Im zweiten Teil unserer Serie über Hunter in Nordamerika stellt Dr. Maren Engelhardt spezialisierte Züchter sowie die Abstammungen der erfolgreichsten Trakehner Hunter vor.
Es gibt kaum Gestüte in den USA oder Kanada, die sich voll und ganz der Zucht von Huntern verschreiben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist es ausgesprochen kostspielig, denn hier gibt es keinen Fohlenmarkt, sondern nur einen Markt für bereits „entwickelte” Pferde. Unweigerlich investiert der Züchter von Huntern also in jedes Pferd mindestens 3-4 Jahre, bevor ein Verkauf gewinnbringend abgewickelt werden kann. Zum anderen interessieren sich die Käufer und deren Trainer nur in den wenigsten Fällen für das Papier ihres zukünftigen Hunters. Auch das macht den Abverkauf nicht einfacher. Solange ein guter Hunter „funktioniert” und dem Käufer Siegerschleifen verspricht, hat er einen Markt. Ob das Pferd selber dabei eher ein Weideunfall war, oder aber aus einem gezielten Zuchtprogramm stammt, interessiert wenig.
Dennoch ist festzustellen, dass die Erfolge von Trakehner Pferden im Huntersport in Nordamerika vor allem in den letzten Jahren doch einen gewissen Boom bei bestimmten Abstammungen hervorgerufen haben. Da waren dann die Züchter, die schon vor 20 Jahren an den Erfolg gezielter Zuchtprogramme gedacht haben, die Gewinner. Die bereits im ersten Teil unserer Reportage erläuterten Eigenschaften eines guten Hunters – Springvermögen, ausgeglichenes Temperament, rhythmische Bewegungen, Typ und Körperharmonie – sind in unserer Zucht in bestimmten Linien mehr verankert, als in anderen. Ein Hengst, der sich in dieser Sparte besonders hervorgetan hat, war der auffällige BUKEPHALOS, der 1979 in Deutschland von Jörg Freiherr von Imhoff gezogen wurde und Anfang der neunziger Jahre an die Familie Schickedanz, Galten Farms, in Kanada verkauft wurde. Bukephalos stammte ab von Insterfeuer, über den er auch seine eigenwillige Färbung bekam. Seine Mutter war die bedeutende Irische Vollblutstute Ballyvergin Lady xx v. Seminole II xx – Ossian II xx. Ballyvergin Ladys Tochter, die St.Pr.u.Pr.St. Balzjagd v. Insterfeuer, brachte den in der niederländischen Warmblutzucht hoch angesehenen, gekörten Habicht-Sohn Balzflug. Eine andere wichtige Tochter der Ballyvergin Lady xx, Bachkantate xx v. Pasteur xx, ist Mutter der international erfolgreichen Vielseitigkeitspferde und Trakehner Elitestuten Banteer und Bunbury v. Parforce, die ebenfalls aus der Zucht von Jörg Freiherr von Imhoff stammen. Bukephalos selber war vor seinem Export nach Kanada ebenfalls in der Vielseitigkeit bis CCI** erfolgreich und der gesamten Familie hätte man ebenso gut eine dominante Rolle in der Sparte Springen in Amerika vorhersagen können. Bukephalos wurde bei Familie Schickedanz vornehmlich mit den dort gepflegten Stutenstämmen der E.St. Abiza v. Maharadscha und der Heimischen v. Gazal ShA angepaart. Die Nachzucht zeichnete sich oft durch den großen Rahmen und die Knochenstärke des Vaters aus, gepaart mit hervorragendem Springvermögen und viel innerer Ruhe und Gelassenheit.
