Der Trakehner Sommertermin, drei Tage Sport von der Spitzenklasse bis zum zwei- und vierbeinigen Nachwuchs, gesellige Stunden unter Gleichgesinnten – die vierte Auflage des Internationalen Trakehner Bundesturniers in Hannover hält jedem Vergleich mit den Veranstaltungen der vergangenen Jahre stand.
Einiges hat hier bereits gute Tradition: Besonders spektakulär ist sicher die Entdeckung von Nachwuchssportpferden, die viele Trakehner Freunde hier erstmals live erleben können. Auch die Akteure auf dem Großen Viereck sind im Reiterstadion aus nächster Nähe zu erleben, ebenso vielseitige Hoffnungsträger, teils bereits mit der Qualifikation für die Bundeschampionate in der Tasche. Das Bundesturnier 2008 hielt sich an die Regeln: In Holstein bereits ein Geheimtipp, überraschte der vierjährige gekörte Kostolany-Sohn ELFADO Richter und Publikum mit überragender Bewegungsmechanik und beispielhafter Rittigkeit und darf zu Recht als Shooting Star dieser Tage bezeichnet werden. Die vierjährigen Hengste brillierten als stärkste Abteilung der Reitpferdeprüfungen und vermochten einige Hoffnungen für die bevorstehenden Bundeschampionate zu wecken. Kaderreiterin Carola Koppelmann erwarb sich fast den Status des Überraschungsgastes und präsentierte ihre Grand Prix-Nachwuchspferde INSTERBURG TSF und HINNERK TSF. Stellvertretend für alle Reiter von TSF-Pferden gilt ihr ein besonderes Dankeschön, denn die vom Trakehner Förderverein mittels der Sportpferdeförderung unterstützten Pferde erfreuen sich großen Publikumsinteresses. Neben einigen jüngeren Dressurpferden, die optimistisch stimmen, ist auch das jährlich antretende Feld talentierter Vielseitigkeitspferde zwar zahlenmäßig übersichtlich, qualitativ aber sehr erfreulich.
Bei schweißtreibenden Temperaturen hieß es am Sonntagnachmittag „Ende gut, alles gut“ und vor allem einer war zu diesem Zeitpunkt nur noch erleichtert: Dem Zuchtbezirksvorsitzenden Jürgen Hanke hatte das Wasser am Donnerstagabend wenn nicht bis zum Hals, so doch teilweise bis zu den Kniekehlen gestanden und der Albtraum einer Wiederholung des nassen Schlamassels von vor vier Jahren hätte ihm vermutlich den Schlaf geraubt, wenn er nicht sowieso die Nacht mit Spaten und Handy zwischen den Stallzelten watend verbracht hätte. Zwar stand nur ein Bruchteil der Boxen unter Wasser, für die betroffenen Pferde wurden Ausweichquartiere im Umland angeboten, doch die Feuerwehr zeigte sich nicht so kooperativ wie vor vier Jahren, so dass die „Entwässerung“ in Eigenregie erfolgen musste. Am Freitagmorgen ging es pünktlich los und trotz einiger Schauer erlebten Zuschauer und Aktive drei erstklassig organisierte Turniertage. Wie in den Vorjahren konnte die Turnierleitung, Gisela Gunia und Jürgen Hanke, sich auf ihr ehrenamtliches Team verlassen, das in jeder Witterungslage und zu jeder Tageszeit vollen Einsatz brachte. Der Termin überschnitt sich allerdings mit einigen größeren Turnieren in der Region wie auch mit dem hippologischen Publikumsmagneten, dem CHIO Aachen. Die Richter zeigten sich auch in diesem Jahr begeistert von der Atmosphäre wie von den sportlichen Pferden, und der Wunsch nach Fortsetzung der Erfolgsveranstaltung wurde bereits während der Turniertage vielfach an Jürgen Hanke herangetragen. Und es wird weitergehen: 2009 findet das Trakehner Bundesturnier wieder zum traditionellen Zeitpunkt am 4. Juli-Wochenende statt.
Die Championate der Reitpferde
Einer der Höhepunkte des Bundesturnieres sind alljährlich die Championate der Drei- und Vierjährigen.
Den Anfang machten die vierjährigen Stuten und Wallache, die durch die Bank altersgemäß und harmonisch vorgestellt wurden, ein Eindruck, der bis auf einzelne Ausnahmen den Nachmittag bestimmen sollte. Begeisternd war auch die Arbeit der Fremdreiterinnen, Iris Borchert und Anja Rietbrock, die sich blitzschnell auf die unterschiedlichsten Pferde einzustellen vermochten und jedes einzelne, seinen Anlagen entsprechend, zum Strahlen brachten, manchmal gar mehr als der ständige Reiter.
