Der Trakehner Zuchtbezirk Bayern hatte zur VII. Landesschau
gerufen. Acht Jahre waren seit der letzten Landesschau in Kreuth vergangen, und es war Zeit für eine neue Standortbestimmung.
Eingebettet war die Schau in ein Zucht-Wochenende mit Zentraler Eintragung und Stutenleistungsprüfung. Ein verlockendes Angebot gerade im Freistaat, wo die weiten Anfahrtswege ein Hinderungsgrund bei der Akzeptanz zentraler Zuchtveranstaltungen sind. Das Nennergebnis bewies, dass das Team des Zuchtbezirks mit diesem Angebot bei seinen Züchtern ins Schwarze getroffen hat. Ganz unproblematisch zeigte sich das geballte Event allerdings nicht. Dass der Stress einer weiten Anreise und die Aufstallung in der Fremde zusammen mit einer respektablen Konditionsleistung bei der Leistungsprüfung junge Stuten durchaus überfordern kann, sah man bei der Dreiecksmusterung am Nachmittag, wo doch bei einigen Vierbeinern „die Luft raus“ war.
Das hohe Nennergebnis mit vergleichsweise wenig Ausfällen forderte Höchstleistungen vom Helferteam des Zuchtbezirks, das vor und hinter den Kulissen für eine rundum gelungene Schau sorgte. Die Reitanlage Ried in Mainburg mitten in der wunderschönen Holledau war exzellent gewählt – ein herzliches Dankeschön an Familie Kreitmeier, die dieses grandiose Zucht-Wochenende möglich gemacht hat! Selbst Petrus schickte trotz gegenteiliger Prognosen strahlendes Spätsommerwetter in die Holledau. Kein Wunder, dass man am Schluss auf allen Seiten zwar erschöpfte, aber zufriedene Gesichter sah …
Das Mammutprogramm begann mit einer Stutenleistungsprüfung, für die 28 Stuten genannt waren, davon nur eine Stute ohne Elchschaufelbrand. So eine rege Beteiligung hat es bislang in Bayern noch nicht gegeben. 22 Stuten – darunter eine Dreijährige – stellten sich der Bewertung durch die Richter Jörg Freiherr von Imhoff und Peter Wagner, die sich bei der Notenvergabe recht großzügig gaben. Bereits parallel zur Reitpferdeprüfung der SLP traten 36 Stuten aller Altersklassen zum Freilaufen und freiwilligen Freispringen für die Zentrale Eintragung an. Die Landesschau lockte – so viele Stuten an zentraler Stelle bekommt man im Flächenstaat Bayern sonst nicht zu Gesicht. Ein zünftiger bayerischer Züchterabend beendete den ersten Teil des Zucht-Wochenendes. Eine ganze Reihe von Züchtern, Zuschauern und Trakehner Freunden nutzte das Angebot und fand sich zu Klatsch und Fachgesprächen rund ums Trakehner Pferd im Festzelt auf der Anlage ein.
Dass der Zuchtbezirk Bayern durchaus Mut zu Neuem hat und Blut und Sportlichkeit zu schätzen weiß, ist nicht unbekannt. Zwei Sonderklassen trugen dem Rechnung: In einer Halbblutklasse konnten sich Töchter von Vollbluthengsten oder Vollblutstuten englischer oder arabischer Provenienz untereinander messen. Der Pionierarbeit des Zuchtbezirks Bayern mit der Einführung eines freiwilligen Freispringens bei der Stuteneintragung folgte die Ausschreibung einer Klasse für springbetonte Stuten. Um das Angebot dieser Sonderklassen attraktiv für die Aussteller zu gestalten, waren Starterinnen in diesen beiden Klassen berechtigt, noch an einer weiteren Klasse teilzunehmen.
Wie gut dieses Angebot angenommen wurde, zeigte sich schon am Sonntagmorgen, als die springbetonte Klasse zur Dreiecksmusterung antrat: 14 Stuten hatten sich einschließlich aller Nachnennungen eingefunden. Die Bewertung der Klasse teilte sich hälftig zwischen Springen (mit der Bewertung von Vermögen, Manier und Galopp) und gewohnter Dreiecksmusterung. Eine dichte Spitze lag am Schluss nur Nuancen auseinander. LACORNA v. Cornus, selbst im Busch bis Zwei-Sterne-Niveau unterwegs, hatte schließlich hauchdünn die Nase vor ihrer Stallgefährtin WETTERHEXE v. Intervall xx, auch sie im Sport erfolgreich vorgestellt und jetzt wieder in die Zucht zurückgekehrt. Hingucker der Klasse war die mit ihren 21 Jahren in beeindruckender Jugendlichkeit auftretende, trockene KAPERIED v. Pascal, die mit dem Ic-Preis auf die Ehrenrunde ging.
Die Zukunft präsentierte sich mit neun Stuten in der Klasse der Zweijährigen auf dem Laufsteg – und Bayern braucht sich keine Sorgen um den Nachwuchs zu machen. Hier standen moderne Stuten im Ring, Pferde mit Typ und Reitpferdepoints, die auch in der Bewegung zu überzeugen wussten. Den Sieg trug hier die gut gemachte Fuchsstute PRETTY WOMAN v.
In Flagranti davon. Als Auktionsfohlen in Neumünster noch unentdeckt, wusste sie hier mit Gelassenheit und perfekten Konstruktionsmerkmalen in Schulter, Kruppe und Oberlinie (Zitat aus der Kommentierung: „für die Beurteilungslehre gemacht“) zu punkten. Den Richtern war es wichtig, mit dieser Stute eine Botschaft in Richtung Typerhaltung zu setzen, und Typ besteht nicht nur aus Kopf! Reservesiegerin wurde die mit überragendem Schritt aufwartende, großrahmige OKARINA v. Cadeau, deren bedeutende Interieurwerte sie überaus wertvoll machen.
Souverän siegte SCHNEEFLