„Trakehnen war und bleibt für mich etwas Erhabenes, an das kein billigendes Wort der Verkleinerung heranreicht. So soll es mir in leuchtender Erinnerung bleiben!“ Die wehmütigen Worte von Landstallmeister Dr. Martin Heling lassen die Ausstrahlung des ehemaligen Hauptgestüts erahnen. Von der unvergleichlichen Landschaft, den faszinierenden Stutenherden, großen Hauptbeschälern und Mutterstuten künden bis in die Gegenwart die Werke großer Meister, die in Trakehnen das ideale Ambiente für ihr Schaffen fanden.
Trakehnens Zucht und seine züchterischen Direktiven gelten bis heute als hippologische Hochkultur. Auch für die bildende Kunst, in der das Pferd nach dem Menschen am häufigsten dargestellt wird, war das preußische Hauptgestüt zentraler Ort großen Schaffens. Trakehnen galt außerdem als Krone der Preußischen Gestütverwaltung, war ihr Aushängeschild und Werbeträger - so wurden in wirtschaftlich guten Zeiten keine Mittel gescheut, bedeutende Künstler ins Land zu holen, um berühmte Hauptbeschäler, Mutterstuten und die eindrucksvollen Stutenherden zu porträtieren und damit der Nachwelt zu erhalten.
Friedrich Leopold Bürde (1792 – 1849)
Professor an der Berliner Akademie. Zunächst Maler von Jagd- und Schlachtenszenen, beschränkte er sich mehr und mehr auf die Pferdemalerei, nachdem er den Auftrag erhalten hatte, Porträts der edelsten Zuchtpferde der kgl. Preußischen Gestüte zu malen. 1821 – 1828 erschienen nach diesen Bildern 18 Blätter Originalradierungen, eine Serie, die er später fortsetzte und die dann 44 Blätter umfasste. In Trakehnen malte er die Mutterstuten CALOTTE, LOTTINE, GRAZIE, ABASSA, ALEXINA und DUELLONA. Von den Hauptbeschälern verewigte er RODRICH, ORONOCCO II, ARTALD, EMINLIK ox, OGLAN ox, BAGDADLY ox, TEHERAN ox, KOYLAN ox, SCRAPALL xx und DRIVER.
Carl Constantin Heinrich Steffeck (1818 – 1890)
Historien-, Tier- und Bildnismaler, Radierer und Lithograph. – Ein scharfer Beobachter der Natur und besonders der Tierwelt, des Hundes und speziell des Pferdes. Er war selbst ein leidenschaftlicher Reiter. In Trakehnen schuf er 20 Bilder berühmter Hauptbeschäler, darunter OROMEDON, THUNDERCLAP, NEDJED ox, GANGES x, ANTENOR, J.ZARIF ox, PALLION xx, SAHAMA xx, STILTON xx und GALLANT.
Karl Volkers (1868 – 1949)
Mitglied einer Künstlerdynastie, die sich über mehrere Generationen vor allem der Pferdemalerei verschrieben hatte. Karl Volkers porträtierte in Trakehnen u.a. die Hauptbeschäler MORGENSTRAHL, POLARSTURM und SHILFA xx. Auch in den ostpreußischen Privatgestüten war er unterwegs: Das Porträt des Gudwallener Hauptvererbers EXCELLSIOR zählt zu seinen eindrucksvollsten Werken, zu den jüngeren das Gemälde des Trakehner Hauptbeschälers Fetysz ox.
Prof. Georg Koch (1857 – 1930)
Maler, Holzschneider und Lithograph in Berlin. Er hat sich mit seinen realistisch aufgefassten Jagd-, Sport- und militärischen Bildern einen Namen gemacht. Leiter der Klasse für Tiermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg.
Prof. Ernst Kühlbrandt (1891 – 1975)
Er wurde in Kronstadt als Sohn eines Zeichenlehrers geboren und zeigte seit frühester Jugend ein leidenschaftliches Interesse für Pferde. Schon mit zehn Jahren zeichnete er Pferde in den Ställen seines Onkels. Im Jahre 1940 hielt er sich längere Zeit in Trakehnen auf und malte die Hauptbeschäler SEMPER IDEM, LOWELAS ox, FETYSZ ox, AIROLO xx, PYTHAGORAS und die Mutterstuten TECHNIK, HERALDIK und TROTZKÖPFCHEN. Auch nach Kriegsende porträtierte er – meist im Auftrag – Trakehner Pferde. Zu seinen bekanntesten Werken aus dieser Zeit zählen die Gemälde von GOLDREGEN, ANNO und ERNEST.
Die bis zum Jahre 1913 geschaffenen Porträts wurden 1914 in die Sowjetunion deportiert. Ihre Rückgabe an den Preußischen Staat erfolgte aufgrund diplomatischer Verhandlungen im Jahre 1930. Die gesamte Bilder-Sammlung des Hauptgestüts Trakehnen war bereits im August 1944 transportfertig ohne Rahmen in Spezialkisten verpackt. Sie wurde im Heeresremonteamt Perlin durch die UDSSR beschlagnahmt und am 31.8.1945 mit dem dortigen Trakehner Pferdebestand nach Osten verladen. „Nach langem Bitten wurden uns in Kirow die neun Gemälde von Trakehner Hauptbeschälern gezeigt. Bei unseren Recherchen konnten wir nichts über die restlichen Bilder erfahren. In Kirow jedenfalls werden sie nicht mehr sein.“ (Lars Gehrmann in „Trakehner Hefte“ 6/94). Erhard Schulte
Quellen: Deutscher Taschenbuch Verlag, München: „Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart“. Jürgen von Henninges: „Hauptbeschälerbuch“, „Stutbuch von Trakehnen, 6. Band“, „Sankt Georg I/41“.
SUMMARY:
The Prussian main stud was also a centre of creative activity in the sphere of fine arts. Trakehnen was the Prussian stud administration’s pride and most prestigious asset. In times of prosperity neither efforts nor funds were spared to attract major artist in order to depict main stallions, individual brood mares, or the mare herds. All pictures created until 1913 were carried away to the Soviet Union in 1914 and restored in 1930. By August 1944, the main stud’s complete collection had been packed in special cases, ready to ship. At the Perlin department of cavalry mounts it was seized by the Russians and shipped to the east on 31 August 1945 together with the department’s stock of Trakehner horses.