Sieger bei den vierjährigen Stuten und Wallachen wurde der Rappwallach Copain von Gribaldi aus der Zucht und dem Besitz von Gabriele Schröder, der mit einer soliden Vorstellung unter seinem Reiter Uwe Stradtmann sowohl bei den Richtern wie auch den Fremdreiterinnen punkten konnte. Eine Gesamtnote von 8,44 war der verdiente Lohn. Ihm folgte die von Sandra Frieling für das Gestüt Tasdorf vorgestellte Iluna mit 8,25 auf dem zweiten Rang. Die braune Tochter des Tasdorfer Hauptvererbers King Arthur stammt aus der Zucht von Jörg Bustorff.
Es folgten die vierjährigen Hengste und somit die große Entdeckung der Turniertage in Hannover, Elfado. Wenn sein Boxennachbar King Arthur der König von Tasdorf ist, dann schickt sich mit diesem außergewöhnlichen Kostolany-Sohn aus einer Tochter des Vollblüters Roncalli xx der potentielle Thronfolger an, die Dressurwelt zu erobern! Nach seinem Sieg in der Qualifikation am Sonnabend dominierte er unter dem Sattel von Hannes Lütt klar die Finalprüfung. Eine 9,0 für den Schritt sowie eine 10 für den Galopp und dazu die 10,0 von den Fremdreiterinnen, das brachte dem von Axel Hörmann gezogenen Beau die sagenhafte Endnote von 9,25 ein. Elfado kommt aus sportlicher, blutgeprägter Familie, seine Mutter ist eine Halbschwester zur erfolgreichen Vielseitigkeitsstute Eos.
Auf dem zweiten Rang mit einer Gesamtnote von 8,75 wurde der ehemalige Reservesieger der Körung, Donaugold von Distelzar - Sokrates, aus der Zucht der Klosterhofer Seniorchefin Gudrun Wahler rangiert. Jan Steiner stellte den Warendorfer Landbeschäler aus dem Besitz der Familie Pidgley vor. Ihm folgte der Vizebundeschampion Zauberfürst, der sich im Championat ein wenig unkonzentriert zeigte, wodurch er seine Stärken nicht wie gewohnt ausspielen konnte.
Ein wenig hinter den Erwartungen zurück blieb die Gruppe der dreijährigen Stuten und Wallache. Die Spitze nahm hier mit der Gesamtnote von 8,13 der Hofrat-Sohn Priegnitz aus der Zucht der Familie Traupe ein, der besonders unter beiden Fremdreiterinnen zunehmend zur Losgelassenheit fand und zu überzeugen wusste.
Etwas überraschend verlief der Schlussakkord der Championate, das Finale der dreijährigen Hengste. Nachdem der amtierende Siegerhengst Grand Passion, aus dem Besitz von Tony Pidgley, sich mit einer begeisternden Qualifikationsrunde vom Feld klar hatte absetzen können, wurde er im Finale dann ein Opfer seiner Hormone. Der körperlich sehr weit gereifte Braune zeigte zwar ansatzweise seine überaus großen Möglichkeiten in der Bewegung, ließ sich jedoch immer wieder ablenken und wollte gerne demonstrieren, wer der Chef im Ring sei. Dies ging dann natürlich zu Lasten der Rittigkeit und Harmonie der Vorstellung an diesem Nachmittag. Trotzdem blieb immer noch der dritte Rang mit einer Gesamtnote von 8,19.
Auf dem Silberplatz lag der Sohn des Insterburg TSF, Herbstzauber. Während der Vater wenige Meter entfernt gerade den Grand Prix gewann, überzeugte der von Hans-Peter Karp gezogene noble Rappe unter seiner Besitzerin Jessica Haag mit der Wertnote 8,44.
Sieger bei den dreijährigen Hengsten wurde der bezaubernde Schimmel Hamilton, ein echtes Europapferd. Sein Vater Distelzar steht in Schweizer Besitz, gezogen ist Hamilton von Pieter Smeets, Niederlande, über die Auktion Neumünster wechselte Hamilton in Dänischen Besitz von Jens Thorsen und frisst seinen Hafer im Gestüt Pallerhaff in Luxemburg! Hamilton bestach mit ergiebigen Grundgangarten und wurde von seiner Ausbilderin leicht und immer im Vorwärts vorgestellt. Nur schwer konnte Hamiltons Besitzer seine Anspannung während der Prüfung verbergen und umso größer waren bei ihm und Hamiltons Reiterin, der charmanten Kristine Möller, die Freude über die Gesamtnote von 8,562.
