Wenn man etwas über Gribaldi, den weltweit besten Trakehner Hengst, schreiben möchte, fällt es einem zunächst schwer, die Gedanken zu ordnen, die Verdienste und Leistungen des Rappen in die richtige Reihenfolge zu bringen. So viel liesse sich über ihn schreiben, allein die Aufzählung seiner züchterischen und sportlichen Erfolge würde Seiten füllen. Ulrike Sahm porträtiert den Trakehner Hengst des Jahres 2008.
Geboren wurde der Rapphengst an einem Sonntagabend bei Marika Werner im hessischen Mittenaar. Schon das war etwas besonderes, da Gribaldis Mutter, die kleine Zwillingsstute GONDOLA II von Ibikus, ihre Fohlen sonst stets an Samstagen auf die Welt brachte. Gondola stammt aus der Familie der Gondel und ist unter anderem Mutter des Halbblüters GOLDINO von Patricius xx und der prämierten Eintragungssiegerin GEORGINA. Mit viel Selbstbewusstsein, typvoll und sehr korrekt stellte er sich bereits als junges Fohlen dar. Otto Langels war früh von dem als Fohlen eher normal bewerteten Sohn des in Hämelschenburg stationierten Siegerhengstes Kostolany überzeugt und erwarb ihn im Alter von einer Woche als Hengstanwärter für seine Junghengstherde.
Bei seiner Körung in Neumünster war es dann früh klar: der unangefochtene Siegerhengst 1995 kommt aus dem Hause Werner bzw. Langels und trägt wie sein Vater vier weiße Söckchen und die so begehrte Rappfarbe. Gribaldi wurde umjubelter und gefeierter Siegerhengst und konnte im Rahmen der anschließenden Auktion von dem niederländischen Hengsthalter Joop van Uytert – der sich schon vor der Körung in den Hengst verliebte – für 300 000 DM ersteigert werden. Dies war möglicherweise das Beste, was dem Hengst, dem Trakehner Verband und seinen Züchtern und Aufzüchtern passieren konnte, denn Gribaldi erreichte so ziemlich alles, was ein Pferd als Vererber und als Dressurpferd in seinem Leben erreichen kann. Dabei ist er inzwischen gerade mal 15 Jahre alt.
Seine frühe Blitzkarriere ging genauso erfolgreich weiter, wie sie begonnen hatte. Dreijährig wurde er zunächst vom KWPN anerkannt und ebenfalls zum Siegerhengst gekürt, bevor er seine HLP in Ermelo mit Bravour bestand. Vierjährig wurde er Reservechampion im Pavo-Cup, dem niederländischen Bundeschampionat für vier- und fünfjährige Pferde und siegte in der großen Reitpferdeprüfung für vierjährige Hengste im Rahmen des internationalen Turniers in s’Hertogenbosch. Seine überdurchschnittliche Rittigkeit fiel schon damals auf und brachte den Richter Albert Voorn zum Träumen „ a horses that gives you a dream feeling as a rider“ erklang nach der Prüfung sein begeisterter Kommentar. Ein Jahr später belegte er in dieser Prüfung knapp geschlagen den zweiten Platz und erreichte weitere gute Platzierungen in ähnlichen Hengstwettbewerben.
Fünfjährig bekam Edward Gal den Glanzrappen dann unter seine Fittiche. Gemeinsam mit Anky van Grunsven arbeitete er von nun an an der weiteren Karriere des Ausnahmehengstes. Nach hervorragenden Platzierungen und Siegen in Prüfungen für junge Dressurpferde wie beispielsweise dem Amev/Hippo Cup, arbeitete er sich Schritt für Schritt in die oberen Dressurklassen hoch. 2002 und 2003 gelang international der Einstieg in die Schwere Klasse mit zahlreichen Siegen und vorderen Platzierungen auf Prix St. Georges und Intermediaire I Niveau, bevor 2004 der Sprung in die höchste Ebene – den Grand Prix – gelang. Auch hier machte der Doppelverdiener nicht nur in den Niederlanden eindrucksvoll auf sich aufmerksam, da er nur selten mit weniger als 70% bewertet wurde und das ein oder andere Mal an der Spitze der Platzierten galoppieren durfte. Beispielsweise entschied er mit über 73% die Grand Prix Kür sowohl beim internationalen Hengstturnier in Zwolle als auch beim gut besetzten CHIO Rotterdam für sich. Bei den Hardenberg Klassika rangierte der Grand Prix-Debütant mit über 74% in der Kür vor Don Schufro an vierter Stelle und verwies mit einem dritten Platz im Grand Prix außer Don Schufro auch noch Breitling und Antony FRH auf die Plätze. Das Paar Gal – Gribaldi wurde schließlich in den niederländischen A-Kader berufen und nahm 2006 als Mitglied der niederländischen Mannschaft beim CHIO in Aachen an der großen CDIO-Tour mit guten Platzierungen unter den besten zehn teil.
Das Duo qualifizierte sich außerdem für das Weltcup-Finale 2007 in Las Vegas, wo sich der unter Flugangst leidende Rappe leider nicht in Topform zeigen konnte. Auch in 2008 siegte Gribaldi in internationalen Grand Prix Prüfungen, wurde jedoch nur schonend im Sport eingesetzt. Gribaldi rangierte im Juni 2007 als Nummer acht der WBFSH-Weltrangliste unter den zehn besten Dressurpferden und an erster Stelle der weltweit besten Dressurhengste.
