner Besitzerin Fiona Bigwood an. Es gibt Hengste mit einem ganz eigenen Charisma und zu ihnen gehört DER DÜRER TSF. 2006 in Wickrath gekört, stellte Bastian Kuckartz ihn erwartungsgemäß im Kurzparcours vor, wo der Waitaki-Sohn lässig und souverän mit den Abmessungen spielte.
Hochkarätig waren die „Erwachsenen“ vertreten. K2 ließ unter Falk Rosenbauer den einstigen Siegerhengst ahnen und zeigte sich deutlich lockerer als im Vorjahr. Hinreißend und auf der Ausbildungsleiter wieder ein sicheres Stück weiter begeisterten INSTERBURG TSF und Carola Koppelmann das Publikum, souverän auch die Vorstellung von EPERNAY und Ingo Menze. So etwas wie einen Kaltstart legten AXIS und Eva Zieglwalner hin. Nach nur einem kurzen Proberitt hieß es Vorhang auf für zwei, die sich noch gar nicht kennen! CONNERY, züchterisch längst bewährt, löste unter Katrin Poll das Versprechen ein, das er als grüner Jüngling vor sieben Jahren in Neumünster gegeben hatte: Ein Edelpferd, zum Malen schön, brillierte er besonders in den Seitengängen. Der sportliche HOUSTON komplettierte das Trio Insterburg & Co.
König Vollblut gab sich gleich sechsfach die Ehre: Mit ZÖLLNER xx, ESTEBAN xx und FABERGER xx präsentierten sich hart geprüfte Englische Vollblüter für die Trakehner Zucht. Eindrucksvoll ergänzt von OSTERMOND xx und BETEL xx, die am Sprung ihr Talent bewiesen. Die vier gezeigten Halbblüter, Meraldik, Chardonne, Krokant und der in S-Springen erfahrene SKY DANCER zeigten Rittigkeit und Reitpferdepoints … der Mut zum Blut liegt jetzt in der Entscheidung der Züchter.
In einem Kurzparcours gab es ein Wiedersehen mit bekannten Springtalenten wie HEOPS, Sky Dancer, CAMARO, den beiden Blütern Ostermond xx und Betel xx und den jungen Hengsten Der Dürer TSF und Hirtentanz. Eine echte Überraschung war der Besuch des neunjährigen polnischen Hengstes CZAR v. Lwow – Aragonit, der mit maximaler Ruhe und Rittigkeit maximale Abmessungen überwand. Seine Besitzer und einige Fans aus Polen hatten die weite Tour mitten im Winter auf sich genommen, und der schöne Schimmel hat ganz sicher einige Fans auf deutschem Boden gewonnen.
POLARION ist zurück und Markus Gribbe ließ es sich nicht nehmen, den 14-jährigen Van Deyk-Sohn selbst in Grand Prix-Lektionen vorzustellen. Zur Grand Prix-Reife entwickelt zeigten sich auch POLARZAUBER mit Nicole Kochskämper und KAPRIOLAN F unter Eva Zieglwalner. Valerie Hüttner ritt erstmals MONTEVERDI TSF vor großem Trakehner Publikum, gefolgt von MÜNCHHAUSEN TSF, dessen neuer Reiterin Andrea Landy-Silling nach einer sehr gelungenen Vorstellung ein sichtlich dicker Stein vom Herzen fiel. Dorothee Schneider hatte den S-erfolgreichen URSPRUNG TSF dabei und zelebrierte ihn gekonnt.
Ausgesprochen adlig wurde es im großen Finale aufstrebender Dressurhengste. KAISERDOM TSF, überraschend mit Katrin Poll im Sattel, machte den Anfang und kaiserlich ging es weiter: mit KAISERKULT TSF und Dorothee Schneider, die noch auf der Siegeswelle von Frankfurt zu surfen scheinen und sich in bestechender Form zeigten. Aus Dänemark war KAISER WILHELM mit Anke ter Beek angereist und wir freuen uns jetzt schon auf den Kaisergipfel beim Bundesturnier. Grüße von Matiné überbrachte deren Vater SILVERMOON, der sich mit seinen 16 Lenzen unter Mathias Kempkes elastisch und lektionssicher zeigte. Mit einem Pas de Deux auf Grand Prix-Niveau beschlossen KING ARTHUR TSF unter Petra Wilm und HOFRAT unter Friederike Bünger den großen Hengstreigen und die Grand Prix-Stars und Hoffnungsträger versammelten sich zum Abschlussbild.
Superlative? Aber sicher. Spitzennachwuchs, Spezialhengste und eine ganze Reihe Sportler in der S-Klasse zeigten einen tollen Querschnitt der aktuellen Trakehner Hengstpopulation: Münster 2007 war einsame Spitze.    IE