Die Championate 2008 könnte man abschließend auch als Kostolany-Festival bezeichnen. Alle Champions, wie auch Donaugold als Vizechampion, sind der Hengstlinie des Hämelschenburger Hauptvererbers zuzurechnen. Stephan Bischoff
Erfolgreiches Kontinuum
Die Platzierungslisten der hohen Dressuren waren geprägt
von der Kontinuität einer reiterlichen Spitzengruppe.
In der Einlauf-S*-Dressur am Freitag siegte AXIS, der bereits im Vorjahr auf dem Bundesturnier mit hohen M-Platzierungen geglänzt hatte und mit Terhi Stegars derzeit einen fulminanten Senkrechtstart in Kl. S hinlegt. Auch im Prix St.Georges am Samstag ließ das beeindruckende Paar sich den Sieg nicht nehmen und wurde zudem am Sonntag in der Inter I-Kür Dritte. Auf die weitere Entwicklung dieses Paares darf man wohl mit Spannung und Optimismus blicken.
KAROLINGER, der Dressurchampion des Vorjahres und erfolgreicher S-Debütant der Saison, hat sich unter Peter Koch hervorragend weiterentwickelt und sicherte sich hier mit imposanten Vorstellungen Platz 2 in der S*-Dressur, Platz 3 im Prix St. Georges und den Sieg in der Kür! Sein Reiter hatte mit der herrlichen AVONI TSF und KONRADI TSF zwei weitere Klassepferde auf dem großen Viereck, die sich ebenfalls in den drei S-Dressuren ganz vorn platzieren konnten. „A Star is born“, das lässt sich für SERGEANT PEPPER, den Zögling von Karin Lührs, behaupten, der durch ungemein korrekte Ausbildung wie auch durch Bewegungspotenzial bestach und ebenfalls in den Startblöcken für große Aufgaben steht.
Willi Feltes gelang es ebenfalls, zwei Pferde in die Platzierungen zu reiten, GEGENWIND und MON BARON. Aus Luxemburg dabei war PERON JUNIOR unter Pascale Sax, die den bewährten BONUS in diesem Jahr erstmals in den Grand Prix-Prüfungen vorstellte. Ebenfalls an ihre S-Erfolge des letztjährigen Bundesturniers anknüpfen konnte SEA CLOUD unter Nicole Klatt-Cissee. Eine Augenweide waren auch die Ritte von Tommie Visser mit MONTE CASTELLO, der bereits im letzten Jahr unbestreitbar die Erinnerung an seinen großen Vater wachrief.
Die Dressurprüfung Kl. S***, Intermediaire II, wurde dominiert vom Doppelerfolg Carola Koppelmanns, die mit HINNERK TSF die Prüfung überlegen gewann und mit INSTERBURG TSF Dritte wurde. Auf Rang 2 hielt Lutz Weyland mit seinem selbstgezogenen und selbst ausgebildeten MON ACTEUR TSF die hessischen Fahnen hoch. Platz 4 belegte Corinna Hellmann mit ihrem TANTRIS TSF. Im Kurz-Grand Prix glänzte wiederum die Triple Crown des Trakehner Fördervereins. Hier siegte INSTERBURG TSF vor seinem Stallkameraden HINNERK TSF und dem hessischen MON ACTEUR TSF. Platz 4 sicherte sich Andreas von der Lahr mit STERNENGLANZ.
Bettina Schraps
Licht und Schatten im Parcours
Ein Springpferd der Sonderklasse wächst in Trakehner Reihen heran,
das bewies der prämierte HIRTENTANZ bei seinen Starts in Hannover einmal mehr.
Die Konkurrenz, die der Rappe unter Takashi Haase in Holstein das Fürchten lehrt, fand er im Reiterstadion Hannover nicht vor und siegte entsprechend unangefochten bei drei Starts zwei Mal mit souveränen Leistungen und wurde einmal Zweiter. Der Fünfjährige sammelt in der laufenden Saison Routine in Kl. L, zeigte aber klar auf, dass bei weiterhin so überlegtem Management auch in den höheren Klassen mit ihm zu rechnen sein wird.
