Zehn Jahre ist das erste Treffen der internationalen Töchterverbände und Interessengemeinschaften des Trakehner Verbandes her. Unmittelbar vor dem Trakehner Hengstmarkt 2008 fand die zweite Internationale Trakehner Tagung statt – und man war sich am Ende einig, dass bis zur nächsten Zusammenkunft nicht wieder zehn Jahre verstreichen dürfen.
Gästen, und noch dazu so weit angereisten, möchte man als Gastgeber natürlich etwas bieten, da macht der Trakehner Verband keine Ausnahme. Und er schaffte es, mit Unterstützung zahlreicher Züchter im ganzen Land, vom 19. bis 23. Oktober ein Programm auf die Beine zu stellen, bei dem weder Theorie noch Praxis, noch das gegenseitige Kennenlernen zu kurz kamen.
Der Anfang glich einer Sternfahrt – oder sollte man besser sagen einem Sternflug – denn viele der Gäste aus 17 Nationen landeten am Sonntag in Frankfurt am Main, Hannover, Hamburg oder Düsseldorf und die Zuchtbezirke Hessen und Rheinland sorgten mit Gestütsbesichtigungen für erste Highlights. Bei wunderschönem Herbstwetter trafen die englischen Gäste vormittags im Gestüt Hörstein ein, wozu sich neben den Herren Diehm, Jörß und Prof. Müller auch die Landesvorsitzende Marika Werner und Ehepaar Harlacher einfanden. Die Präsentation von Stuten und Hengsten wurde als idealer Auftakt zu dem internationalen Treffen empfunden. Die gute Stimmung konnte bei einem Imbiss und einem guten Tropfen aus dem Bocksbeutel nur durch den straffen Zeitplan unterbrochen werden. Der Nachmittag reichte nur knapp für die eindrucksvolle Rundreise über die Weiden und einige Vorstellungen auf dem Gut Elmarshausen. Wie bei einer Jagd ging die Fahrt durch alte Forsten zu großen Lichtungen mit den Jungpferden und Stuten des Gestüts. Das große Interesse nahm selbst die Souveränität von Frau Dr. Elke Söchtig voll in Anspruch. Die züchterische Diskussion wurde beim gastlichen Empfang des Schloßherrn von der Malsburg fortgesetzt.
Im Rheinland ging es am Sonntag mit 14 Gästen aus Australien, den USA, Kanada und Polen in Begleitung der Zuchtbezirksvorsitzenden des Rheinlands, Wilhelm Josef Dahmen, und Westfalens, Dr. Hans-H. Becker, zunächst auf den Wiesenhof nach Krefeld. Valerie Hüttner und ihr Lebensgefährte zeigten alle Hengste, Stuten und Fohlen des Gestüts und luden zu Häppchen und Getränken ins Reiterstübchen, bevor das Gestüt Heinen-Bönninghardt die Gäste in Empfang nehmen durfte. Familie Heinen präsentierte ihre herrlichen Stammstuten sowie ausgesuchte Fohlen und baten dann alle Besucher zu einer kräftigen Suppe ins Haus. Die Reise war nämlich noch nicht zu Ende, in Lemgo sollte die Reisegruppe aus dem Westen die Trakehner Freunde der „Südroute“ treffen, um am Montagmorgen gemeinsam nach Niedersachsen zu fahren.
Der Vormittag galt dem Gestüt Hämelschenburg, wo Beate Langels – immerhin kurz vor der Abfahrt nach Neumünster – es sich nicht nehmen ließ, den mittlerweile etwa 30 Gästen ihre bewährten Vererber wie auch die jungen Hengste sowie einige Stuten und Fohlen vorzustellen. Jutta Langels versorgte die ganze Truppe gegen Mittag liebevoll mit selbst bereiteter Suppe und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen. Auch das Gestüt Webelsgrund empfing die Gruppe aufs Herzlichste. Hier bot sich die Gelegenheit, Fohlen und Junghengste in Augenschein zu nehmen und dabei das Ambiente des herrlich gelegenen Traditionsgestüts zu genießen. Am Nachmittag ging es weiter nach Hörem, wo den internationalen Trakehner Freunden allerdings zur allgemeinen Verwunderung keine Pferde gezeigt wurden.
