Freitag, 18. Mai 2012
 


Der Vizeweltmeiser der Jungen Dressurpferde ist strahlender Bundeschampion. Trakehner Starter überzeugten auf den Bundeschampionaten im Busch und auf dem Viereck.

„Wer hat Zugabe gerufen?“ fragte Christoph Hess die begeistert applaudierenden Zuschauer, nachdem Imperio und Anna-Sophie Fiebelkorn die Finalprüfung der fünfjährigen Dressurpferde beendet hatten. „Jetzt wollen wir dieses herrliche Pferd noch einmal in der Trabverstärkung genießen“ forderte er die Reiterin auf, noch bevor eine einzige Note verkündet war. Mit tosendem Applaus und Standing Ovations feierten die Zuschauer diese „Zugabe“ des eleganten Braunen, der längst zum Champion der Herzen geworden war. Dies habe es – so Hess – erst einmal zuvor und zwar bei der Ausnahmestute Poetin gegeben. Jeder, der diese Vorstellung gesehen hatte, konnte es sich zu diesem Zeitpunkt bereits denken: das könnte – nein, das musste der Siegesritt gewesen sein! Als Hess schließlich – inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes völlig aus dem Häuschen – die Noten verkündete, war endgültig klar: Der Bundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde 2008 heißt Imperio. Mit seiner tänzerischen Leichtigkeit und locker durch den ganzen Körper federnden Bewegungen ließ der bei Hartmut Keunecke geborene Vizeweltmeister von Connery aus der St.Pr.u.Pr.St. Isar VI vom Vollblüter Balfour xx seine Konkurrenten hinter sich. Sein bestechender Auftritt entlockte den Richtern Höchstnoten: die einzige 10 der gesamten Prüfung für den Trab, die 9,5 für den Gesamteindruck und die 9,0 für den Galopp. In der Durchlässigkeit gab es ebenfalls „nur“ die 9,0, weil das Kurzkehrt vor den Richtern etwas groß geriet.

Mit einer Gesamtnote von 9,1 und drei Zehnteln Vorsprung zum Zweitplatzierten setzte sich der im gemeinsamen Besitz des Gestütes Hörem und des bayerischen Haupt- und Landgestüts Schwaiganger befindende Imperio an die Spitze des außergewöhnlich starken Feldes, das aus den besten Nachwuchsdressurpferden des Jahrgangs 2003 bestand. Mit Rock Forever, Denario, Silberaster und Desperado – um nur einige zu nennen – waren gekörte Hengste, Körungssieger, Siegerstuten, mehrere, zum Teil zweifache Bundeschampions, WM-Medaillenträger sowie der amtierende Weltmeister dieser Klasse vertreten. In der Siegerehrung beeindruckte Imperio erneut. Doch diesmal waren es (zunächst) nicht seine Bewegungsqualitäten oder die hervorragende Durchlässigkeit, die die Blicke auf sich zogen, sondern seine absolute Gelassenheit, die zu begeistern wusste. Völlig cool und mit hängenden Zügeln ließ sich der Reservesieger der Körung mit Würde feiern. Während es dem Zweit- und Drittplatzierten mit der Zeit etwas langweilig wurde, schien Imperio die ihm gewidmete Aufmerksamkeit und den Trubel in vollen Zügen zu genießen.

Anna-Sophie, die im anschließenden Interview zugab, vor dem Ritt durch den hohen Druck der Favoritenrolle sehr nervös gewesen zu sein – die beiden lagen in der Einlaufprüfung mit der Wertnote 9,0 knapp vor Rock Forever (8,9) – strahlte über das Traumergebnis, das tolle Reitgefühl und den enormen Entwicklungsschub des Hengstes seit der Weltmeisterschaft vor vier Wochen. Dabei lobte sie besonders die uneingeschränkte und jeden Tag spürbare Leistungsbereitschaft und Nervenstärke des fünfjährigen Hengstes, der stets versuche, das Beste für seine Reiterin zu geben. Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, der Trainer des erfolgreichen Paares – er konnte bereits Kaiserdom TSF auf dem Weg zum Bundeschampion begleiten – bezeichnete Imperio als einen „Edelbrillianten“ von besonderer und seltener Art.