Der Trakehner Springchampion 2008 kommt aus dem Gestüt Ganschow. Der sechsjährige Graziello-Sohn ORELLO 4 bewies unter Ramona Schilloks drei Tage lang Geschick, Übersicht und Rittigkeit in Parcours der Kl. L und M. Drei Starts, drei Siege lautete die Bilanz des braunen Hengstes und so durfte er am Ende verdient die Schärpe des Champions in Empfang nehmen. Einen guten Eindruck hinterließ auch sein gekörter Stallkollege DRAMATIKER, der ebenfalls von Ramona Schilloks vorgestellt wurde und mit seinen vier Jahren drei hohe Platzierungen in den Springpferdeprüfungen Kl. A sowie in der Eignungsprüfung errang. Bei den Abstammungen der jüngeren Springpferde in Kl. A dominierte in den Platzierungslisten mit den Vätern Sixtus und Axis das Habicht-Blut. Graziello trat mit seinem Sohn Orello ins Rampenlicht.
Rasant und erfolgreich mit von der Partie waren auch in diesem Jahr wieder die jungen Reiter aus Litauen, die nach langer Anreise vor allem in den Springpferdeprüfungen Kl. A und Kl. M Schleifen sammelten. In den M-Springen hatten die Zuschauer Gelegenheit, die Ausnahmestute ALLENSTEIN einmal live zu erleben. 15 Jahre alt inzwischen, zeigte die vielfache S-Siegerin unter Hannes Baumgartl ihre Klasse. Am Anfang ihrer Laufbahn hingegen steht die Juniorin Robin Julia Trute, die ihre DAKOTA in Kl. M platzieren konnte. Mehrfach hoch platziert waren auch in diesem Jahr Ricarda Vollmers und Franziska Bunte, die sportliche Pferde aus der Familienzucht in feinen Ritten bis Kl. S vorstellten. Eine weitere Amazone hätte sich den Stilpreis verdient: Anna Maria Jacobs ritt den gekörten BEL ESPACE GO in lehrbuchreifen Runden in Kl. M** zum Sieg und in Kl. S auf Platz 3. Der Sieg im schwersten Springen des Turniers ging in diesem Jahr an Jörg Michael Eicke und seinen gekörten PICCOBELLO E.
„Schön und gut“, erwies sich gerade in den Prüfungen der unteren Klassen als Prämisse, die in zu vielen Fällen nicht erfüllt wurde. Bei vielen Reitern mangelte es ganz offensichtlich an Können und Routine, die Pferde erhielten so manches Mal nicht die Hilfestellung, die sie verdient und benötigt hätten, um eine vertrauensvolle Runde zu zeigen. Niemand wird übel nehmen, dass für einige junge Pferde ein ungewohnter Platz Anlass zum „Bauklötze staunen“ gab, niemand verübelt routinierten Paaren einen schlechten Tag. Doch war die Zahl der Ritte, die man der Öffentlichkeit besser nicht präsentiert hätte, zu hoch. – und das ist keine Werbung für unsere Pferde im Parcours.
Vielseitiger Nachwuchs
Gelegenheit zu einer ersten überprüfung der „Buschqualitäten“
der 4-6-jährigen Trakehner, bot die Eignungsprüfung mit Geländeteil.
Neben den Standardanforderungen einer Eignungsprüfung folgte nach dem Springparcours ein kurzer Geländeteil, bestehend aus vier Geländehindernissen und einem Wasserdurchritt. Mit 12 Startern und 10 Pferden in der Wertung eher übersichtlich besetzt, wurde die Prüfung dominiert von dem erst 4-jährigen Wallach HAKUNA MATATA v. Cavallieri xx, vorgestellt von Kaddur Kelkha. Mit dem zweitplatzierten LITTLE LANCE v. Heraldik xx unter Sabrina Siemsglüß und dem viertplatzierten RAFINESS FR v. Peking Opera xx unter Jana Zimpel, war besonders auffällig, dass drei Viertel der platzierten Pferde in dieser Prüfung von Vollbluthengsten abstammen.
In der „normalen“ Eignungsprüfung am Samstagmorgen stellten sich 25 Pferde der Konkurrenz. Mit einer 9,0 setzte sich der gewaltige Fuchswallach HERBSTFUNKE v. Münchhausen mit Anja Wilimzig an die Spitze. Mit einer 8,8 auf Platz 2 landete der in den USA gezogene und auf dem Gestüt Webelsgrund stationierte gekörte LORD LUCIANO v. Enrico Caruso unter Claudia Dombrowski. Mit DRAMATIKER v. Bardolino unter Ramona Schilloks auf Platz vier reihte sich ein weiterer gekörter Hengst in die Reihe der Platzierten ein. Bewährt hat sich die Durchführung der Eignungsprüfung direkt auf einem abgetrennten Bereich des Springplatzes. Die herrliche Kulisse und die zentrale Lage sorgten bei den Prüfungen trotz früher Morgenstunde stets für zahlreiche Zuschauer.