Seine „zweite“ Blitzkarriere legte Gribaldi auf züchterischer Ebene hin. Immer wieder bringt er sich mit seinen Nachkommen ins internationale Rampenlicht. Gribaldi avancierte zum meist genutzten Vererber in den Niederlanden, ist außer für die Trakehner noch für das KWPN, die Oldenburger, die Hannoveraner, die Dänen und für das Stutbuch der Selle Francais anerkannt und schlug bereits mit seinem ersten Jahrgang ein wie eine Bombe. Er stellte in Neumünster nicht nur den Reservesieger HOFRAT, sondern auch den Bewegungskünstler DISTELZAR, der später für 600.000 DM über die Klosterhofer Eliteauktion versteigert wurde. Im selben Jahr stellte Gribaldi außerdem den dänischen Körsieger Zardin und mit Rivaldi einen weiteren gekörten Hengst in Dänemark. Im Jahr darauf wurde HOFTÄNZER - wie im Jahr zuvor sein Vollbruder Hofrat - Reservesieger der Körung. Mittlerweile kann Gribaldi bei acht verschiedenen Verbänden auf 14 gekörte Söhne blicken, die ihrerseits bereits gekörte Söhne und Siegerhengste vorzuweisen haben. Darunter auch der Hofrat-Sohn Hotline, der 2006 im hannoverschen Verden nicht nur zum Siegerhengst, sondern mit 800.000 Euro auch zur absoluten und nie dagewesenen Preisspitze der anschließenden Auktion avancierte.
Auch als Stutenmacher ist Gribaldi von Bedeutung. Über 400 Töchter waren 2005 bereits im Stutbuch der KWPN eingetragen, von denen mehr als 150 mit dem Prädikat „Ster“ (entspricht der deutschen Staatsprämie) und weitere 36 als „Elite“ ausgezeichnet waren. Auch in der deutschen Trakehner Zucht haben zahlreiche Prämien- und Staatsprämienstuten den erfolgsverwöhnten Rappen zum Vater. Allen voran sei hier die letztjährige Jahressiegerstute GIPSY FLOWER genannt, die im vergangenen Jahr nicht nur auf dem Eintragungsplatz, sondern – ganz wie ihr Vater – auch in Neumünster die Konkurrenz hinter sich ließ.
Die Gribaldi-Kinder sind jedoch nicht nur in züchterischer Hinsicht interessant, auch sportlich machen sie vieler Orten auf sich aufmerksam. In Deutschland macht zurzeit vor allem der elegante Hoftänzer Werbung für seinen Vater. Ohne viel Aufwand, doch mit beeindruckender Beständigkeit tanzt er sich unter Karin Winter-Polac in die Platzierungslisten schwerer Dressuren. Gleiches gilt für GEGENWIND, der unter Willi Feltes zahlreiche Schleifen in S-Dressuren sammelte.
International macht ein ebenfalls bei van Uytert aufgestellter Sohn des Gribaldi von sich reden: Painted Black. Er wird bereits hoch gehandelt als künftiges Toppferd der Olympiasiegerin Anky van Grunsven. Mittlerweile ist er auf dem internationalen Grand Prix Parkett angekommen und entschied 2008 unter anderem die Grand Prix-Kür der CDI-Tour in Aachen für sich. Unter Edward Gal ist die Gribaldi-Tochter Sister der Jeu ebenfalls international in Grand Prix Prüfungen vorne. Erst kürzlich siegte sie im Grand Prix beim CDI im schwedischen Flyinge. Ein Pferd der besonderen Art ist der ebenfalls gekörte Moorlands Totilas. Auch er ist aufgestellt bei Joop van Uytert und wird von Edward Gal geritten. Mit einem Ritt „wie von einem anderen Planeten“, sechs Prozentpunkten Abstand und 80% siegte er beispielsweise in Rotterdam in der Inter I Kür.
Die höchste Auszeichnung für einen Zuchthengst ist nicht nur in der deutschen Trakehner Zucht das Elite-Prädikat. Anlässlich des Trakehner Hengstmarktes 2003 wurde Gribaldi gemeinsam mit den wesentlich älteren Hengsten Michelangelo und Friedensfürst zum Elitehengst gekürt, noch bevor er im Grand Prix Sport erfolgreich war. Doch er ließ es nicht dabei, er sicherte sich als jüngster Hengst in der niederländischen Zuchtgeschichte im Frühjahr 2005 den seltenen und sehr begehrten Titel des „Keur Stallion“. Mit diesem Titel werden nur die wenigen Hengste ausgezeichnet, die einen gesicherten Sportindex von über 140 Punkten und höchst erfolgreichen Nachkommen vorweisen können. Bei Gribaldi reichten die Erfolge seiner sechs- und siebenjährigen Nachkommen für diese große Auszeichnung. Doch damit nicht genug. Zwei Jahre später setzte er noch einen drauf und wurde 2007 auch in Dänemark zum Elitehengst ernannt. Mit der Auszeichnung zum Hengst des Jahres 2008 möchte der Trakehner Verband diesen majestätischen Ausnahmehengst noch einmal besonders ehren.
SUMMARY:
Gribaldi is said to be one of the best Trakehner stallions in the world and he deserves this crown like no other. His launched his picture book career at the 1995 Neumünster Hengstmarkt, where he became champion stallion and was purchased by Joop van Uytert. Carefully and systematically produced, he has become one of the best Dutch dressage horses since. With Edward Gal, he was appointed to the Dutch A team, collecting international successes, for instance at the CHIO Aachen and the wordcup finals in Las Vegas. Moreover, Gribaldi excels as a breeding stallion. He has sired more than 400 premium daughters in the Netherlands, champion and premium mares in Germany, 14 licensed stallions, and numerous successful sport horses, like Anky van Grunsven’s talented stallion Painted Black. Gribaldi obtained elite status in Germany and Denmark and keur status in the Netherlands. Now he has been further recognised by the Trakehner Verband and elected the Stallion of the Year 2008.