An dieser Stelle darf eine weitere Person nicht unerwähnt bleiben, die wesentlich am Erfolg Imperios beteiligt ist, sich aber stets eher still im Hintergrund hält. Katrin Poll pflegt, umsorgt und arbeitet Imperio zu Hause in Hörem, wenn er nicht von Anna-Sophie Fiebelkorn trainiert wird. „Wir haben den Hengst so gearbeitet, dass er mental möglichst gut drauf ist und sich rundum wohlfühlt. Dieses Pferd ist so gut, dass man alles um ihn herum abstellen sollte!“ beschreibt sie ihren eigenen Anteil an Imperios Erfolgsgeschichte bescheiden.

Hoffnungsvoller Dressurnachwuchs
Außer Imperio waren noch weitere Trakehner auf dem anspruchsvollen Parkett der Bundeschampionatsdressur unterwegs. Insgesamt stellten sich sechs der neun qualifizierten Trakehner Dressurpferde der Konkurrenz und erreichten zum Teil sehr gute Platzierungen.

Bei den Sechsjährigen erreichte der großrahmige Halbblüter BIRKHOFS MERALDIK von Münchhausen – Caramel xx (Z./B.: Th. Casper) unter Nicole Casper sowohl in der Finalqualifikation als auch im kleinen Finale mit guten und einheitlichen Bewertungen den siebten Platz und verpasste daher den Einzug ins Finale denkbar knapp. Ähnlich lief es für den Ivernel-Sohn KASIMIR (Z.: Gestüt Tasdorf/P. Wilm, B.: Dr. E. Söchtig) und Lydia Camp. Sie wurden Achte in der Finalqualifikation und rangierten im kleinen Finale in der besseren Hälfte.

Der Körungssieger LE ROUGE von Prêt à Porter – Tycoon (Z.: G. Brenninkmeyer, B.: B. Wahler & Deckst. Böckmann) stand sich in der Finalqualifikation noch selbst im Weg, nutzte seine Chance jedoch im kleinen Finale, in dem er sich mit einer 8,3 den Sieg und damit den Einzug ins Finale sicherte. Hier wurde er geschickt von der Bundeschampionatsdebütantin Vera Nass vorgestellt und bekam Höchstnoten von 9,0 für Schritt und Trab. Gewisse Spannungen und ein Verreiten im weiteren Verlauf der Prüfung verhinderten eine bessere Finalplatzierung als den erreichten zehnten Platz.

Weitere Erfolge gibt es vom Reitpferdeviereck zu berichten. Der aus dem Gestüt Tasdorf entsandte ELFADO v. Kostolany u. d. Eris VI v. Roncalli xx aus der Zucht von Axel Hörmann – strahlender Trakehner Reitpferdechampion 2008 – beeindruckte unter Hannes Lütt auch die Warendorfer Richter und rangierte im stark besetzten Starterfeld der vierjährigen Hengste an vierter Stelle. Damit setzte er sich unter anderem vor den amtierenden Hannoveraner Champion Solière, dem sich wiederum ZAUBERFÜRST v. Interconti – Caprimond (Z.: Dr. E. Söchtig, B.: B. Heise) – der Vize-Bundeschampion des Vorjahres – geschlagen geben musste. An der Platzierungsreihenfolge änderte sich im Finale aus Elfados Sicht nichts. Mit nicht mal zwei Punkten Rückstand auf den Drittplatzierten Bergerac erreichte er – wie Bundeschampion Imperio im vergangenen Jahr – den zwar „undankbaren“ aber dennoch hervorragenden vierten Platz.