Aus einer dieser Verbindungen stammt der bei der ATA gekörte, dunkelbraune HEINZELMANN *PG*, ein Sohn des Bukephalos a.d. E.St. Haiti v. Amiego – Gazal ShA. Heinzelmann ging in den Sport und brachte es innerhalb kürzester Zeit auf eine beeindruckende Liste an Erfolgen. Er war landesweit einer der erfolgreichsten Hunter. Unter seiner Besitzerin Robin Swinderman gewann er unzählige Trophäen und “Horse of the Year” Awards und 2002 verlieh ihm die ATA den höchsten Preis, den man als Trakehner in den USA gewinnen kann: die Palmenblüte Statue, gestiftet von der Familie Eugen Wahler. Heinzelmann lief im Sport unter dem Namen „Storyteller” und irgendwann kam ein Kaufangebot, das Robin Swinderman nicht ignorieren konnte. Der Hengst wechselte den Besitzer und wurde als erstes kastriert. Davor war er jedoch als Deckhengst in Hunterkreisen sehr geschätzt. 2004 körte die ATA seinen Sohn, den Schimmel ASHER, der ebenfalls aus der Zucht der Familie Schickedanz stammt. Seine Mutter ist die E.St. Alouette von Tannenberg a.d. E.St. Abiza v. Maharadscha, der Mutter des großen Abdullah. Hier erwies sich die Anpaarung wieder als Volltreffer. Asher gewann als Jährling alle Zuchtschauen, in denen er vorgestellt wurde. In Nordamerika wird den so genannten „In Hand Shows”, also den reinen Zuchtschauen, sehr viel Bedeutung beigemessen. Asher war schon als junges Pferd von großer Gebäudeharmonie, Schönheit und Korrektheit gekennzeichnet und erfreute sich großer Beliebtheit. Er hat unter dem Huntersattel gehalten, was man früh von ihm erwartet hat. Seine Nachkommen zählen heute in Kanada zu den erfolgreichsten Huntern, seine überragende Tochter Ashanti siegte 2006 im angesehenen Lieutenant Governor’s Cup anlässlich der Royal Winter Fair in Ontario. Heinzelmann ist kein Hengst mehr, aber in den Zeiten von TG Samen und mit einem Sohn wie Asher im Deckgeschäft dürfte die Linie des großen Bukephalos auf lange Zeit ihren Platz im Huntergeschäft gesichert haben. Zumal Familie Schickedanz nach dem Tod von Bukephalos auch dessen einzigen gekörten Sohn aus Deutschland, den Fuchs HELING, nach Kanada holte. Offensichtlich weiß man hier sehr wohl, was man an diesen Pferden hat!
Carinos klasse Kinder
Nicht minder erfolgreich ist der ebenfalls in Kanada beheimatete CARINO. Der Rappe, der 2006 seinen 30. Geburtstag in der Obhut seiner Besitzern Connie Kempter vom Rappenhof in Quebec feierte, hat sich vor allem wegen des unerschütterlichen Temperaments seiner Nachkommen in den Amateurkreisen der Hunterwelt nachhaltig empfohlen. Carino, der bei der ATA als Elitehengst geführt wird, stammt von Liguster a.d. Catatina v. Kobalt, einem Vollbruder des wichtigen Komet. Carino stammt aus der Zucht von Heinrich Schmahl in Deutschland und hat bei der ATA vier gekörte Söhne, allesamt Vollbrüder aus der E.St. Palma Nigra v. Habicht. Die Verbindung von Temperament, Typ und großer Sportlichkeit macht vor allem den gekörten Carino Sohn PLATINUM vom Rappenhof zu einem echten Hingucker im Huntersport. Man könnte sich den Hengst ebenso gut im Springsport vorstellen, denn neben den erwähnten Eigenschaften der Hunter zeichnet sich Platinum durch hervorragendes Springvermögen aus, sicherlich ein Verdienst seines Großvaters Habicht. Platinum steht wie seine Vorfahren im Besitz von Connie Kempter, die vor allem ermutigt durch die auffälligen Erfolge des Rappen nun vermehrt auf die Hunter setzt und hier für Trakehner ein großes Potential im Sport und damit auch am Markt sieht. Auch Platinum hat sich schon als Vater von erstklassiger Nachzucht einen Namen gemacht.
Eine andere Linie, die immer wieder mit überzeugenden Erfolgen aus Hunterprüfungen kommt, ist die Mahagoni-Linie, die in den USA vor allem über die Mahagoni-Söhne DONAUFÜRST (aus der Vollschwester des Donauwind) und den Elitehengst ENRICO CARUSO vertreten wird. Besonders Donaufürst hat sich selber als Hunter bewiesen, bevor er als Dressurpferd verkauft wurde und binnen kürzester Zeit unter seiner Besitzerin Erin Brinkmann Erfolge bis Prix St.Georg sammeln konnte. Seine Nachzucht, z.B. Herma aus einer Mutter von Radom oder der gekörte San Remo aus einer Habicht-Mutter, ist in den Siegerlisten der großen Turniere zu finden. Mahagonis Söhne stehen in erster Linie für ihre hervorragende Rittigkeit und einer der Hauptgründe für Enrico Carusos hervorragenden Ruf in den USA ist das unerschütterliche Temperament seiner Nachkommen, egal ob Hengst, Stute oder Wallach. Die Pferde zeichnen sich durch Schönheit und klassische Hunterbewegungen aus und erfreuen eine Armada an jungen Reitern und Junioren, die mit den Pferden ohne Probleme ihre Runden drehen können.
