Das ist die Maxime der Zucht von Kurt-Jürgen Carl, dessen Züchtername untrennbar mit dem legendären Shagya-Araber Bajar verknüpft ist. Dessen Nachkommen haben seit kurzem einen prominenten Boxennachbarn: Ocamonte xx ergänzt die Riege der Leistungsvererber in der historischen Gutsanlage an der Eckernförder Bucht.
„Ich wollte den Hengst schon vor zehn Jahren haben“, freut sich Kurt-Jürgen Carl über den trocken textierten Fuchs, der mit großen Partien, gelassener Ausstrahlung und ziemlich einmaligem Pedigree besticht. Der 19-jährige, im Gestüt Fährhof gezogene Hengst, ist ein Sohn des Derbysiegers und mehrfachen Champion-Deckhengstes Surumu xx. Seine Mutter Ocana xx war Siegerin im Schwarzgold-Rennen und Zweite im Deutschen Stutenpreis. Ihr Vater Le Haar xx wurde in Deutschland vor allem über seinen Sohn Frontal xx bekannt und geschätzt. Ocamonte xx selbst lief 2-4jährig in drei Rennjahren und erzielte bei 11 Starts 4 Siege und 4 Platzierungen bei höchstem GAG von 80 kg. Seine 14 Jahre als Landbeschäler in Zweibrücken waren leider nicht von zahlreichen Nachkommen gekrönt, seine Kinder allerdings wissen durch Leistung zu überzeugen. Drei gute Grundgangarten und vermögendes Springen mit viel Übersicht punkten für seinen Einsatz in der Reitpferdezucht.
In Ludwigsburg aber hält sich sein Boxennachbar, der 22-jährige Bazar ShA v. Bajar für den Hausherrn. Der Ausstrahlung dieses Hengstes, der den Elitetitel des VZAP trägt und für Araber/Angloaraber, Trakehner, Holsteiner, Hannoveraner, Pferdestammbuch Schleswig-Holstein, ZfdP, Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt anerkannt ist, können sich weder Laien noch Experten entziehen. Vitalität, Talent am Sprung und Menschenbezogenheit gibt er seinen Kindern zuverlässig mit. Die zuletzt genannte Eigenschaft nimmt einen auch beim Besuch auf der Stutenweide für die Ludwigsburger Pferde ein: Stuten und Fohlen – teilweise auf der Weide geboren – wenden sich freundlich und ausgeglichen den Besuchern zu. Kurt-Jürgen Carl, der die von seinem Vater Wolfgang Carl aufgebaute Zucht weiterführt, setzt auf die gute Ostseeluft, die von der Eckernförder Bucht in Sichtweite auf die großzügigen Weiden weht. Alle Pferde erhalten täglichen Weidegang. Den Einstieg in den Ernst des Pferdelebens begleitet ein angestellter Bereiter. Neben Bazar und Ocamonte xx bewohnen die gekörten Shagya-Hengste Babel und Suhail sowie der bis Kl.S erfolgreiche Holsteiner Lord weitere Hengstboxen. Allen gemein ist hier der Nachname „von Ludwigsburg“.
Trakehner sind auf Gut Ludwigsburg Seite an Seite mit anderen Rassen zu Hause. Shagya-Araber und erstklassige Trakehner Stuten, die zumeist der Familie der Bergfriede angehören und auf die Hengste Eichendorff und Bajar zurückgehen, bilden den Schwerpunkt. Daneben sind hier einzelne Vollblutaraber und Warmblutstuten zu Hause. Die Passion des Hausherrn gilt den Edelpferden, die gleichermaßen umgänglich wie sportlich sein sollen. Die erste Trakehner Stute hielt 1960 auf Gut Ludwigsburg Einzug: TARA v. Julmond aus der Familie der Taline kam durch Leberecht Opitz von der Rauhen Alb nach Schwansen. Wolfgang Carl hatte den Zweiten Weltkrieg mit ostpreußischen Pferden durch- und überlebt und hält deren Nachkommen bis heute die Treue. Als Gesellschaft für ein Stutfohlen der Tara kam 1964 BERGSICHT v. Gabriel aus der Familie der Bergfriede nach Ludwigsburg. Sie wurde Ludwigsburger Linienbegründerin und 31 Jahre alt – heute beginnen die Name der Ludwigsburger Trakehner fast ausschließlich mit einem„B“. Ihre Nachkommen waren und sind in allen drei Disziplinen bis Kl. S erfolgreich (s. DT 2-2008, S. 32 f). Stempelhengst in Ludwigsburg war EICHENDORFF v. Patron aus der Zucht von Gottfried Hoogen, Prämienhengst in Neumünster 1984. Nicht in Ludwigsburg zu Hause und dennoch so etwas wie ein Symbol der Carl’schen Zucht war der legendäre Springvererber BAJAR ShA, der von Manfred Hansen, Großenwiehe entdeckt und aufgestellt wurde und Vater zahlreicher Sportpferde aus Ludwigsburg wurde. Sein Sohn Bazar war 1989 in Kranichstein Siegerhengst und absolvierte 1990 die HLP in Medingen mit gut 121 Punkten. Stellvertretend für zahlreiche Sportler aus diesen Anpaarungskombinationen seien das Dressurpferd BLÜCHER, die Springcracks BAGHAL, BLUE MOON und BERMUDA sowie die Vielseitigkeitspferde BALZAC, BASILISK und BABSI L genannt.
Die Zucht von Trakehnern mit ausgeprägter Springveranlagung ist gerade in Schleswig-Holstein nicht einmal eine Seltenheit und doch sind hier Idealisten am Werk. „Wer nach Holstein kommt, um ein Springpferd zu kaufen, sucht nicht nach einem Trakehner“, das ist Kurt-Jürgen Carl klar. „Aber ich bin überzeugt, dass es noch keinem Pferd, egal für welchen Zweck, geschadet hat, wenn es springen kann.“ Diese Überzeugung teilt der Züchter nicht nur mit seinen Holsteiner Kollegen, denn die Kraft in der Hinterhand, Geschick und auch Mut stehen jedem Sportpferd gut. Dass die arabisch geprägten Schönheiten nicht alle im Sport landen, liegt in der Natur der Pferdezucht – und auch die Kunden, die einfach Freude mit einem klugen, schönen und leistungsbereiten Pferd haben möchten, sind auf Gut Ludwigsburg willkommen. Die Trakehner Stutenherde besteht derzeit aus SANTORINA v. Exorbitant xx-Consul (Z.: Manfred Paul), den Vollschwestern BABUSCHKA II, Pr.St. BERGSONNE und St.Pr.St. BAIDA v. Eichendorff a.d. Babuschka v. Bajar, St.Pr.St. BERGAMOTTE v. Bazar a.d. Bernadette v. Eichendorff, ihrer Mutter BERNADETTE v. Eichendorff-Märchenstein, der jüngst zur Prämie vorgeschlagenen BERGELL III v. Abisko a.d. Bergell II v. Bajar nd der hoch bewerteten BARCELONA v. Bazar a.d. Baikal v. Eichendorff.
Aus einem Besuch auf Gut Ludwigsburg kann schnell ein kurzer oder längerer Urlaub werden: im Gutshaus sind einige moderne Ferienwohnungen eingerichtet, qualifizierter Reitunterricht, herrliche Ausritte und ausgebildete Pferde erwarten die Gäste ebenso wie eine Box fürs mitgebrachte eigene Pferd. Ein Kurzbesuch endet meist im gemütlichen Hofkaffee mit Garten – und Blick auf Herrenhaus und Hengststa