Hilka ist bestes vierjähriges Fahrpferd
Auch auf dem Fahrviereck waren die Trakehner im Finale vertreten und stellten sogar das beste vierjährige Fahrpferd Deutschlands. Bei den Fahrpferden konkurrieren die vier- und fünfjährigen Pferde gemeinsam um den Titel des Bundeschampions. Die aus der Zucht und dem Besitz des Gestütes Volkmarst stammende vierjährige Hilka von Kantadou – Kennedy sicherte sich durch eine harmonische Runde und einen hervorragenden achten Platz in der Qualifikation das Ticket fürs Finale. Hier präsentierte sich die bildhübsche blutgeprägte Schimmelstute an den Leinen ihres Ausbilders Falko Mäkelburg noch besser als am Vortag und erreichte als beste Vierjährige den achten Rang im anspruchsvollen Finale mit Fremdfahrertest.

Buschpferde mit Zukunft
Auch wenn es bei den Vielseitigkeitspferden in diesem Jahr nicht zum Titel gereicht hat, sorgten die Pferde mit der Elchschaufel durch einen Sieg und mehrere vordere Platzierungen für Aufmerksamkeit. Auf direktem Weg konnten sich die sechsjährige Liebestraum-Tochter MAONA (Z.: Trakehner Gestüt Weinhof Winzlar, B.: Anja Lüninghöner) und Vanessa Hölscher-Bölting mit einer 8,5 für das Finale qualifizieren, das sich aus den Teilprüfungen Dressur, Springen und dem doppelt zählenden Gelände zusammensetzt. Maona lieferte in der Dressur ihr eigenes Bestergebnis ab und rangierte nach Dressur und dem mit einem Fehler absolvierten Springen an sechster Stelle. Leider lief die durchweg kraftvoll galoppierende, sportliche und höchst rittige Stute im wichtigen Geländeteil an einem sehr schmalen Sprung vorbei.

Bei den Fünfjährigen schaffte es trotz hervorragender Bewertungen – die sechstplatzierte BERLIN bekam eine 8,1, Herzog als Achter die 8,0 – kein Trakehner auf dem direktem Weg in den Titelkampf, dafür umso eindrucksvoller über den Umweg des kleinen Finales. Hier siegte der gekörte HLP-Sieger HERZOG v. Tambour – Inkognito (Z./B.: Dr. E. Söchtig) unter Elmar Lesch als erster Starter mit der sensationellen Wertnote 9,0. Der in der Finalqualifikation noch unplatzierte Connery-Sohn FEENZAUBER IWEST (Z.: ZG Krohn/Dötschel, B.: Dr. D. & G. Meyer) meldete sich im kleinen Finale ebenfalls zur Stelle und kam unter Michael Jung mit einer grandiosen 8,6 und dem dritten Platz zusammen mit Herzog weiter.

Die elegante Stradivari-Tochter Berlin (Z.: Petra Renate Rebhan, B.: Eheleute Vosswinkel) unter Csaba Sarközi, die in der Finalqualifikation das aus Trakehner Sicht beste Ergebnis erzielte, hätte einen Tag Pause gut gebrauchen können. Sie wirkte im kleinen Finale müde und schaffte es nicht, sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Bemerkenswert aus züchterischer Sicht ist die Tatsache, dass Petra Rebhan mit Berlin sowie der sechsjährigen POWER FLOWER von Key West – Kostolany gleich zwei selbstgezogene Pferde beim Bundeschampionat präsentieren konnte.

Das Finale begann mit der Teilprüfung Dressur, in der sich der eher im Dressurpferdetyp stehende imposante Connery-Sohn Feenzauber Iwest unter Michael Jung mit einer 8,3 an dritter Stelle platzierte. Durch einen Fehler im Parcours und eine mit 8,5 bewertete Geländerunde erreichte er im Finale den beachtlichen sechsten Platz. Knapp dahinter rangierte der gekörte Herzog, der leider durch eine Verweigerung im Parcours eine bessere Platzierung im Gesamtklassement verhinderte. Der Dunkelbraune konnte erneut im Gelände glänzen und sicherte sich mit einer 8,8 die zweitbeste Wertnote der gesamten Prüfung.   

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