Geländepferdeprüfungen
Ein imposanter Einsprung auf den Hauptplatz und eine ansonsten gut zu meisternde Geländestrecke: den beiden Geländepferdeprüfungen am Sonntagmorgen hätte man jeweils ein breiteres Starterfeld gewünscht, gerade im Hinblick auf die Möglichkeit zur Qualifikation zum Bundeschampionat in Warendorf. In der Geländepferdeprüfung der Klasse A siegte die Buddenbrock-Tochter ANTONIE BUDDENBROCK (Reiterin Julia Weiser) mit einer 8,2, vor dem bereits in der Eignung siegreichen Hakuna Matata unter Kaddur Kelkha. In der Geländepferdeprüfung der Klasse L ritt Elmar Lesch den erst 5-jährigen Tambour-Sohn HERZOG ganz nach vorne. Die Richter zogen für die routinierte und fehlerfreie Runde die Traumnote 9,4. Platz 2 und 3 gingen beide an Vanessa Hölscher-Bölting mit MAONA v. Liebestraum, bzw. LINDBERGH.
Der Sieg in der Vielseitigkeit Kl. L ging an Karsten Jaspers mit LUSIANA, die sich damit auch den Titel des Trakehner Geländechampions 2008 sicherten, vor Konstantin Kruschke mit MATTERHORN 6 und Constantin von Ziegner mit DON JUAN. Die Vielseitigkeit Kl. A entschied Edith Schless mit KORELEONE vor Sonja Wilke mit HERBSTZAUBER 10 und Konstantin Kruschke mit MOLLY MALONE für sich.
Petra Rebhan
Väter des Erfolgs
Für die Züchter sind die Basis- und Aufbauprüfungen vor allem hinsichtlich der Väter der jungen Sportpferde von erheblichem Interesse. Ein Blick auf die vorderen Platzierungen der Dressurpferde.
Die Spitzen der Reitpferdeprüfungen in ihrer Gesamtheit dominierten in diesem Jahr die Nachkommen des Kostolany und seiner Söhne und Enkel. Über seinen Sohn Gribaldi mit Champion COPAIN und EASY GAME sowie über die Enkel Distelzar mit Champion HAMILTON und BuCh-Kandidat DONAUGOLD, über Hofrat mit Champion PRIEGNITZ und EDELMUT, Hoftänzer und über Enkel Cadeau mit OCCACIO, SKY-LADY und WOODCROFT O’NEILL hat der Grandseigneur von Hämelschenburg aus sportlicher Sicht die Stellung eines Patriarchen, gekrönt an diesem Tage von seinem rechten Sohn ELFADO.
Über seinen Sohn Buddenbrock, der selbst ganz vorn mit SIR ARTHUR 5 und MISS ELLIE 7 Zeichen setzte sowie über die Enkel King Arthur TSF mit ILUNA und SIR ARTHUR 6 und Connery mit SKYLINE, spielte auch die Hengstlinie des Sixtus bei den Auftritten der Nachwuchspferde eine hervorragende Rolle, zu der zudem Peron Junior mit BLANC PAIN und Vivus mit seinem Sohn IMPETUS beitragen konnten.
Die Hengstlinie des Arogno war über seinen Sohn Ivernel und dessen siegreichen Sohn KASIMIR, seine Enkel Preˆt à Porter, der Dressurchampion LE ROUGE stellte, und über Monteverdi TSF mit der Seriensiegerin in Dressurpferde-L, ZENITH, und KORNBLUME sowie über Oliver Twist mit Siegerhengst GRAND PASSION mit Perspektiven für das Viereck vertreten.
Stempelhengst Caprimond und sein Sohn Hohenstein traten über COUSTEAU bei den Dreijährigen in Erscheinung. Herausragend trat der der sportliche 6-jährige Münchhausen-Sohn KASPAAR auf, sein 4-jähriger väterlicher Halbbruder TRISTAN ist Reservist für die Bundeschampionate. Insterburg TSF stellte den Vizechampion HERBSTZAUBER 14.
Consul war bei den Nachwuchsspitzen über Interconti allein, aber überzeugend durch seinen Enkel ZAUBERFÜRST vertreten. Auf väterliche Vollblutlinien führten SCHNEESTERN v. Handryk, IRISH COFFE v. Sir Chamberlain, die Hibiskus-Kinder POMMERY und PRETTY WOMAN sowie der Herzuf-Sohn ZAUBERRUF zurück. Angolarabisches Blut behauptete sich mit dem gekörten K2-Sohn DORKAS und dem gekörten CANZLER v. Amatcho und auch das russische Blut des Biotop war über den 5-jährigen GOLDSTERN 215 mit Perspektive vertreten. Solero und Induc stellten mit KALUNA und HOBBART je einen hoch benoteten Nachwuchssportler auf dem Viereck.
