Ein ungewöhnlicher Rahmen mit zahlreichen Zuschauern, die dem unfreundlichen Wetter trotzten, würdige bis überragende Klassensiegerinnen und bei der Proklamation der Siegerstute eine überraschung mit Einmaligkeitswert: Die Trakehner Landesstutenschau am Samstagnachmittag des Bundesturniers war ein Erfolg, das bestätigten Organisatoren, Richter und Teilnehmer.
"Es war eine hervorragende Idee, diese Landesschau mit in das Trakehner Bundesturnier zu integrieren. Denn es zeigt, dass Zucht und Sport Hand in Hand gehen müssen!“ lobte der bayerische Landstallmeister Dr. Eberhard Senckenberg, der zum Richtergremium gehörte und an diesem Nachmittag unermüdlich die Platzierten kommentierte. Im Vorfeld war das züchterische Event des Jahrzehnts des Zuchtbezirks Niedersachsen-Hannover nicht ganz einstimmig dem Bundesturnier angegliedert, doch der Turnierplatz bot einen passenden Rahmen für die schön herausgebrachten Stuten. Die bewährte Praxis parallel mit zwei Richterteams zu arbeiten, bewährte sich auch in Hannover einmal mehr, denn die Zeit drängte: Um 13.00 Uhr begann die Stutenschau, der am selben Abend die Trakehner Fohlenauktion folgen sollte. So ging die erste Klasse noch auf den Schrittring und zur Rangierung, während die Stuten der zweiten Klasse schon einzeln auf dem Dreieck gemustert wurden. Ein Wermutstropfen: Die hochinteressanten Vorstellungen aller Stuten durch Erhard Schulte ließen sich nicht parallel mit der Kommentierung durch die Richter nach dem Schrittring verfolgen – und hätten sich inhaltlich doch hervorragend ergänzt. So verhallte viel Wissenswertes zwischen mehrfach versagendem Mikro und dem Tribut an die begrenzte verfügbare Zeit.
Dem eigentlichen Höhepunkt des Nachmittags aber verpasste Petrus einen Dämpfer. Die Familienklasse wie auch der Endring der 1a- und 1b-Preisträgerinnen gingen im strömenden Regen nahezu unter und ließen festliches Feiern dieser außergewöhnlich qualitätvollen Stutensammlung nicht zu. Schade, denn verdient hatten es vor allem die Aussteller, die Zeit und Mühe investiert hatten, ihre Stuten in guter bis recht üppiger Schaukondition und teils hervorragendem Pflegezustand in die Landeshauptstadt zu bringen und der Konkurrenz zu stellen. Ein Dankeschön an die Vorführer des Tages sei an dieser Stelle ebenfalls erlaubt. Naturgemäß waren die Stuten mitten in der Weidesaison unterschiedlich eingemustert, aber hier waren einige Meister ihres Fachs im Zwiegespräch im starken Trab unterwegs. Keine ruhige Minute hatte einmal mehr Peter Kunath. Auf einzelnen Züchterwunsch angereist, um eine Stute zu führen, trug ihm sein „leichtfertig“ geäußertes Hilfsangebot auch an diesem Nachmittag zahllose große Trabrunden ein.
Die großen Trakehner Hengststationen des ganzen Bundesgebiets hatten sich für die 1a-Preisträgerinnen spendabel gezeigt: Jede von ihnen verdiente sich einen Freisprung und auch die weiteren Preisträgerinnen bescherten ihren Besitzern wertvolle Ehrenpreise. Frank Martens-Bruns und seinem Team gilt ein besonderes Dankeschön – sie können gewiss sein: Ihre Mühe hat sich gelohnt!
Die Klassen
Die Qualität der vorgestellten Dreijährigen vermochte Begeisterung zu wecken. Neun Stuten präsentierten sich, vier von ihnen bereits leistungsgeprüft. Mit zwei Töchtern des Lauries Crusador xx waren zwei junge Halbblutstuten vertreten; alle anderen Stuten dieser Klasse stammten von verschiedenen Vätern.
Szenenapplaus hätten sie verdient, diese bewegungsstarken, modernen, dabei hoch eleganten Jungstuten. Das Publikum rührte sich hier leider so wenig wie am gesamten Wochenende. Der Kommentierung von Dr. Eberhard Senckenberg tat das keinen Abbruch. Die Richter sahen an diesem Tag HONEYBEY v. Distelzar vorn, eine Vollschwester der gekörten Hengste Hamilton und Herzog von Nassau. An Harmonie kaum zu übertreffen, stets bergauf, mit durchschwingenden Bewegungen, dem gewünschten Antritt und viel weiblichem Ausdruck bei hervorragendem Exterieur bescheinigten sie der schwarzen Schönheit aus der erfolgsverwöhnten Zucht von Pieter Smeets, Kleve. Nach Katalogdruck hatte die Stute, die von Helmar Bescht in feiner Kommunikation beispielhaft vorgestellt wurde, auch ihre Stutenleistungsprüfung mit Höchstnoten abgelegt, so dass sie jetzt Trägerin der Verbandsprämie ist.