Winterliche Frühjahrskörung

Eine Premiere erlebte die Frühjahrskörung mit freiem Reitpferdeverkauf in Verbindung mit der großen Trakehner Hengstschau des Zuchtbezirks Westfalen. Für die Zuschauer erwiesen sich Zeit und Ort als passend – auf die Aufnahme in den Trakehner Jahresspielplan ist zu hoffen.


Dem Gros der Interessierten dürfte die Zusammenlegung zweier wichtiger Trakehner Termine zeitlich entgegenkommen. Vielleicht aber kam der immerhin um gute zwei Monate vorverlegte Termin für einige Züchter zu zeitig. Neun dreijährige Hengste, ein im Sport erfolgreicher Hengst sowie zwei Englische Vollblüter traten am Freitagmittag auf dem Pflaster vor die Augen der Körkommission. Am Nachmittag folgte das Freispringen der Junghengste kombiniert mit dem Freilaufen der Hengste. Elmar Lesch und Sebastian Kuckartz zeigten sich für die reibungslose Organisation verantwortlich. Ganz Sohn seines Olympia-erfahrenen Vaters Askar AA, bewies der großrahmige Vergo hier Übersicht und Vermögen und vermochte auch beim Freilaufen mit Elastizität und Balance zu punkten. Die Präsentation auf dem Dreieck sowie die Vorstellung des zehnjährigen Polarpunkt-Sohnes Showtime unter dem Sattel folgten am Samstagmorgen. Die Verkündung der Körergebnisse entließ alle Dreijährigen ohne das begehrte Körprädikat. Einzig der enorm sportliche Vergo wurde vorläufig nicht gekört und nahm die Empfehlung, sich nach bestandenem 70-Tage-Test erneut vorzustellen, mit nach Hause.
Besser lief es für Showtime. Sein Züchter und Besitzer Dr. Andreas Wezel, Burgkirchen, kann sich über seinen ersten gekörten Hengst freuen. Im Dressursport unter Leonie Bramall bisher bis St. Georg hoch erfolgreich hat sich der Trakehner Champion der drei- bzw. vierjährigen Hengste der Jahre 2000 und 2001 das Körprädikat nicht zuletzt durch konstante Eigenleistung redlich verdient. Anerkannt wurde der typvolle Rapphengst Timolino xx aus der Zucht von Dr. Eleonore Wachartz, Marktbreit, und im Besitz von Lothar Völz, Wöhrden. Auch für die Holsteiner zum Jahresbeginn frisch gekört, war der in sechs  Rennsaisons in Flach- und Hindernisrennen hart geprüfte und erfolgreiche Veredler 2004 bestes deutsches Hindernispferd und hat während seiner Rennlaufbahn fast 100.000 Euro verdient.
Sieben Reitpferde stellten sich in Münster als Verkaufspferde dem Publikum vor. Ein Pferd der Kollektion hatte bereits bis Redaktionsschluss den Besitzer gewechselt. Die Resonanz war nicht so stark wie für dieses Pilotprojekt erhofft, eine Weiterentwicklung ist in Planung.
Insgesamt gelungen und gut besucht waren die beiden Tage in Münster, deren Veranstalter neben dem Trakehner Verband gleich zwei Zuchtbezirke mit großem ehrenamtlichen Tross waren. Die Körveranstaltung lag in den Händen des Zuchtbezirks Rheinland unter Leitung von Josef-Wilhelm Dahmen. Die Organisation der Hengstschau hatte traditionell der Zuchtbezirk Westfalen unter Leitung von Dr. Hans Becker übernommen. Ausgesprochen gelungen war der Züchterabend am Freitag:  Dr. Klaus Miesner referierte vor ca. 150 Gästen über die Entwicklung der deutschen Pferdezuchtverbände im europäischen Umfeld. Über seine Ausführungen berichtet „Der Trakehner“ in einer der nächsten Ausgaben.                IE

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