Donaufürst hat im eigenen Heimatstall Konkurrenz des imposanten Rappen HAILO v. EH Anduc – Thor. Der Hengst aus der Zucht der Familie Langmann in Dillenburg steht Zeit seines Lebens bei Jean Brinkmann auf der Valhalla Farm in Florida. Selbst erfolgreich bis Grand Prix im Dressursport, ist der Rappe bekannt für seine ruhigen, ausgeglichenen Nachkommen, die den berühmtem Hunterstil über dem Sprung geradezu dominant zu erben scheinen. Hailo war lange neben dem Hausherren der Valhalla Farm stationiert, dem ebenfalls Grand Prix erfolgreichen MARTINI v. Coktail. Die Anpaarung des einen mit den Töchtern des anderen haben Junioren-Hunter am laufenden Meter gebracht und für Jean Brinkmann einen völlig neuen Markt eröffnet. Einen Markt, den sich die ambitionierte Dressurreiterin mit ihren beiden Grand-Prix-Hengsten anders vorgestellt hatte, aber der Erfolg gibt ihr Recht!
Ebenfalls mit Habicht-Blut im Pedigree und Hunter-Erfolgen unter dem Sattel glänzt der aus Deutschland importierte Dunkelfuchs GLENN LIVIT F v. Polarpunkt – Mohammend. Der strahlend schöne Fuchs aus dem Besitz von Jennifer Grubb im Osten von San Francisco war lange nur Reithengst, hat aber seine Besitzerin durch sein hervorragendes Interieur nie vor die Wahl gestellt, ihn zum Wallach zu machen. Glenn Livit F ist erst seit wenigen Jahren im Zuchtgeschäft aktiv, aber der Erfolg seiner Nachzucht wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.
Hengste mit Fangemeinde
Einer, der sich den momentan wohl besten Platz im Zuchtgeschäft gesichert hat, ist der braune ZARR. Seine Karriere bei der ATA war schon zu Ende, bevor sie überhaupt begann, denn der Hengst zog sich zweijährig eine so schwere Verletzung zu, dass er nie geritten werden konnte und somit auch nie eine Hengstleistungsprüfung hätte beenden können. Er wurde nie zur Körung vorgestellt, aber in Amerika ist das nicht das Aus für eine Zuchtkarriere. Zarr hat alle Attribute eines Top Hunters, und ihm gelang es, fernab der Trakehner eine große Fangemeinde zu gewinnen. Der Hengst ist ein gefragter Deckhengst und seine Nachzucht begeistert Züchter von Los Angeles bis Boston. Der schicke Braune stammt v. Hennessey, einem bei der ATA gekörten Hengst, der im Mutterleib nach Amerika kam. Er ist der einzige gekörte Sohn des Siegerhengstes Seigneur v. EH Consul, der nach nur einem Deckjahr in den USA an den Folgen einer Darmverschlingung einging. Hennessey stammt aus der Zucht von Dr. Helmut Eisner in Deutschland, und hat sich als Lieferant guter Springpferde und Hunter in den USA einen Namen gemacht. Zarrs Mutter ist die Stute Zierde v. Schwalbenflug, die aus dem in Deutschland fast erloschenen Stutenstamm der J. Adana stammt. Diese Familie erfreut sich in den USA großer Beliebtheit und wird heute vor allem auf der Meadowview Farm von Eileen Poole gepflegt. Zarr, der sich im Besitz von Daryl und Teddy Stout befindet, stammt aus der Zucht von Mae Jean Fichter. Und hier schließt sich ein Kreis, denn Mae Jean Fichter ist die Hunterperson in der ATA überhaupt. In ihrem Stall steht der strahlende Schimmel SCHÖNFELD v. Meilenstein a.d. Schönau II v. Ordensglanz - Keith, der maßgeblich am Erfolg der Trakehner in Hunterkreisen beteiligt ist. Der Hengst ist Elitehengst bei der ATA. Mae Jean Fichters Farm liegt strategisch günstig mitten im Vollblut-Zuchtgebiet von Kentucky und Schönfeld deckte Zeit seines Lebens hauptsächlich Vollblustuten. Er rangierte jahrelang als der beste Huntervererber in den USA. Leider wussten nur wenige Reiter seiner Nachkommen deren Abstammung einzuschätzen. Schönfeld ist heute fast eine lebende Legende in den USA und immer noch aktiv im Deckgeschäft.
