Eine Trakehner Zuchtstute wird heute in fast allen grossen deutschen Reitpferdezuchtverbänden hocherfreut in das Stutbuch aufgenommen – durchaus zum Leidwesen unserer Zucht. Umgekehrt ist das schwierig und deshalb sehr selten. Eine hochkarätige Ausnahme gelang Klaus Rotthäuser aus dem niedersächsischen Harsefeld.
Die Reinzuchtbestimmungen des Trakehner Verbandes erfordern lückenlos Trakehner- oder Spezialblut bis in die sechste Generation. Klaus Rotthäuser bereichert seit kurzem das Trakehner Stutbuch mit zwei ganz besonderen Stuten aus der legendären Leistungszucht des vor einigen Jahren verstorbenen Erfolgszüchters Friedrich Butt. Spätestens seit den Leistungen der deutschen Vielseitigkeitsreiter in Hongkong 2008 ist nicht nur Insidern ein Namenszusatz als Markenzeichen für Spitzenqualität fest im Gedächtnis: Butts Abraxxas und Butts Leon sind nur zwei Spitzen aus einer ganzen Phalanx fantastischer Buschpferde mit fast 100 Prozent Vollbutanteil – und Hannoveraner Brand.
Die dunkelbraune LILIAN dürfte in Fachkreisen Weltruf besitzen: Sie ist die Mutter von Andreas Dibowskis Olympioniken Butts Leon! Die 16-jährige Stute ist eine Tochter des Star Regent xx und der Hannoveraner Stute Liberte v. Papi’s Boy xx. Das Pedigree der Mutterseite wird dominant durch Vollblut bestimmt. „Die Stute führt 99,99 Prozent Vollblut“, erläutert Klaus Rotthäuser, „Um einen warmblütig gezogenen Hannoveraner Vorfahren zu finden, müssten Sie viel weiter schauen als bis in die 6. Generation.“ Lilians 5-jährige Tochter von Sunlight xx führt dann auch das Markenzeichen für Buschtalente im Namen: St.Pr.u.Pr.St. BUTTS LEONIE R lautet ihr voller Titel. Den „Vornamen“ Butt werden die Nachkommen beider Stuten auch im Zuchtstall Rotthäuser führen – eine kleine Verbeugung vor dem Idealisten Friedrich Butt, der unverrückbar an seine Pferde glaubte, die größten Erfolge im vergangenen Jahr jedoch nicht mehr miterleben durfte. Das „R“ am Ende des Pferdenamens steht für die Zuchtstätte Rotthäuser, ebenfalls schon als kleines Markenzeichen. Bekanntester Vertreter ist sicher HERBSTPLANET R v. Guter Planet, der unter Züchtersohn Elmar Rotthäuser bis zur Vielseitigkeits-Europameisterschaft der Jungen Reiter erfolgreich ging, dann zu Malte Dohm kam und bis zum letzten Jahr bei Heike Jahncke noch internationale Prüfungen bestritt.
Auf den Trakehner kam Klaus Rotthäuser durch seine reitende Tochter, der er eher zufällig die zweijährige HERBSTAUE v. Sonnenglanz a.d. Herbstnacht v. Donauwind bei Familie Böhn kaufte, die dann nach einigen Jahren im Juniorensport Klaus Rotthäusers erste Zuchtstute wurde. Ihre Nachkommen konnte der Züchter erfolgreich international vermarkten; aktuell ist die Stutenfamilie mit der 3-jährigen HERBSTCASANDRA R v. Caruso Nero a.d. Herbstcourage R v. Sokrates vertreten, die tragend von Hirtentanz ist. „Mein Ziel ist es, sportlich zu züchten“, setzt Klaus Rotthäuser seine Prioritäten. „Die Vielseitigkeit sichert den Pferden meiner Meinung die bessere Ausbildung - nicht nur für den größeren Sport, auch Amateure und reine Freizeitreiter sind mit einem vielseitig ausgebildeten und begabten Pferd doch besser bedient.“
Bei den Butt-Stuten und den Nachkommen der Herbst-Pferde liegt dem Züchter die Vielseitigkeit besonders am Herzen, doch auch das Zuchtziel Viereck ist in Harsefeld vertreten: Die Scharahnanduc-Tochter Pr.u.St.P.St. TULPE a.d. Tivoli II v. Königspark xx ist tragend von Imperio, E.St. TOLOSA v. Arrak-Karwendelstein brachte bereits mehrere prämierte Hohenstein-Töchter sowie den gekörten TITELHELD v. Hohenstein. Eine junge Stute wird auf die Reitpferdeauktion in Neumünster 2009 vorbereitet; auch für die Auktionen auf dem Klosterhof Medingen konnte Klaus Rotthäuser bereits eine Hohenstein-Tochter a.d. Tolosa stellen.
Zurück zu Lilian und Butts Leonie R. Lilian ist tragend von Hirtentanz. „Das phänomenale Springen des Hengstes war für diese Entscheidung ebenso ausschlaggebend wie sein Interieur und seine Intelligenz“, formuliert Rotthäuser seine großen Erwartungen an die Fohlen des Hirtentanz. Lilian war als junge Stute in Beritt bei der ersten Garde der deutschen Vielseitigkeitsreiter und bestach durch ihre Galoppade, erwies sich allerdings als recht „heiß“. Ihre Tochter Leonie gewann ihre Stutenleistungsprüfung, bewies dabei sowohl Doppelbegabung als auch Rittigkeit und vermochte sich souverän bei den Hannoveranern die Staatsprämie zu sichern. Sie führt ein Stutfohlen von Caruso Nero, dessen Eltern beide im S-Springsport erfolgreich waren, und der selbst gut 70 % angloarabisches Blut führt. Die Fohlen dieser Stuten sind heiß begehrt – und Klaus Rotthäuser meint es ernst, wenn er sagt „Das Stutfohlen geht entweder einmal in fördernde Vielseitigkeitshände oder sie bleibt bei mir.“ Butts Leonie selbst werden wir vielleicht im nächsten Jahr auf sportlichem Parkett wiedersehen: Sie geht im November zu Andreas Dibowski in Beritt und nimmt die Bundeschampionate 2010 ins Visier.
Spannend könnte es 2010 auch für einen Sohn des Buddenbrock und der Lilian werden: Hannoversch gebrannt und als Fohlen prämiert, fand er bei der Auswahl zur Fohlenauktion nicht das Interesse der Verdener. Der Junghengst wird ebenfalls umgetragen … und hat Chancen, im nächsten Jahr der erste Köranwärter mit Hannoveraner Brand beim Trakehner Hengstmarkt zu werden.



