Freitag, 18. Mai 2012
 


Anlässlich der Mitglieder- und Delegiertenversammlung in Aachen kommentierte Lars Gehrmann die wichtigsten Bestandszahlen aus dem Vorjahr.

Der Jahresbericht beginnt traditionell mit der Betrachtung des Mitgliederbestandes (Tabelle 1, Seite 8). Wie in der unteren Zeile erkennbar, ist die Anzahl der Mitglieder des Trakehner Verbandes um 76 Personen auf die Zahl 4450 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 1,7%. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Anzahl der fördernden persönlichen Mitglieder sogar eher konstant geblieben ist, während die Anzahl der ordentlichen Mitglieder um 73 Personen auf 2287 Züchter zurück ging.

Die Zahl der Züchter wird also weniger. Den leider stärksten Rückgang an Mitgliedern verzeichnet das Rheinland mit 24 Personen, aber auch die Neuen Bundesländer, Bayern, Schleswig-Holstein/Hamburg und Niedersachsen-Hannover haben zwischen 13 und 16 Mitglieder weniger als im Vorjahr. Leichte Zuwächse hingegen gab es in Niedersachen Nord-West/Bremen, Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Der mitgliederstärkste Zuchtbezirk bleibt Schleswig-Holstein/Hamburg mit 640 persönlichen und ordentlichen Mitgliedern vor Niedersachsen-Hannover und den Neuen Bundesländern.

Die Entwicklung der Bedeckungen, beziehungsweise Besamungen über die eingesetzten Rassen dokumentiert Tabelle 2 (Seite 8). Daraus geht zunächst einmal hervor, dass die Anzahl der Bedeckungen um 92 gegenüber dem Jahr 2007 zurück gegangen ist. Das macht einen Anteil von 4% aus. Die absolute Zahl von 2204 Bedeckungen entspricht in etwa dem Stand der Jahre 2004 und 2006.
Erfreulich ist dabei die Zunahme der Stutenzahl für Vollbluthengste und Araberhengste auf insgesamt 126 Stuten, sodass der Anteil des Spezialblutes von 2007 auf 2008 um 1% auf 6% Gesamtanteil gestiegen ist.

Die Entwicklung der Fohlen-Registrierungen (Tabelle3, Seite 8) ist natürlich immer wesentlich abhängig von der Entwicklung der Bedeckungen, wobei die Jahre nur in versetzter Form verglichen werden können. Ein Beispiel: Im Jahre 2007 wurden 82 Stuten mehr gedeckt als im Jahre 2006. Im Jahre 2008 wurden 2 Fohlen mehr geboren als im Jahre 2007. Wenn man die Bedeckungen des Jahres 2007 und die Anzahl Fohlen aus dem Jahre 2008 ins Verhältnis setzt, dann wurden aus 961 Stuten keine Fohlen registriert. Das entspricht einem Anteil der bedeckten Stuten von 42%. Oder andersherum: Aus 58% aller gedeckten Stuten geht statistisch ein registriertes Fohlen hervor. Da die Fohlen nicht am Tag ihrer Geburt registriert werden, entspricht diese Quote nicht voll der Abfohlquote. Es ist aber davon auszugehen, dass die aktuelle Abfohlquote die 60% nicht übersteigt. Die Hauptursache dieser wenig rühmlichen Fruchtbarkeitssituation liegt wahrscheinlich im Spermaversand und allen damit verbundenen Unwägbarkeiten.

Erfreulich ist, dass die meisten süddeutschen Zuchtbezirke steigende Fohlenzahlen zu verzeichnen hatten, während der Rückgang in Westfalen zweifelsohne noch eine Nachwirkung aus der Sommerlade-Auflösung bedeutet.
Tabelle 4 (Seite 8) zeigt die Übersicht der Väter, von denen im Jahre 2007 beziehungsweise 2008 mehr als 20 Fohlen einen Trakehner Abstammungsnachweis erhalten haben. Im Jahre 2007 waren es 12 Hengste, die 328 Stuten gedeckt haben im Rahmen dieser Hitliste. Im Jahre 2008 waren es 13 Hengste, die 372 Stuten gedeckt haben. Diese Entwicklung führt zu einer sichtbar gleichmäßigeren Verteilung zwischen den Hengsten. Der einzige Neuzugang in dieser Liste ist der Medinger Krokant, der im Jahr 2008 seinen ersten Fohlen-Jahrgang stellte. Alle anderen Hengste, die 2007 nicht auftauchten, sind sozusagen Wiedereinsteiger 2008: Grafenstolz, Buddenbrook und Freudenfest sind in der Gunst der Züchterschaft wieder gestiegen. Ansonsten ist schon relativ auffällig, dass mit 9 Vererbern die meisten Hengste dieses Jahresvergleiches unverändert geblieben sind.

Die Stuten-Bestandsentwicklung in den Zuchtbezirken (Tabelle 5) ist charakterisiert durch einen konstant gebliebenen Bestand von fast 3600 eingetragenen Zuchtstuten. In den meisten Zuchtbezirken gab es leichte Zuwächse und hin und wieder auch leichte Rückgänge. Der Westfalen-Effekt ist bereits bei den Fohlen durch das Gestüt Sommerlade erklärt worden, wobei an dieser Stellen aber auch erwähnt werden sollte, dass für die kommende Eintragungssaison wieder eine ganze Reihe von Stuten aus dem Gestüt Sommerlade angemeldet sind. Mit 562 Stuten haben die Neuen Bundesländer die höchste Zahl aufzubieten und werden dabei von Schleswig-Holstein/Hamburg mit 543 Stuten nah verfolgt. Die Zahl der im Ausland stationierten Zuchtstuten ist in den vergangenen Jahren langsam aber stetig gestiegen.