Der Dienstag brachte drei Gestütsbesuche im Pferdeland zwischen den Meeren. Auch hier begleitete der Zuchtbezirksvorsitzende, Hans-Wilhelm Bunte, die Gäste. Der Tag begann auf dem Gestüt Tasdorf. Alle Trakehner Hengste präsentierten sich unter dem Sattel – Verbandspräsidentin Petra Wilm stellte ihren King Arthur TSF selbst in Grand Prix Lektionen vor – bevor das großzügig angelegte Gestüt und die Stutenherde besichtigt wurden. Weiter ging es Richtung Ostsee zum Gestüt Krotenbach. Einer Gestütsbesichtigung folgte auch hier eine besondere Vorstellung: Reiner Seemann und sein Team zeigten die Hengste im Freilaufen, kommentiert von Hans-Werner Paul – eine Lehrstunde par excellence. Das Gestüt Hohenschmark, wunderschön gelegen in der Holsteinischen Schweiz, bildete einen krönenden Abschluss der dreitägigen Exkursion. Das vom Ehepaar Timm gleichermaßen exklusiv wie pferdegerecht und modern aus- und umgebaute Gestüt wurde kürzlich um weitere Stallungen erweitert und so war auch der so wichtige Bereich Management eines Zuchtbetriebes Hauptthema der Gestütsführung durch Pferdewirtschaftsmeister Frank Bangert, simultan übersetzt von Hausherrin Birgit Timm. Nicht nur die Pferde und die schönen Gestütsanlagen, auch der herzliche Empfang und die großzügige Bewirtung der Gäste in den drei Gestüten wird allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben.
Ein herzliches Dankeschön geht an die Gestüte, die sich so kurz vor dem Hengstmarkt Zeit für die internationalen Trakehner Gäste nahmen und an Laura Schulz, Praktikantin in der Geschäftsstelle, die die Reise mit organisierte und kompetent begleitete.
Ein Dutzend Vorträge
Die eigentliche Tagung sah zwölf Referate an anderthalb Tagen vor und bot, exzellent moderiert von zwei Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes, Hans-Werner Paul und Dr. Hans-H. Becker, eine ausgewogene thematische Mischung. Präsidentin Petra Wilm betonte in ihre Begrüßung, wie wichtig es sei, in Zeiten der Globalisierung von Zucht und Sport auch international enger zusammenzurücken und das Trakehner Pferd sportlich zu präsentieren und begehrenswert zu machen. Einige Besonderheiten der Trakehner Zucht erläuterte Zuchtleiter Lars Gehrmann an den Regeln der Reinzucht und einer Analyse der Zuchtziel-Merkmale. Rike Teegen stellte aus ihrer Doktorarbeit „Das Zuchtziel des Trakehner Verbandes im Fokus der Wissenschaft“ dar und Erhard Schulte erläuterte die neue Familiensystematik der Trakehner Zucht. Es fasziniert züchterische Neueinsteiger wie auch alte Hasen immer wieder, wie geradlinig sich so viele unserer heute erfolgreichen Stutenstämme zweieinhalb Jahrhunderte zurück verfolgen lassen.
Die Arbeit des Trakehner Fördervereins stellte Dr. Annette Wyrwoll als Mitglied der Sportkommission anhand zahlreicher Erfolgspferde vor, wobei sich herausstellte, dass auch in Dänemark, in den Niederlanden (dank Partout über den TCN) und in den USA Sportpferdeförderung stattfindet. In Großbritannien ist eine Förderung im Aufbau. Der Sport verbindet weltweit, allein die Kommunikation lässt trotz Internet noch zu wünschen übrig. Einen Lösungsansatz stellte Philip Rathmann vom Rathmann Verlag vor: eine internationale, englischsprachige Ausgabe der Verbandszeitschrift, „Der Trakehner International“ könnte gleichzeitig international informieren wie auch Imageträger für unsere Pferde sein.
