Mit dieser Allegorie beschreibt Landstallmeister Dr. Martin Heling die Schaffensperiode von Dr. Ernst Ehlert und sieht damit Trakehnen als einen „Dom der Pferdezucht“. Die Amtszeit von Trakehnens letztem Landstallmeister ist als eine auf allen Gebieten uneingeschränkte Blütezeit Trakehnens in die hippologischen Annalen eingegangen.
Landstallmeister Dr. Ernst Ehlert (1931 – 1944)
Dr. Ehlert besaß ein treffendes Beurteilungsvermögen für alle Rassen des Pferdes in Zucht und Gebrauch und verfügte – von einem frappierenden Gedächtnis unterstützt – über den sprichwörtlichen sechsten Sinn bei seinen züchterischen Maßnahmen, insbesondere bei den mit äußerster Sorgfalt vorgenommenen Paarungen.
Als Nachlass des Grafen Lehndorff war die Zuchtumstellung, wenn auch noch nicht vollendet, doch so gut wie erreicht. Der Trakehner entsprach den neuen Anforderungen der Wehrmacht, den Bedürfnissen der ostpreußischen Wirtschaft und Landwirtschaft sowie dem auch wieder zum Leben erwachten Pferdesport.
Dr. Ehlert war geradezu ein Fanatiker des Typs, für den er ein sehr sicheres Gefühl hatte. Bei Beschälern und Mutterstuten lehnte er zu große, überwachsene Pferde ab und hielt sich mit groben, im Ausdruck nicht voll befriedigenden, eckigen, hüftigen und schwerfuttrigen Figuren nicht lange auf.
Während die hoch bewährten Hauptbeschäler Ararad, Poseidon, Pilger, Kupferhammer und Hyperion weiterhin eingesetzt wurden, zog Dr. Ehlert schon bald Cancara, Hirtensang und vor allem Pythagoras heran. Zu ihnen gesellte sich Polarstern, später auch Termit, Bussard und jüngere von ihm gezogene Hauptbeschäler, wie Cornut, Creon, Herr Major, Hannibal und Torero.
Die Graditzer Vollblüter Großinquisitor xx und Marduck xx wurden später von Masaniello xx, Airolo xx, Marabou xx und Paradox xx abgelöst.
Um die wertvollen Eigenschaften arabischer Gene, wie Anspruchslosigkeit, Fruchtbarkeit, Härte und schnelle Regenerierung nach ermüdender Anstrengung verstärkt zu verankern, wurden Harun al Raschid A und die polnischen Vollblutaraber Fetysz ox und Lowelas ox herangezogen. Im Jahre 1935 waren 4 junge, der alten Weiler Zucht entstammende Vollblutaraberstuten in Marbach erworben worden, die mit einigen besonders hoch im Blut stehenden Trakehnerinnen ab 1941 eine kleine sechste Herde in Taukenischken bildeten.
Im September 1944 stand die fünfte Flucht in 200jähriger Geschichte an. Dass etwas Umwälzendes bevorstand, ahnte vom Landstallmeister bis zum soeben konfirmierten Reitburschen jeder Einwohner Trakehnens.
Die Paraden in Berlin mit Trompeterkorps und Reiterschwadronen auf ostpreußischen Pferden unter dem Zeichen unzähliger Hakenkreuzfahnen fanden nicht mehr statt. Die militärische Ohnmacht des selbst ernannten „Feldherrn“ wurde offenbar. Die feindlichen Truppen standen vor der Tür!
Auszüge aus Briefen des Gestütsarchitekten
Friedrich Kuebart im Herbst 1944
4. August 1944 …Die Trakehner Herden sind noch hier, da Gauleiter Koch auf dem Standpunkt steht, dass kein Russe deutschen Boden betritt. Vorgestern waren die Flieger besonders schlimm…Es fällt sehr schwer, die Ernte einzubringen, da die Frauen sich vor den Bordwaffen fürchten…
1. Oktober 1944 …Aus Trakehnen und Umgebung sind nun alle alten Leute, Frauen mit kleinen Kindern nach Sachsen verschickt…Ich glaube, wir werden noch die Ernte einbringen, ausdreschen und dann reisen. Vom Gestüt sind 100 beste Stuten, die Hauptbeschäler und die Fohlen verladen…
14. Oktober 1944 …Als ich gestern zum Büro fuhr, bedurfte es großer Geschicklichkeit, um durch die endlosen Flüchtlingszüge ohne Schaden durchzukommen. Unendliche Herden brüllenden Viehs begleiten die unendlich langen Züge….Als es gestern etwas brenzlig war, schlich ich noch Mal durch die Trakehner Anlagen, um von der schönen Herbststimmung und den alten Gebäuden Abschied zu nehmen….