Der 1b-Preis ging an die Webelsgrunder Pricolino-Tochter HEUBLÜTE, deren Bewegungsablauf und stets aktives Hinterbein besonders gelobt wurde. Der Klosterhof Medingen hatte die Halbblutstute DONAUBLÜTE v. Lauries Crusador xx entsandt und wurde für das blutgeprägte Modell mit elastischem Bewegungsablauf, großzügiger Schulter und Oberlinie mit dem 1c-Preis bedacht.
Bei den Vierjährigen traten die ersten Mütter aufs Parkett. Fünf von 14 genannten Stuten führten ihr erstes Fohlen bei Fuß, neun haben bereits die Stutenleistungsprüfung abgelegt. Von Friedrich Jahncke kommentiert, siegte vom Gestüt Hämelschenburg die Pr.u.St.Pr.St. VITTORIA v. Exclusiv. Besonders sportlich gezogen, gefiel sie durch mütterlichen Typ, großzügige Körperpartien und exzellente Bewegungen. Ihr folgte mit dem 1b-Preis die Pr.St. SHANNON DREAM v. Couracius aus Hörstein, jetzt bei Frank Martens-Bruns zu Hause. Auf Habicht ingezogen, blieb der Trab der leistungsgeprüften Dunkelbraunen an diesem Tage vielleicht unterreicht; Körper und Fundament erhielten höchstes Lob, allein die durch die Anspannung nicht optimal gelungene Schrittrunde verhinderte den Klassensieg. POMMERNLIED v. Donaufischer wurde mit dem 1c-Preis als eine der ringstärksten Stuten des Tages herausgestellt. Julia und Hartmut Traupe konnten die Tochter der einst von ihnen gezogenen Perkallen, einer der am höchsten bewerteten Mütter der aktuellen Zucht, aus dem Gestüt Sommerlade übernehmen.
Von neun genannten Stuten bei den Fünf- und Sechsjährigen waren sieben leistungsgeprüft und sechs bereits erfolgreich in der Zucht. Die blutgeprägte Pr.St. CALISTRA v. Key West, eine bezaubernde Schönheit in Schimmelfarbe, schickte sich mit dem Klassensieg an, in die Fußstapfen ihrer berühmten Mutter, St.Pr.u.Pr.St. Coppelia zu treten, die als eine der besten Halbblutstuten bundesweit und rasseübergreifend im Rampenlicht gestanden hatte. Gezogen von Coppelias Besitzerin Andrea Sellhorn, ist Calistra, die ein Hengstfohlen von Imperio führt, im Besitz von Imke Pilgrim, Scharnebeck. St.Pr.u.Pr.St. KARENA v. Freudenfest, auf dem Turnierplatz in Hannover als Reitpferde-Championesse 2007 in bester Erinnerung, vertrat das Gestüt Hämelschenburg mit dem 1b-Preis. Die Richter stellten das überragende Bewegungspotenzial der mächtigen Stute heraus, die den besten Trab ihrer Klasse zeigte, äußerten jedoch den Wunsch nach etwas mehr Jugendlichkeit bei einer sechsjährigen Stute. 1c hieß es für die St.Pr.u.Pr.St. KRISTY v. Charly Chaplin, gezogen und im Besitz der Zuchtgemeinschaft Gerke. Die Dunkelbraune wusste durch ausgeprägten Rasse- und Geschlechtstyp sowie Gelassenheit und raumgreifende Bewegungen zu gefallen. In dieser Klasse war mit der Pamour ox-Tochter TAUKENISCHKEN II von Hans Georg Burchard das arabische Blut in erster Elterngeneration vertreten. Die ungemein typvolle Schimmelstute mit Hengstfohlen von Brioni bei Fuß lieferte einmal mehr den Beweis, dass auch die direkten Araber-Nachkommen ausreichend Größe für die Reitpferdezucht mitbringen können.
