Alexa Bendfeldt und ihr gekörter Hengst El Greco TSF kennt die Trakehner Szene als international erfolgreiches Paar in der Vielseitigkeit. Für den Trakehner Verband betreut die Buschreiterin jetzt mit frischen Ideen und durchdachtem Konzept die Vermarktung. Für Der Trakehner unterhielt Imke Eppers sich mit Alexa Bendfeldt.
Seit wann sind Sie für den Trakehner Verband tätig?
Seit Anfang 2008, zuerst neben dem Studium, dann als Assistentin der Geschäftsführung mit Schwerpunkt Vermarktung. Seit 1. Juli 2009 bin ich fest angestellt und für die Vermarktung zuständig.
Welche Projekte haben Sie in diesen Monaten betreut?
1. Die Organisation eines Fototermins auf Gestüt Hohenschmark im letzten Sommer.
2. Eine große Anzeigenkampagne mit Verkaufspferden im St. Georg.
3. Den Verkaufstag für vielseitig veranlagte Pferde auf Gut Nehmten im Mai diesen Jahres.
4. Die Betreuung der Reitpferde auf dem Trakehner Hengstmarkt (inkl. Werbe-DVD).
Außerdem gehörten die Betreuung von Anfragen, die Vermittlung von Pferden sowie die Pflege der Verkaufspferdedatei im Internet bisher zu meinen Tätigkeiten.
Welche Projekte sind in den kommenden Monaten bei Ihrer Arbeit vordringlich?
Ganz oben als wichtigste Veranstaltung im Jahr steht natürlich der Trakehner Hengstmarkt, dessen Vorbereitung bereits angelaufen ist und der in den nächsten drei Monaten ganz obenan steht. Dazu kommt die Betreuung und Nachbereitung des Pilotprojektes Verkaufspferd auf dem Bundesturnier. Auch die Umgestaltung und Umsetzung der neuen Verkaufspferdedatei im Internet ist in Arbeit und die wird pünktlich zum Hengstmarkt fertig sein.
Stichwort Vermarktung. Erläutern Sie uns kurz Ihr Konzept?
Um die Vermarktung von Trakehner Pferden voran treiben zu können, hat für mich eines höchste Priorität: Die Kommunikation. Hierfür streben wir den Aufbau eines bundesweiten Netzwerkes mit Ansprechpartnern und Beratungs- bzw. Ausbildungsställen in jedem Zuchtbezirk und über die Grenzen von Deutschland hinaus an, damit wir schneller und effektiver auf Anfragen reagieren können. Dementsprechend wird es auf den neuen Verkaufspferdeseiten eine neue Rubrik „Gesuche“ geben, so dass jeder, der einen Trakehner zum Verkauf im Stall stehen hat, sich darüber informieren kann, ob gerade ein passender Interessent sein Pferd sucht.
Außerdem werden wir versuchen, mehr bereits vorhandene Veranstaltungen für Vermarktungszwecke zu nutzen. Die Kennzeichnung von Verkaufspferden auf dem Bundesturnier im Pferdeverzeichnis und auf den Starterlisten ist ein erster Schritt. Es gibt für Interessenten kaum bessere Möglichkeiten sich ein Pferd anzuschauen, als unter Prüfungsbedingungen. Weitere Möglichkeiten bieten Fohlenchampionate, Stuteneintragungen, etc. Das wurde zum Beispiel schon auf dem Gestüt Elmarshausen im Rahmen des Fohlenchampionates umgesetzt, in dem auch ein Lot von 12 Reitpferden gezeigt wurde. Das Gleiche geschah im Rahmen der Hengstpräsentation auf den Gestüten Tasdorf und Hohenschmark. Ich halte es für sehr wichtig, dass die großen Gestüte die kleineren Züchter mit unterstützen. Die Züchter ihrerseits müssen dieses Angebote aber auch annehmen und diese Plattformen deutlich mehr nutzen. Es ist heutzutage einfach so, dass Käufer sich lieber an einem Ort zehn Pferde anschauen, als zehn Pferde an zehn unterschiedlichen Orten. Aus diesem Grund versuchen wir auch andere Veranstaltungen außerhalb des Verbandes zu nutzen und mit ihnen zu kooperieren.
Außerdem strebe ich eine größere Zusammenarbeit mit der Trakehner Sportförderung an, um versteckte Talente zu entdecken und zu fördern, denn nichts bringt bessere Werbung als der erfolgreiche Trakehner im Sport.
Gibt es Schwerpunkte bei den gesuchten Pferden?
Nein, eigentlich nicht. Es wird sowohl das S-erfolgreiche Pferd, das artige Freizeitpferd und alles dazwischen gesucht. Ich denke, dass man das auch nicht verallgemeinern kann, da jeder Käufer sehr genaue Vorstellungen von seinem zukünftigen Pferd hat und mehr oder weniger zu Kompromissen bereit ist. Wichtig ist aber, dass ein Reitpferd wirklich geritten ist.
Wo sehen Sie potenzielle Kunden?
