„Das war wohl unsere längste Turniersaison. Syncro und ich sind inzwischen wirklich gut im Reisen!“ sagt die junge US-Dressurreiterin Laura Noyes vergnügt.
2008 ist sie durch die USA zu den CDI-Turnieren getourt – Ohio, Florida, California, Virginia, Kentucky, Colorado und „Dressage at Devon“ in Pennsylvania. Den Truck steuert sie selber. Das liegt wohl in der Familie, die ein Logistikunternehmen betreibt und offensichtlich ein Faible für Pferdestärken hat. Dennoch: „Ich bin die einzige, die mit Pferden zu tun hat.“ Alles fing an Lauras 4. Geburtstag mit geschenkten Reitstunden an. Mit 13 Jahren kauft sie ihr eigenes Pferd vom gesparten Taschengeld. Als sie ein paar Jahre später jenem 1,50 m Morgan-Pferd entwachsen ist, findet sie ihr Pferd: Syncro – ein „american bred“ Trakehner von Enrico Caruso aus der Sonset von Habicht. 2003 ist er neun Jahre alt, erst bis A ausgebildet. Fünf Jahre später gewinnt das Paar die Goldmedaille in der Dressur-Kür bei den Nordamerikanischen Jugend-Meisterschaften - mit fast 75%. Laura hat damit das Ticket fürs FEI Weltcup Finale Dressur der Jungen Reiter. Klingt filmreif. „In der Tat ist es immer noch ein bisschen unwirklich. Schon zu Beginn habe ich davon geträumt, dass Syncro und ich das zusammen schaffen, gemeinsam bis Grand Prix. Jetzt stehen wir kurz davor.“
Die 21-Jährige und ihr inzwischen 15-jähriger dunkelbrauner Wallach sind Aushängeschilder der amerikanischen Trakehner Zucht: Die ATA zeichnete Laura 2008 erneut als erfolgreichste junge Dressurreiterin aus, Syncro bekam den „Palmblüte“-Award als bester Botschafter für den Elchschaufel-Brand in den USA. Einen Ehrenplatz haben die „Fiona Baan ‚Pursuit of Excellence’ Memorial Trophy“ und der Award der Prüfungsrichter der US-Dressage Foundation. Die eine Auszeichnung lobt Lauras feinen Reitstil, die andere ihre feine Art auch außerhalb des Dressurvierecks.
Anlässlich des Weltcup Dressur-Finales der Jungen Reiter beim Frankfurter Festhallenturnier unterhielt sich Jan Reumann für DER TRAKEHNER mit der sympathischen Reiterin aus Maine, die in Ohio studiert und dort bei George Williams trainiert – einem der erfolgreichsten US-Dressurreiter und Vizepräsident des amerikanischen Verbandes USDF:
DER TRAKEHNER: Sie und Syncro schienen recht beeindruckt gewesen zu sein, als Sie in die Festhalle einritten?
Laura Noyes: Frankfurt ist überwältigend. Beim ersten Einreiten wollte ich mich ganz auf Syncro konzentrieren, damit zumindest er konzentriert bleibt. Ich bin glücklich, wie rittig er in so einer ungewohnten Umgebung war. Was für mich ungewohnt war: So früh aufzustehen und dann erst abends die Prüfung zu reiten. Denn nur um 5 Uhr, vor Beginn aller Wettbewerbe, konnte ich Syncro ans Viereck gewöhnen. Die Woche nach Frankfurt habe ich dann bestens geschlafen.
DT: Dressurreiten in den USA ist geprägt durch Ausbilder aus Deutschland. Ihr Trainer George Williams war am „Egon von Neindorff“-Institut. Was gefällt Ihnen an dieser Art zu reiten?
LN: Sein Stil erinnert mich sehr an den von Klaus Balkenhol. Sehr ruhiges, feines Reiten, damit das Pferd immer zufrieden und gelassen ist. George hat uns beiden geholfen, dass Syncro wirklich losgelassen und durchlässig ist. Und er ist geduldig: Wenn ein Pferd noch nicht bereit für etwas ist, wartet er ab.
DT: Sie beide zusammen haben mit A-Dressur angefangen und reiten jetzt S. Nicht gerade alltäglich. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis!
LN: Das ist in den USA wirklich nicht alltäglich. Ich glaube, es war ganz einfach stetes Arbeiten. Verbunden mit dem Wunsch, richtig korrektes Reiten zu lernen. Und nicht in irgendeiner Weise Abkürzungen zu nehmen. Ich meine, das hat sich gelohnt.
DT: Sie und Syncro – war das „love at first sight“?
LN: Es hat sofort „klick“ gemacht. Nach 5 Minuten mit ihm wusste ich – das ist mein Pferd! Ich habe Syncro von meinem eigenen Geld gekauft. Denn meine Eltern haben gesagt: „Du kannst ein Pferd haben - wenn Du’s Dir selber leisten kannst.“
DT: Warum ein Trakehner?
LN: Ich suchte ein Pferd, das am Anfang seiner Turnierkarriere stand - und das ich mir deswegen noch leisten konnte. Es sollte Potential für mehr haben.
DT: Was würden Sie als den besonderen Charakter des Trakehner Pferdes bezeichnen?
LN: Vor allem, dass sie einem gefallen möchten. Sie sind sehr sensibel. Wenn sie Dir einmal vertrauen, tun sie alles für Dich. Es war anfangs eine Herausforderung, das Vertrauen von Syncro zu gewinnen und zu festigen. Ich bin immer noch die einzige Person, der er wirklich vertraut. Für mich gibt er alles.
DT: Was schätzen Sie an Ihrem Pferd?
LN: Seine Persönlichkeit. Er ist sehr auf mich bezogen. Er schaut immer, wo ich abbleibe und wiehert nur, wenn ich in den Stall komme. Und er ist intelligent.
DT: Was ist für Sie der perfekte Moment mit einem Pferd?
LN: Lockeres Ausreiten an einem schönen Tag.
DT: Sind Sie schon vorher mal in Deutschland auf Turnieren oder Zuchtveranstaltungen gewesen? Wie könnte man Sie zum Trakehner Hengstmarkt nach Neumünster locken?
LN: Ich war noch nie in Deutschland außer beim Festhallenturnier 2006 und 2008. Gerne würde ich mehr über die Zucht lernen und was Europa hier bietet. Aber wenn man an der Uni ist, kommt man nur schwer weg!
SUMMARY:
The United States Equestrian Team (USET) Foundation recently announced that Laura Noyes, 21, of Delaware, Ohio, has been awarded the Lionel Guerrand-Hermès Trophy. The prestigious annual award recognizes a Junior/Young Rider who exemplifies the USET Foundation's ideals of sportsmanship and horsemanship. Noyes has been partnered with her own Syncro, a 14-year-old Trakehner gelding, for nearly six years and they have risen up through the dressage ranks from First Level to the international levels for Young Riders. The duo has accumulated an impressive list of accomplishments along the way. The year 2008 was Noyes's final year in the Young Rider division and was full of highlights for her and Syncro. They earned the Reserve National Championship at the Collecting Gaits Farm/USEF Dressage Festival of Champions in California; won the Individual Gold Medal and Team Silver Medal at the FEI North American Young Rider Championships (NAYRC) in Colorado; and, as the number-one ranked combination in the Young Riders standings, they represented the U.S. at the FEI World Cup™ Dressage Final for Young Riders in Frankfurt, Germany. From Eurodressage.com