Dass offensichtlich die Familie der J. Adana ein guter Passer ist, beweist der Rappe ZULU MV, ein bei der ATA gekörter Sohn des EH Herzzauber a.d. Zarenkrone v. Karat. Zulu MV stammt aus der Zucht von Eileen Poole und befindet sich heute im Besitz von Carole Putkonen aus Medina in Ohio. Carole Putkonen ist schon über 25 Jahre im Huntersport zu Hause und hatte lange vor dem Boom der späten neunziger Jahre Trakehner im Stall. Sie ist eine der wenigen professionellen Huntertrainerinnen, die auch ein Zuchtprogramm mit Trakehner Pferden begonnen haben. Zulu wird von ihrer Tochter hoch erfolgreich im Sport geritten, während er ansonsten als Deckhengst aktiv ist und sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Neben den etablierten Hengsten gibt es jüngere Trakehner, die sich derzeit im Sport beweisen, um später dann vielleicht das Erbe von Schönfeld und Heinzelmann antreten zu können. Zu dieser Gruppe gehört auch der in Neumünster gekörte ILLUX v. EH Latimer – Giorgio Armani, der bei Johannes Koop in Deutschland gezogen wurde und heute für Christine Williams in Victoria, Kanada, als Hunter aktiv ist. Ein weiterer Nachwuchsstar ist auch der bunte Fuchs HILIFE v. Martini – Hilarius, der aus der Zucht von Lincoln Case in Louisiana stammt und 2001 von der ATA gekört wurde. Nur noch über TG verfügbar, da ebenfalls wegen seiner Hunterkarriere gelegt, ist der Rappe STRAVINSKY von Fabius – Habicht, der seine Karriere als Vielseitigkeitspferd unter Darren Chiacchia begann, und heute als Wallach und Hunter erfolgreich unterwegs ist. Seine Nachkommen können bereits schöne Erfolge in Nachwuchsprüfungen aufweisen.
Abschließend bleibt wohl festzustellen, dass die Trakehner Zucht, wie auch alle anderen Warmblutzuchten, sicherlich Pferde für diese Sparte der Reiterei liefern kann. Momentan läuft es für die Trakehner in Nordamerika so gut im Sport, dass sie mehr und mehr Beachtung erhalten und Züchter auch Rückfragen nach gezielten Anpaarungen bekommen. Bis zur vollen Akzeptanz eines gerichteten Hunter-Zuchtprogramms ist es sicherlich noch ein weiter Weg, aber engagierte Trakehner Menschen in den USA und Kanada haben erstklassige Arbeit geleistet. Und: Egal wen man fragt, die Prognosen gerade für Trakehner sind hervorragend. Für die europäischen Züchter stellt sich die Frage, wie man sich in diesem großen Markt strategisch geschickt platzieren kann. Trakehner Pferde, die sich als Hunter sehr gut eignen, haben wir längst in unseren Reihen!
Dr. Maren Engelhardt
SUMMARY:
One of the dominating hunter sires in North America was the roan stallion Bukephalos by Insterfeuer out of Ballyvergin Lady xx by Seminole II xx, who was bred by Jörg Freiherr von Imhof in Germany and, after a successful eventing career, was exported to Canada and stood for the Schickedanz family at Galten Farms. His approved son Heinzelmann *Pg* was an National Hunter Champion, and even though gelded now, sired the approved son Asher, who continues the line with much success in Canada. The most popular Trakehner hunter sire so far is probably Mae Jean Fichter’s grey Schönfeld *E* by Meilenstein out of Schönau by Ordensglanz. The impressive stallion was a leading hunter sire in the US for quite some time. More recent new faces in breeding include the bay Zarr by Hennessey, the black Zulu MV by EH Herzzauber and the black Platinum vom Rappenhof by Carino *E* out of Palma Nigra *E* by Habicht. The question at hand for breeders in Europe is to analyze the situation thoroughly and determine if it really makes sense to start a strategic hunter breeding program, or rather start to establish a network to sell hunters “made in Germany”. The horses that would suit such a career are already among us!