18. Oktober 1944 …Gestern um 61/2 Uhr kam der Räumungsbefehl, innerhalb drei Stunden marschbereit…Zwei Fohlen und die Schweine mit 38 Ferkeln ließen wird dort, das Vieh wurde abgetrieben…Gumbinnen ist durch Bomben furchtbar zugerichtet. Ebenrode steht in Flammen…Den Tempelhüter habe ich mit einem dicken Mantel aus hölzernen Bohlen geschützt…
Die 200-Jahr-Feier in den Erinnerungen
von Oberrentmeister Waldemar Alshuth
„Am 27. September 1932 folgte der eigentliche Festakt bei strahlendem Sonnenschein, der am Vormittag vor dem Schloss mit einer Ansprache des Staatssekretärs Mussehl vom Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Berlin begann. Außer den vielen geladenen Gästen, namentlich aus dem Kreise der Pferdezüchter, waren wohl die gesamten Gestütsbewohner und eine große Anzahl der benachbarten Gemeinden gekommen. Dabei wurde das Denkmal des berühmten Hauptbeschälers Tempelhüter enthüllt. Der 28 Jahre alte Tempelhüter, der lorbeerbekränzt an der Feier teilnahm, machte noch ganz lebhafte Kapriolen. Der Feier vor dem Schloss folgte ein einfaches Mittagessen im Landstallmeisterhaus mit Ansprachen der maßgebenden Persönlichkeiten des Ministeriums und der Züchterkreise. Anschließend fand noch die Vorführung einer Reihe von Pferden statt.“
Anekdoten und Zitate
Während in allen Zuchten die Betonung der Vatertier- Linien allgemein üblich war, hatte man in Trakehnen schon lange vorher die züchterische Bedeutung der weiblichen Linien erkannt und diesen die entsprechende Würdigung zukommen lassen. (Dr. Martin Heling)
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„Klaren Geistes, aufgeschlossen, der menschlichen Begegnung in sehr verbindlicher Weise zugetan, mitteilsam, dem Leben und der Freundschaft zugewandt, behaglich, launig und humorvoll, ausgestattet mit einer natürlichen Fähigkeit freundlichen Umgangs mit Menschen jeder Art… (Dr. Martin Heling über seinen Amtskollegen Dr. Ehlert)
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Dr. Ehlert wurde in Trakehnen mit dem liebevollen Beinamen „Väterchen“ bedacht, woraus abgeleitet werden kann, dass sich auch die Gestütsangestellten unter seiner Obhut besonders wohl gefühlt haben.
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Mit 17.000,- RM brachte Fanal v. Hausfreund den Spitzenpreis auf der Trakehner Frühjahrsauktion am 11.5.1938. Sein Käufer Otto Lörke machte aus ihm eines der besten deutschen Dressurpferde in der Vor-und Nachkriegszeit.
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„Als ich am 1. September 1944 den Gauleiter persönlich am Telefon sprach, äußerte er, dass – falls die Russen vorübergehend vorstoßen sollten – die Trakehner ja im Wettlauf mit den sowjetischen Panzern ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen könnten.“ (Dr. Ernst Ehlert)
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800 Trakehner in 10 Herden zu je 80 Kopf wurden auf dem Marsch nach Georgenburg (60 km) durch das brennende Gumbinnen getrieben. Da die Hauptstrasse vielfach durch Trecks und Truppen gesperrt war, musste ins Gelände ausgewichen werden. Nach 6 Stunden waren die Herden am Ziel. Nur eine junge Stute hatte sich verletzt.
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„Trakehnen war wirklich das oft gepriesene „Paradies der Pferde“, eine Kultstätte ihrer Schönheit und Harmonie, eine Manifestation der Züchtungskunst mit weit ausstrahlendem hippologischen Können. Es trug auch vor dem kritisch-geschärften Auge des unbeeinflussbaren Fachmannes den Stempel erzielbarer Vollendung.“ (Dr. Martin Heling)
Quellen: Graf Siegfried Lehndorff: „Mein Leben mit Pferden .“Dr. Martin Heling: „Trakehnen“; Hans-Joachim Köhler:“ Tempelhüter“, „Morjen, Herr Landstallmeister.“ Erfasst von Erhard Schulte.