Väter als Vorbild
Ebenso interessant wie die Väter des Erfolgs sind die gekörten Hengste im sportlichen Einsatz. Diese Gruppe war in allen Disziplinen zahl- und erfolgreich vertreten.
Im Grand Prix gab sich Insterburg TSF die Ehre, in den Dressurprüfungen Kl. S gefolgt von AXIS, KAROLINGER, PERON JUNIOR, DONAUDICHTER und HOFTÄNZER, der leider verletzungsbedingt bereits am Freitag ausfiel. Insbesondere Axis und Karolinger demonstrierten auf dem Bundesturnier, dass sie gerade erst beginnen, ihr Potenzial zu entfalten.
In Kl. M** vertrat IN FLAGRANTI die junge Garde, besonders aber die Dressurpferdeprüfungen Kl. M berechtigen zu Hoffnungen für die kommenden Jahre: der 6-jährige LE ROUGE eroberte sich das dritte Jahr in Folge einen Championatstitel und trägt in diesem Jahr den Titel des Trakehner Dressurpferdechampions. Ihm auf den Fersen ist Jahrgangskollege KASIMIR, der unter Lydia Camp zu begeistern wusste. Auch der erst 5-jährige OCCACIO debütiert bereits in Kl. M und konnte sich hier – wie bereits mehrfach in seiner holsteinischen Heimat – auch in Hannover platzieren.
Die Dressurpferdeprüfungen der Kl. L sind naturgemäß nicht die „Hingucker” der Veranstaltung. Doch zeigten die von den Richtern anerkannten Auftritte der jungen Hengste EASY GAME, SIR ARTHUR 6, CANZLER, LORD LUCIANO und IMPETUS, dass hier altersgerecht solide Grundlagen gelegt werden. Ein Dank gebührt in diesem Jahr den Hengsthaltern, die ihre drei- und vierjährigen Hengste in vergleichsweise großer Zahl vorstellten. Gerade den Youngstern kann sicherlich verziehen werden, dass nach zum Teil zahlreichen Deckeinsätzen die Konzentration auf den Auftritt unter dem Reiter mitunter in Mitleidenschaft gezogen war. Über Gebühr „angeknallte“ Sperrhalfter und scharfe dünne Gebisse rechtfertigen allerdings auch derartige Hormonturbulenzen nicht, zumal dese Mittel sich nicht positiv auf die Harmonie der Vorstellungen auswirkten.
HERZOG zeigte eine brillante Runde im Busch; zahlreicher vertreten waren die Gekörten dann in den Springprüfungen: Den Nachwuchs vertraten hier HIRTENTANZ und DRAMATIKER, in den Klassen M und S zeigten BEL ESPACE GO, CHATEAUNEUF, LICHTBLICK und PICCOBELLO E Vermögen und Rittigkeit.
Junioren sind unsere Zukunft
Ein fester Bestandteil des Bundesturniers ist die kombinierte Juniorenprüfung auf E-Niveau, die auch in diesem Jahr hohe Starterzahlen mit entsprechend aufgeregten Reitern und Eltern verzeichnen konnte.
Der Sieg in der Kombinierten Prüfung erfordert bereits vielseitiges Wissen um Zucht und Sport und gute Grundlagen im Sattel und ging an Züchtertochter Kathrin Karp mit ORDEN. Die E-Dressur gewann Clarissa Hagemann mit Djini (WN 8,2), im E-Springen siegte Anna Eppers mit Bedford (WN 9,0), im Vormustern erhielt Leonie Kühne mit Black Jack (WN 8,6) die goldene Schleife und in der Theorie hatten Runa Bartsch, Clarissa Hagemann, Kathrin Karp und Chris-Anne Klie die Nasen vorn. Die Mannschaftswertung entfiel leider, da als einzige Mannschaft Westfalen in der Wertung war.
