Es waren einmal 25 Jungzüchter aus ganz Deutschland, die in der Zeit vom 8.-15 Juni eine Trainingsreise durch Schleswig-Holstein machten, um sich auf die am Wochenende vom 13.-15. Juni stattfindenden Deutschen Jungzüchter Meisterschaften vorzubereiten.
Betreut von Frau Fischer-Brügge und Herrn Manfred Holl besuchten sie verschiedene Gestüte, die Geschäftsstelle in Neumünster sowie die Verbandsstutenschau der Holsteiner. Die Reise begann direkt im Anschluss an das lange Bad Segeberger Trakehner Wochenende, so dass am ersten Abend Regeneration auf dem Programm stand. Die erste Unterkunft, der Ponyhof MaLu, bot mit seiner Immenhof-Stimmung dafür eine hervorragende Grundlage und bildete einen guten Ausgangspunkt für die Ausflüge der ersten zwei Tage. Am Montag früh machte sich die große Gruppe auf zur ersten Trainingseinheit, die gleich dem Grundsatz „dort, wo die Schwächen liegen, sollte man ansetzen“ gerecht wurde. Auf dem Hof von Hauke Jäger wurde das Beurteilen des Freispringens unter die Lupe genommen und von dem Fachmann auf diesem Gebiet genauestens erläutert. Vielleicht war auch dies der Anlass, dass der (Holsteiner-) Moderator bei der Siegerehrung am darauffolgenden Samstag sagen musste: „Und wer meint, dass die Trakehner nichts vom Freispringen verstehen, hat sich sehr, sehr geirrt“, bevor er dann unsere Theresa Fischer zur Empfangnahme der Goldmedaille im Freispringbeurteilen nach vorne bat.
Im Pferdeland zwischen den Meeren
Am Montag Nachmittag fuhr die Trakehner Autokolonne, die so groß wie sie war, vielleicht einige an die in diesen Tagen durchaus häufig vorkommenden Autokorsos erinnerte, weiter in Richtung Norden, zum Gestüt Krotenbach. Dort wurden die Kameras der Jungzüchter um einige Fotos reicher, als Gestütsleiter Reiner Seemann, mit seinen „Kleinsten“ schmusend demonstrierte, dass professionelle Pferdezucht durchaus mit ausgeprägter Tierliebe und persönlicher Bindung an das Tier zu vereinen ist.
Nachdem für die Nacht wieder das Spielerhotel bezogen worden war, stellte sich das Trakehner Team, wie es sich für eine richtige Vorbereitung gehört, am Dienstag auf die Gegner ein. Dafür wurde keine Videoanalyse benötigt, da die Trakehner direkt nach Elmshorn reisten, um dort bei der Verbandsstutenschau der Holsteiner durch das Fachwissen von Herrn Warnecke gestützt das Beurteilen der Holsteiner Pferde zu vertiefen. Herr Warnecke, der mit seinem Fachwissen vielleicht als der Günther Netzer der Trakehner bezeichnet werden könnte, konnte außerdem viele Tipps für den kommenden Wettkampf geben, da er bereits viele Jungzüchterwettkämpfe miterlebt und gerichtet hat. Nachdem die Jungelche am Mittwochmorgen ihre erste Unterkunft verlassen hatten, besuchten sie das Trakehner Gestüt Tasdorf und ihre Präsidentin Frau Petra Wilm. Nach einer kleinen Gestütsführung richtete diese umfassende Worte an die Jungzüchter. Mit Aspekten wie: „Wir sind doch auch nicht alle gleich, wir haben alle unsere Eigenarten und das ist bei den Pferden nicht anders, die Kunst ist es, genau damit umzugehen und das Positive eines jeden zu nutzen“, schien der Vortrag weit über die Einstellung zur Pferdezucht hinaus prägend und war mit jenen mentalen Trainingstipps möglicherweise unter anderem Anlass dazu, dass die Mannschaft besonders durch einen extrem stark ausgeprägten Teamgeist bei den Deutschen Meisterschaften auffallen konnte. Noch aufmerksamer wurden die 25 Jungzüchter, als Petra Wilm King Arthur unter dem Sattel präsentierte. Die gebannte Stille dieser Stunde hätte man den einen oder anderen Abend, als der Schlaf den Lärm nicht überwinden konnte, so sehr ersehnt.
Am Nachmittag führte die Reise zur Trakehner Geschäftsstelle nach Neumünster, wo nach einer kurzen, von Ulrike Bustorff geführten Besichtigung, bei der die verschiedenen Abteilungen vorgestellt wurden, Geschäftsführer Lars Gehrmann einen spannenden Vortrag hielt, bei dem er, basierend auf der Historie Trakehnens, einen kleinen Einblick in die Geschichte der Trakehner gab und erläuterte, wie sich das Zuchtprofil im Laufe der Jahre auf Grund der sich verlagernden Anforderungen änderte. Nach diesem Tag mit den Besuchen bei der Führungsriege wurde das zweite Quartier, das wunderschön gelegene Gut Katharinental bezogen. Herzlichst empfangen und betreut durch Frau Andrea von Zitzewitz, starteten bis zum Aufbruch nach Elmhorn am Freitag von dort aus die Reisen.
Am Donnerstag erkundeten die Teilnehmenden mit Panker eines der ältesten Trakehner Gestüte Deutschlands und zugleich eines der eindrucksvollsten ostholsteinischen Güter. Nach einer Intensiveinheit im Pferdebeurteilen erläuterte Gestütsleiter Walter Gilbricht vor allem die ökonomischen Kniffe der Pferdezucht beziehungsweise der Vermarktung. Auch dem Trakehner Nachwuchs „verkaufte“ er Panker und Umgebung ohne viel Mühe als überaus sehenswert, indem er sie auf die hochgelegenen Weiden des Gestütes führte, die einen atemberaubenden Blick über die Felder hinweg bis hin zur Ostsee ermöglichten. In diesen Momenten, als die Stutenherde vor dieser Kulisse den Berg hinauf galoppierte, zweifelte man manchmal kurz, ob diese Bilder tatsächlich wahr oder doch nur ein Märchen seien.
Am Nachmittag kam schon die letzte Trainingseinheit auf dem Gestüt Hohenschmark. Während des Mittagessens konnte die Gruppe bereits Axis unter Terhi Stegars zuschauen, bevor anschließend sämtliche dort stationierten Hengste sowie die verschiedenen Herden auf den Weiden begutachtet werden durften. Durch Frank Bangert, der mit seinem Wissen und seiner Ruhe wohl prädestinierter nicht hätte sein können, wurde den schon langsam aufgeregten Wettkampfteilnehmern ein letzter Schliff verliehen. Doch damit nicht genug, spontan arrangiert, besuchte die Horde am Donnerstagabend auch noch einen der wenigen noch lebenden Ostpreußen, den langjährigen Vorsitzenden Schleswig-Holsteins und amtierenden 1. stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Hans-Werner Paul. Hier erhielten die Jungzüchter noch einmal durch die auf ostpreußische Art erzählten Geschichten einen nicht zu ersetzenden Einblick in die Geschichte ihrer Pferde. Die ostpreußische Gastfreundschaft durften sie, personifiziert durch Frau Paul, auch genießen, so dass am kürzesten vielleicht eine der Kleinsten den Aufenthalt bei Familie Paul zusammenfasste, als sie sagte: „..das war so emotional, so echt,.. einfach das geilste“.
Am Abend fuhren alle gemeinsam mit Familie Paul in eine Pizzeria, um Deutschland gegen Kroatien zu sehen – und das ist wirklich kein Märchen. Nach einer letzten Nacht in Katharinental wurde schon die „Spielstätte“ Elmshorn angesteuert. Als dort die Reithalle bezogen wurde, sehnte sich der eine oder andere wohl mehrmals zurück zu den gemütlichen Herbergen der Vornächte.
Auf nach Elmshorn!
Bereits am Freitag begann dort der Wettbewerb und die Teilnehmer mussten sich den sehr anspruchsvollen Theoriefragen stellen, sowie die Freispringbeurteilung bewältigen. Am Samstag folgten dann das Beurteilen sowie das Vormustern, wobei sich unser Team als sehr laufstark auszeichnete und unser Fanblock EM-Lautstärken erreichte.
Bei der Siegerehrung hatten die Trakehner allen Grund zur Freude und das Elchmaskottchen war bis dahin auf jeden Fall schon zum Sieger der Herzen geworden. Als dann auch noch der fulminante dritte Platz in der älteren und der fünfte Platz in der jüngeren Gruppe erreicht wurde, tanzten alle, nicht nur der Elch, bis in die frühen Morgenstunden. Dass auch auf der Party noch einmal alle im Mannschaftskreis standen und mit den Sektgläsern in der Hand den Leitspruch „Einer für alle und alle für einen“ schrieen, ist wohl bezeichnend für den unglaublichen Teamgeist, den diese 25 Jungzüchter innerhalb von einer Woche entwickelten und mit einem Platz vier in der Gesamtrechnung manifestierten. Und wenn sie sich nicht kaputt gefeiert haben, dann muss man wohl doch Hans Christian Andersen Recht geben, der sagt, dass das schönste Märchen doch das Leben sei.
Das alles war nämlich gar kein Märchen, sondern ein Sommer in Schleswig-Holstein, den wir Jungzüchter erleben durften. Der Kader der Jungzüchter möchte sich an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, durch die sie auf dieser Reise unterstützt worden sind, bei allen, die diese Reise so märchenhaft haben werden lassen. Sophie v. Redecker
Gute Einzelplatzierungen bei der jüngeren AK
Clarissa Hagemann und Inka Lührs belegten punktgleich den zehnten Platz bei der Gesamtwertung der Jüngeren.Clarissa war außerdem hervorragende Dritte in der Kategorie Beurteilen, Siebte in der Theorie und 13. im Freispringen. Inka belegte den achten Platz im Beurteilen und wurde Neunte in der Theorie. Julia Rieve, das Küken unter den drei jüngeren Mannschaftsteilnehmern, wurde bei ihrem ersten Bundesjungzüchterwettbewerb Elfte. In der Mannschaftswertung belegten die jüngeren Trakehner einen sehr guten fünften Platz.
Mannschaftsmedaille für die ältere AK
Die ältere Mannschaft der Trakehner – bestehend aus Annika Lutz sowie Nadja und Theresa Fischer – hatte in Elmshorn ihren bis dato größten Erfolg zu feiern: Sie wurde Dritte bei den Mannschaften der älteren Jungzüchter und verwies damit die als besonders stark bekannte Mannschaft der Hannoveraner Jungzüchter auf den vierten Platz. Zusätzlich zur hervorragenden Mannschaftsplatzierung gab es zwei Einzelsiege und weitere vordere Platzierungen. Annika Lutz erzielte durch einen Sieg in der Teilprüfung Beurteilen und den zweiten Platz im Mustern einen tollen vierten Platz in der Gesamtwertung. Nadja Fischer wurde Neunte im Beurteilen und Theresa Fischer sicherte sich neben dem neunten Platz in der Gesamtwertung den Sieg in der Freispringbeurteilung.