Auch die Zahl der neu eingetragenen Stuten (Tabelle 6) ist gegenüber dem Vorjahr glücklicherweise konstant geblieben. 476 Stuten bedeuten eine eingetragene Stute mehr als im Vorjahr. Dabei gab es einen großen prozentualen Rückgang im Zuchtbezirk Bayern und größere prozentuale Rückgänge in Hessen und Schleswig-Holstein. Glücklicherweise gab es aber auch gestiegene Eintragungszahlen in anderen Zuchtbezirken, wobei Baden-Württemberg mit 15,8% am besten abgeschnitten hat.

Die Tabellen 7 (Seite 8) und 8 (Seite 10) sind durchaus in Kombination interpretierbar, da sie sich ergänzen. Tabelle 7 listet alle Orte im Bundesgebiet auf, in denen Stutenleistungsprüfungen im Feld und auf Station veranstaltet wurden. Der Anteil an Wallachen in solchen Prüfungen, die dann auch als Remonteprüfungen tituliert werden, war immer sehr gering und spielt heute eigentlich nur noch in der Nurmi-Prüfung in Valluhn eine Rolle. Nach dieser Tabelle wurden im Jahre 2008 48 Stuten auf Station geprüft und 127 im Feld. Die Gesamtzahl von 175 geprüften Pferden gegenüber dem Jahr 2007 ist damit konstant geblieben. Umgerechnet auf die Zahl aller eingetragenen Zuchtstuten pro Jahr entspricht das rund 38%, was sich ebenfalls seit einigen Jahren als eine Konstante etabliert hat. Dies ist eine erfreuliche Situation. Immer wieder sind die Trakehner Züchter auf besondere Initiativen angewiesen, wenn sie ohne zu viel Aufwand ihre Stute prüfen lassen möchten. Die Privatstation bei Helmar Bescht in Schlieckau hat sich dabei schon fest etabliert. Unter den Feldprüfungen gewinnt Visselhövede bei Dirk Seewald an Bedeutung und auf Eigeninitiative der Zuchtbezirke Westfalen und Hessen sind auch die dortigen Zahlen der geprüften Stuten gestiegen. Das Rheinland plant eine solche Initiative einer zusätzlichen SLP in diesem Jahr.

Wie aus Tabelle 8 ersichtlich, ist die Remontierung des Zuchtstutenbestandes immer zwischen 11 und 13% relativ konstant. Der prozentuale Anteil der zentral eingetragenen Stuten liegt über mehrere Jahre bei 62 bis 65%  und hätte 2008 gerne etwas höher liegen können. Deshalb: Nachmeldungen für die zentralen Stuteneintragungen dieser Saison 2009 sind noch möglich.

Tabelle 9 gibt einen Überblick auf die Auktionsergebnisse mit Trakehner Beteiligung im Jahre 2008. Es ist erfreulich festzustellen, dass sich die Fohlenauktion beim Bundesturnier in Hannover fest etabliert hat und damit eine zusätzliche Vermarktungschance für Fohlen vor dem Hengstmarkt bietet. Anlässlich des Trakehner Hengstmarktes konnte das hervorragende Ergebnis des Jahres 2007 zwar nicht wiederholt werden, aber in Anbetracht der wirtschaftlichen Gesamtsituation muss man mit den Auktionserlösen immer noch zufrieden sein. Bei den Zuchtstuten konnte der Durchschnittspreis sogar leicht verbessert werden.

Die Auktion von Vielseitigkeitspferden in Luhmühlen unter Leitung des Trakehner-Körkommissars Elmar Lesch bietet auch vielen Trakehner Pferden eine interessante Plattform, die hinsichtlich der Auktionspreise allerdings noch besser honoriert werden könnte.

Über die Auktion hinaus verdeutlicht die Tabelle 10 weitere Vermarktungsaktivitäten innerhalb der Zuchtbezirke. Durch die Mitarbeit von Alexa Bendfeldt, die sich als Teilzeitkraft den Themen der Vermarktung widmet, soll das Informationsnetz für die Nachfrage und das Angebot von Trakehner Pferden engmaschiger werden. Dazu gehört eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Ressourleitern der Vermarktung in den Zuchtbezirken und auch besonders mit einzelnen Reit-, Zucht- und Ausbildungsställen, in denen  gehäuft Trakehner Pferde zum Verkauf angeboten werden. Darüber hinaus modernisiert Frau Bendfeldt die Internetpräsentation zum Thema Vermarktung auf der Homepage des Trakehner Verbandes und hat mit der Schaltung von gezielten Anzeigen sowie der Initiative von einzelnen Verkaufsveranstaltungen bereits neue Wege beschritten.

Tabelle 11 dokumentiert das Abschneiden des Trakehner Verbandes in den letzten 15 Jahren auf den Bundeschampionaten. Es gibt natürlich bessere und weniger erfolgreiche Jahre. Bei den qualifizierten Pferden sind immer 8 Reitpferde gesetzt, die als Kontingent vom Verband genannt werden nach der Nominierung vom Bundesturnier.

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