So manche Nachwuchsreiter waren bereits zum wiederholten Mal am Start und dürften in absehbarer Zeit über die Anforderungen in Kl. E hinauswachsen. Über eine Anschlussprüfung, vielleicht für die LK 6 und 5, würden sie sich sicher sehr freuen, denn bis zum „gehandicapten“ Weg in die L-Prüfungen ist es für die Junioren ein sehr großer Sprung. Dass es ein tolles Erlebnis sein kann, sich für ein Wochenende unter die „Großen“ zu mischen, hat die 12-jährige Anna für „Der Trakehner“ beschrieben:
„Seit ein paar Monaten freute ich mich darauf, mit meinem Pony nach Hannover zum Trakehner Bundesturnier zu fahren. Dann, Freitagmorgen, war es so weit. Das Pony wurde auf den Hänger geführt – und los ging’s. Nach einer sehr langen Tour mit ein wenig Stau kamen wir in Hannover an den Stallzelten an. Meine Eltern und ich waren darauf gefasst, im Zelt auch ein paar gestresste Mitbewohner zu bekommen. Doch das war nicht der Fall. Im Zelt war immer eine angenehme, lockere Stimmung, auch wenn ein paar Prüfungen mal nicht so gut klappten. Auf die Pferde wurde sowieso nicht geschimpft. Außerdem wurden wir immer mit einem freundlichen „Hallo“, und als wir ankamen, sogar mit ein paar netten Fragen und Komplimenten über das Pferd begrüßt.
Eine tolle Sache des Turniers fand am Samstagabend statt. Alle Reiter des E-Springens durften ihren Pferden den teilweise ungewohnt großen Springplatz zeigen und sogar zwei Sprünge springen. Und dies nicht einfach so, sondern mit Anleitung von Fabian Lipsky, also noch eine gute Unterrichtsstunde gratis. Vielen Dank!
Am Sonntag, dem Tag der Prüfungen (E-Dressur, E-Springen, Vorführen und Theorie), war das Pony schon herausgeputzt. Morgens, gegen 9:30 Uhr, war die Theorie mit Fragen über Trakehner und über Pferde insgesamt. Anschließend, gegen 10:30 Uhr, folgte das Vorführen (Umgang mit dem Pferd). Alle Teilnehmer mussten das Pferd vor den Richtern aufstellen, Name, Rasse und Abstammung sagen und es im Schritt und Trab vorführen. Anschließend wurde die Note gesagt und die Richter kommentierten gute und nicht so gute Sachen. Bei z.B. nicht gewaschenen und gefetteten Hufen gab es einen Minuspunkt.
Um 13:15 Uhr waren das Springen und danach die Dressur. Der Springparcours war sehr einladend: Es gab eine gute Linienführung ohne zu enge Wendungen und die Höhe der Sprünge war angemessen. Auch hier wurde nach dem Ritt die Note angesagt und man bekam wieder ein paar gute Tipps. Die Dressur war parallel zum Springen, doch es gab keinen Stress. Die Aufgabe wurde mit einem Mikrophon vorgelesen, so dass man sie gut verstand.
Eine Stunde später war die Siegerehrung mit tollen Schleifen, Ehrenpreisen und Ehrenrunden. Danach fuhren wir glücklich und zufrieden wieder nach Hause und freuen uns nun auf das nächste Jahr Hannover (leider wohl nicht mehr mit dem Pony, aber dafür hoffentlich mit einem Trakehner).
Vielen Dank für das tolle Turnier!"
Fohlenkollektion der Sonderklasse
Die Qualität der diesjährigen Fohlenkollektion übertraf alle vorhergegangenen Jahrgänge, da waren sich nicht nur „Regisseur“ Helmar Bescht und Zuchtleiter Lars Gehrmann einig.
Bei der Präsentation am Freitagnachmittag zeigten sich 24 kleine Bewegungskünstler mit zum Teil bewährten, zum Teil hoch interessanten, (noch) seltenen Abstammungen. Ein Debüt als Väter hatten Ballzauber, Herzog von Nassau, Songline, Stresemann, Special Memories, Zauberfürst und Hessencharme.
Hirtentanz war mit vier Kindern im Katalog vertreten, Herzensdieb sandte zwei Söhne ins wie immer liebevoll hergerichtete Auktionsoval. Das Wetter war den Jüngsten erfreulich gewogen und die Stimmung insbesondere am Samstagabend auf dem Hauptplatz gut. Uwe Heckmann als Auktionator hatte in den allermeisten Fällen ein leichtes Spiel, für die 24 Youngster kamen Gebote zwischen 4.000 und 24.00 Euro. Für fünf Fohlen fiel das Hämmerchen bei 10.000 und mehr Euro, die Preisspitze sicherte sich das Gestüt Hohenschmark aus Schleswig-Holstein: Für EISKÖNIG v. Songline-Trocadero (Z.: Erhard Gehlhaar) erhielt das Ehepaar Timm bei 24.000 Euro den Zuschlag. Für fünf Fohlen wurden 10.000 Euro und mehr bezahlt – jeweils 14.000 Euro erzielten das Stütchen FINESSE v. Herzog v. Nassau-Tanzmeister I (Z.: Ralf Fehlhaber) und HIGH SPECIAL, ein Hengstfohlen v. Special Memories-Friedensfürst (Z.: Philipp v. Schöning).