Die mit insgesamt 14 Stuten stark besetzte, besonders qualitätvolle Klasse der 7- bis 9-jährigen Stuten wurde nach Alter geteilt, so dass im Ring der 7-Jährigen die St.Pr.u.Pr.St. CORNÉ v. Buddenbrock aus der Zucht von Julia Voigtländer als Beste herausgestellt wurde. Ein Hengstfohlen von Songline bei Fuß, wurde die komplett ausgereifte Mutterstute von Frank Martens-Bruns ausgestellt und vermochte mit großen Partien sowie Takt und Ergiebigkeit der Bewegungen zu punkten. Familie Hanke stellte die 1b-Preisträgerin ELINDA v. Caprimond, deren Typ und Rahmen ebenso positiven Anklang fanden wie die stets taktsichere Mechanik der großartigen Bewegungen. St.Pr.u. Pr.St. OKIARA v. Hohenstein aus der Zucht von Friedrich Hanning erhielt den 1c-Preis. Die komfortable, rahmige Stute ist zurzeit erfolgreich im Sport.
Die Gruppe der 8- und 9-Jährigen dominierte an diesem Tag die von Bernhard Langels gezogene GRETA GARBO v. Alter Fritz. Eine bedeutendes Mutterstutenmodell, führte sie ihr 6. Fohlen, ein Hengstfohlen v. Summertime, bei Fuß. „Ein Zuchtmodell besonderer Qualität“ lobten die Richter Rahmen, Rasse- und Geschlechtstyp und verwiesen auf die besonders qualitätvolle Nachzucht, mit der die Stute ihre Besitzer, das Gestüt Hämelschenburg, Jahr für Jahr erfreut. Mit der typvollen Pr.St. AMADELIA aus der Zucht von Peter Oellrich erhielt die Mutter des Vizechampions der 3-jährigen Hengste, Amadelio, den 1b-Preis dieser Klasse. Die Tochter des Lauries Crusador xx war die einzige Halbblutstute der Klasse, das jüngste Beispiel ihrer hervorragenden Vererbungsleistung hatte sie bei Fuß: Das ungemein charmante Stutfohlen von Oliver Twist, das schon an diesem Nachmittag alles daran setzte, den Großen die Schau zu stehlen und abends im Auktionsring neue Besitzer fand. Mit dem 1c-Preis folgte eine weitere Stute, die aus dem Sommerlader Bestand in Niedersachsen eine neue Heimat gefunden hat: Pr.St. KLEEBLÜTE v. Münchhausen TSF aus der Zucht von Bernd Berge wurde von Claudia Schaaf ausgestellt.
Acht 10-14-jährige Stuten erfreuten die Richter mit einer starken Spitze und zwei Vollbluttöchtern. Der Präsenz und Ausstrahlung der Hämelschenburger Red Patrick xx-Tochter St.Pr.u.Pr.St. GUENDALINA, die ihr siebtes Fohlen, ein Hengstfohlen v. Symont bei Fuß führte, zollten die Richter mit dem 1a-Preis Tribut und lobten die Stute als wunderbare Halbblutvertreterin für züchterische Arbeit mit überzeugenden Points im Exterieur. 1b hieß es für St.Pr., Pr.u.E.St. CARA AMADA v. Consul, die in der zweiten Generation Swazi xx und die Großmutter Cresta Star xx führt und damit auch als Halbblutstute gilt. Großliniges Exterieur, gute Bewegungen und überzeugender Rasse- und Geschlechtstyp ergänzten die Vererbungsleistung: das mitgeführte Stutfohlen von Songline ist das 6. Fohlen dieser besonderen Stute, deren Kinder sich sportlich auf jedem Parkett hervortun. Die großrahmige Pr.St. COEUR-AS II v. Goldino, Stammstute bei Wilhelm Wehrmann, ein Stutfohlen von Amatcho bei Fuß, erhielt den 1c-Preis.
Die Ehrenklasse schreibt auf jeder Landesschau lebendige Zuchtgeschichte. So auch in Niedersachsen-Hannover, wo neun Stuten im Alter von 15 Jahren und älter antraten. Legenden traten hier noch einmal vor das Publikum, von ihren Besitzern vorbildlich gepflegt und herausgebracht. Ohne Rangierung wurden auf den Endring geladen die Arogno-Tochter, Pr.u.E.St. KASTANIE XII aus der Zucht von Alexandra Gräfin Dohna und im Besitz von Barbara Jörn, sowie E.St. THIRZA v. Karon, gezogen und im Besitz von Jutta Langels. Kastanie ist u.a. Mutter des gekörten Karl Lagerfeld, der Linienbegründerin und Jahressiegerstute Karissima und damit Großmutter des Prämienhengstes Kasimir sowie des S-Dressurpferdes Konradi. Elf Fohlen in 15 Zuchtjahren zählen zu den Meriten einer der bedeutendsten Vererberinnen der Gegenwart, die von ihrer Züchterin höchstpersönlich auf dem Schrittring geführt wurde. Thirza, mit 21 Jahren zweitälteste Stute der Schau, brachte in 18 Zuchtjahren 17 Fohlen und präsentierte vital ihr jüngstes Stutfohlen von Shavalou.