An sich ist natürlich jeder der ein Pferd sucht ein potentieller Kunde. Trakehner sind tolle Juniorenpferde, Leistungssportler, Allrounder in allen Disziplinen und Freizeitpartner.
Wie wollen Sie Interessenten und Verkäufer „vernetzen“?
Durch mehr Präsenz im Internet und in den Printmedien, Aufbau des Netzwerkes und Umgestaltung des Internetauftritts. Wir wollen neue Vermarktungsplattformen finden und dazu ist eine verbesserte Kommunikation das A und O.
Was können die Züchter im Vorfeld leisten?
Die Vorbereitung ist sehr wesentlich und unverzichtbare Voraussetzung auch für meine Arbeit. Wesentlich ist die objektive Einschätzung des Verkaufspferdes: Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen? Ist der Preis gerechtfertigt? Zu diesen Fragen lohnt es sich möglicherweise, auch fachkundige Meinung einholen. Pflicht, besonders in den höheren Preisklassen, ist natürlich der TÜV; lässt man rechtzeitig röntgen, lassen sich böse Überraschungen vermeiden. Vorteilhaft sind ferner gute, professionelle Verkaufsbilder; für höhere Preiskategorien zusätzlich gut gemachte Videos. Schlechte Aufnahmen, sowohl im Video- als auch im Fotobereich wirken abschreckend.
Wie lassen sich Reitpferde heute vermarkten?
Reitpferde müssen geritten sein! Wenn ein z.B. 4-jähriges Pferd als Dressurnachwuchs mit viel Potential mit entsprechenden Preisvorstellungen angeboten wird, müssen die Züchter auch dafür sorgen, dass das Pferd dementsprechend geritten wird und „im Lack“ ist. Eine Vermarktung gestaltet sich als schwierig, wenn dieses Pferd zwar das Potential mitbringt, aber schon seit drei Monaten zu Hause auf der Weide läuft, ohne einen Sattel gesehen zu haben. Ältere Pferde sollten dann auch schon die ersten Turniererfahrungen gesammelt haben, wenn sie als Turnierpferde angeboten werden. Ein 6-jähriges qualitätvolles Pferd ohne aktuelle Platzierungen ist mit höheren Preisvorstellungen des Züchters kaum zu vermarkten. Außerdem können Turniere auch zeigen wo man mit seinem Pferd steht. Zu Hause sind wir schließlich alle Sieger.
Was kann die Vermarktung problematisch machen?
Es muss mit offenen Karten gespielt werden. Die heutige Rechtsgrundlage ist einfach so, dass es niemanden etwas bringt, Dinge zu verheimlichen. Egal ob auf gesundheitlicher, züchterischer oder reiterlicher Ebene. Die Pferdeszene ist kleiner als man denkt und ein Ruf schnell ruiniert.
Wichtig auch: Ohne Eigeninitiative geht gar nichts. Ein Verkaufspferd beim Trakehner Verband zu melden und sich dann gemütlich in den Sessel zurück zu lehnen reicht nicht aus. Ein Verkaufspferd muss für potentielle Käufer präsent sein. Mögliche Maßnahmen wären z.B. sowohl in regionalen als auch in überregionalen Zeitschriften Anzeigen zu schalten, Verkaufsanzeigen im Internet oder die oben erwähnten Verkaufsveranstaltungen zu nutzen.
In der professionellen Vermarktung sind heute Provisionen üblich. Wie handhabt der Trakehner Verband die Provisionsregelung bei Ihrer Tätigkeit?
Es ist so, dass mir beim Trakehner Verband wie bei jeder anderen Vermittlung auch eine Provision zusteht, die einen Teil meines Gehalts ausmacht. Bis zum Kaufpreis von 10.000 ? sind das 5 Prozent, darüber hinaus 10 Prozent.
Sie reiten selbst erfolgreich international Vielseitigkeiten. Was schätzen Sie am Trakehner Pferd?
Was den Trakehner von allen anderen Warmblutzuchtverbänden im wesentlichen unterscheidet, ist in meinen Augen dieser unvergleichliche Charakter. Hat man einen Trakehner als Sportpartner auf seiner Seite, würde er für einen durchs Feuer gehen und wächst über sich selbst hinaus. Diese Härte und dieser Kampfgeist hat das Trakehner Pferd schon auf der Flucht im zweiten Weltkrieg bewiesen und
sie wurden bis heute erhalten. Ich bin mitten in der Hochburg der Holsteiner aufgewachsen und erlebe auf jedem Turnier das gleiche sobald das Thema Trakehner auf den Tisch kommt, egal ob im positiven oder negativen Sinne: Anwesende Altmeister des Pferdesports aller Disziplinen bekommen plötzlich einen träumerischen Blick und beginnen eine Geschichte zu erzählen: „Ich hatte auch mal einen Trakehner...“ Auch wenn diese Altmeister in ihrem Leben über 100 Pferde geritten haben, den Trakehner darunter haben sie nie vergessen.