Der Gesamtumsatz lag um ca. 50.000 Euro höher als im Vorjahr, da deutlich mehr Fohlen zur Versteigerung kamen. Der Durchschnittspreis blieb knapp unter dem Vergleichswert von 2007. Zuchtleiter Lars Gehrmann zog eine positive Bilanz: „Diese Auktion im Juli hat sich absolut bewährt. Wir haben mittlerweile schon zum vierten Mal einen Durchschnittspreis von circa 8.000 Euro erzielt und auch in diesem Jahr haben sich einige renommierte Hengstaufzüchter einen Youngster gesichert.“ Ein Wermutstropfen war die auffällige Tatsache, dass Stutfohlen gleicher Qualität deutlich weniger gefragt waren als ihre männlichen Jahrgangskollegen. Hier waren einige Rückkäufe zu verzeichnen. IE/ES
SUMMARY
Showcasing high level equestrian sports along with young talents of the two- and 4-legged variety, the 4th international Trakehner Show held in Hanover also provided convivial company of like-minded people and a wonderful selection of auction foals. The 4-year-old stallions stood out in the young riding horse classes, heightening the anticipation for the upcoming Bundeschampionate. With his excellent movement and exemplary rideability, the approved ELFADO was named the show’s rising star, wowing judges and audience alike. All in all, Kostolany-sire-line-offspring dominated the top positions in the young riding horse classes thus establishing the athletic pre-eminence of Hämelschenburg’s grand old man, among them Kostolany’s own son Elfado and the grandsons, Gribaldi sons Champion COPAIN and EASY GAME. Third generation Kostolany descendants included champion HAMILTON and Bundeschampionat hopeful DONAUGOLD (both by Distelzar), the Hofrat sons champion PRIEGNITZ and EDELMUT as well as the Cadeau offspring OCCACIO, SKY-LADY, and WOODCROFT O’NEILL. Carola Koppelmann presented INSTERBURG TSF and HINNERK TSF in Grand Prix dressage. The graded stallions AXIS, KAROLINGER, PERON JUNIOR, DONAUDICHTER, and HOFTÄNZER performed successfully at S-level dressage. Axis and Karolinger in particular demonstrated that they have just started unfolding their full potential. Graded stallions also proved highly successful in jumper competitions. HIRTENTANZ and DRAMATIKER represented the rising generation, BEL ESPACE GO, CHATEAUNEUF, LICHTBLICK, and PICCOBELLO E demonstrated scope and rideability at M and S-level. Several young dressage horses give rise to optimism. The manageable number of talented eventing horses in the annual line-up notwithstanding, their quality is really good. Elmar Lesch and only 5-year-old Tambour son HERZOG won the L-level cross country competition, taking a perfect 9.4 for a clear and seasoned round. Vanessa Hölscher-Bölting placed 2nd with MAONA by Liebestraum and 3rd with LINDBERGH. Karsten Jaspers and LUSIANA won the L-level eventing class and the title of 2008 Trakehner eventing champion.
Not only Lars Gehrmann and Helmar Bescht agreed upon the unprecedented quality of the 2008 foal selection. 24 young, talented movers entered the auction ring, some from proven bloodlines, others boasting very interesting, (still) rare pedigrees. First-time-sires included Ballzauber, Herzog von Nassau, Songline, Stresemann, Special Memories, Zauberfürst and Hessencharme. Hirtentanz had 4, Herzensdieb 2 offspring in the auction. 5 foals sold for 10 000 or more Euro. The top-selling colt was sold to Schleswig-Holstein. N. and B. Timm of Gestüt Hohenschmarck purchased EISKÖNIG by Songline-Trocadero (b.: Erhard Gehlhaar) for 24 000 Euro. FINESSE, a filly by Herzog v. Nassau- Tanzmeister I (b.: Ralf Fehlhaber) and HIGH SPECIAL, a colt by Special Memories - Friedensfürst (b.: Philipp v. Schöning), sold for 14 000 Euro, each. The turnover was up 50 000 Euro on 2007, due to a greater number of foals sold in the auction. The only sour note was that fillies were in much less demand than colts of equal quality.