Die Mutter des Reservesiegers Trocadero, sowie zahlreicher prämierter Töchter und Sportpferde bis Kl.S hätte Standing Ovations anstelle von Starkregen verdient. Unerschütterlich im Takt, beispielhaft trocken und textiert und stets hellwach legte sie einmal mehr Zeugnis ab für die Langlebigkeit und Vitalität des Trakehner Pferdes.
Ein Höhepunkt des Tages sind auch die Familiensammlungen, mit fünf Nennungen an diesem Tag gut bestückt, obwohl einige große Gestüte zum Erstaunen mancher Besucher fehlten. Vier Stuten mit jeweils zwei Töchtern wurden ausgestellt, dazu präsentierte das Gestüt Webelsgrund die St.Pr.u.Pr.St. AMELIE IV v. Tenor mit Tochter St.Pr.u.Pr.St. ANEMONE XI v. Sabary und deren Tochter ANATEVKA v. Checkpoint. Ulrich Henke aus Lüchow präsentierte seine KARIN VII v. Ginster mit den Töchtern KORNBLUME v. Caprimond und KATHALINA v. Strohmann xx. Das Gestüt Webelsgrund stellte die Tenor-Tochter HEUBLUME II mit ihren Töchtern HEUBLÜTE v. Pricolino und St.Pr.u.Pr.St. HEUBLÜMCHEN v. Michelangelo aus und darf besonders stolz sein, mit der 23 Jahre alten Heublume II die älteste Stute der Veranstaltung in hervorragendem Zustand gezeigt zu haben. Die Vertreterinnen eines der bewährtesten und vererbungssichersten Stutenstämme bewiesen die Kontinuität auf hohem Niveau, mit der bei Familie Erdsiek im Gestüt Webelsgrund wertvolle Stutenstämme gepflegt werden, die bereits Gestütsgründer Fritz Bähre nach Springe holte.
Sportlichkeit wird großgeschrieben bei Renate Hagen, die ihre Consul-Tochter St.Pr., Pr.u.E.St. CARA AMADA mit den Töchtern CARTA FANTASTICA v. Amatcho und St.Pr.u.Pr.St. CARA FELIZ v. Heraldik xx mitgebracht hatte. Cara Feliz ist für das Bundeschampoinat der 5-jährigen Geländepferde qualifiziert und war auch auf dem Bundesturnier hoch platziert im Einsatz. Eine Top-Athletin mit dreiviertel Vollblutanteil, die in Rennkondition herausstach und von ihrer Besitzerin Kerstin Grosse zunächst in den Sport gebracht wird.
Die Familie der E.St. THIRZA machte an diesem Nachmittag mit ihren Töchtern klar das Rennen für das Gestüt Hämelschenburg, das tatsächlich erstmals eine Stutenfamilie ausstellte. Jutta Langels ist Züchterin der Thirza und ihrer ausgestellten Töchter Pr.u.Pr.St. THALIA VII v. Exclusiv, im Besitz von Inga Bergunde und Pr.u.St.Pr.St. TAVOLARA v. Exclusiv, im Besitz des Gestüts Hämelschenburg. Einer außergewöhnlichen Stute mit vorbildlicher Zuchtleistung wurde hier Respekt gezollt. IE
SUMMARY
An exceptional setting with many spectators braving the weather, worthy or even towering class winners and an absolutely unique surprise, when the winner of the show was announced: Organisers, judges, and participants all agreed on the success of the regional Trakehner in-hand mare show held in the course of the Trakehner National Show under Saddle on Saturday afternoon.
The quality of the 3-yr-olds was really inspiring. 9 fillies were shown, 4 of them already performance tested. Fife families were shown in the family class, clearly won by Hämelschenburg stud’s elite mare Thirza and her daughters. On the final ring, Hämelschenburg’s Guendalina by TB stallion Red Patrick was awarded Best Half TB Mare by the judges.Gestüt Webelsgrund rejoiced in Pricolino daughter Heublüte becoming 2nd reserve supreme champion. She received special mention for her conformation and riding horse quality. Honeybey by Distelzar, also 3-yr-old, became 1st reserve supreme champion, demonstrating magnificent form of the day. An event without precedent: The judges awarded the red and white Supreme Champion sash to the daughter of the 2002 Supreme Champion! Calistra by Key West out of st.pr. and pr.mare Coppelia by E.H.Marduc crowned her class win by scooping the title of 2009 Supreme Champion Mare of the breeding district Lower Saxony Hanover. "Genuinely an extraordinary horse", the judges commented. "She has got it all: blood, body harmony, and great charisma. Her breed and gender type are almost impossible to beat."