Über den Trakehner Horizont hinaus zielten die Vorträge von Dr. Klaus Miesner von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur Globalisierung in der Pferdezucht und zur Arbeit der World Breeding Federation of Sporthorses (WBFSH). Ein Problem bei der Erstellung internationaler Erfolgsbilanzen unserer Pferde ist nach wie vor die nicht einheitlich geregelte Kennzeichnung. Zwar sollte die Trakehner Lebensnummer des Geburtslandes das Pferd lebenslänglich begleiten, in der Praxis werden jedoch bei Exporten häufig Dokumente des Importlandes ausgestellt und Pferde Trakehner Abstammung dann in Turnierlisten als Pferde der jeweiligen Landeszucht geführt.
Wiebke Rosenthal stellte die deutschen Prüfungsmodelle für Hengste und Stuten vor. In der sich anschließenden Diskussion über mögliche gegenseitige internationale Anerkennungen der Hengstleistungsprüfungen vertrat Zuchtleiter Lars Gehrmann klar den Standpunkt, eine HLP sei nur auf Station aussagekräftig und vergleichbar. Alle Vorträge und Beiträge wurden von Dr. Maren Engelhardt und Birgit Timm simultan ins Deutsche bzw. Englische übersetzt, so dass sprachliche Grenzen an diesen Tagen kaum eine Rolle spielten.
Ein Highlight neben aller sachlichen Information sind bei einer solchen Tagung natürlich die Vorstellungsrunden und die sprengte direkt zu Tagungsanfang dann auch gleich den zeitlichen Rahmen. Aber sie war es wert. Die Leidenschaft, mit der Menschen in mehreren Kontinenten und vielen Staaten sich für das Trakehner Pferd einsetzen und begeistern, ist schlicht beeindruckend. Sicher, das Bild von David und Goliath drängt sich auf, denn in der drastischen Minderheit sind die Trakehner überall. Aber dort, wo sie auftreten, sind sie erfolgreich, als Sportler wie als Väter und Mütter. Darauf lässt sich aufbauen. Und die Züchter haben Visionen, das zeigte sich in der Diskussion „Trakehner Weltweit 2020“ und in der Abschlussdiskussion.
„Gentransfer international“ ist eine dieser Vision, die in Einzelfällen bereits umgesetzt wird, in der aber noch erhebliche Potenziale schlummern. Die „Marke Trakehner“, da waren sich Gäste und Gastgeber einig, ist ein Kapital, das es zu pflegen gilt. Und zwar sowohl die besondere Geschichte als auch die Sportlichkeit des heutigen Pferdes. Als „Porsche unter den Sportpferden“ sieht der Präsident der ATA, Brad Kerbs, die Trakehner, kein Massenprodukt, sondern höchst exklusive Leistungsträger. Seine Kollegin aus Frankreich, Suzanne Barthod, formulierte noch poetischer „Trakehner sind wie ein alter Champagner – dessen Rezeptur würde niemand ändern wollen.“ Auch Petra Wilm plädierte abschließend deutlich für die Exklusivität des Trakehner Pferdes und gegen einen kompletten Vergleich mit anderen Reitpferderassen. Überall in der Welt das Besondere unserer Pferde herauszustellen und sie gleichzeitig sportlich erstklassig zu präsentieren, lautet ihre Vision.
Um der Pferde willen über Staatsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten ist ein großes und auch nach diesen Tagen noch sehr vages Ziel. Der Informationsgehalt der Tagung war überzeugend, die verbesserte Kommunikation ist zumindest auf den Weg gebracht, ob dieser im Praxisalltag trägt, muss sich zeigen. Für große und auch kleine Entschlüsse jedoch boten diese Tage noch keine Plattform, was von einigen Teilnehmern bedauert wurde. Aber da das nächste Treffen ja sicher keine zehn Jahre auf sich warten lässt, dürfte auch künftiger Entschlussfreude zumindest ein Pfad geebnet sein. IE
Teilnehmer aus folgenden Ländern waren dabei:



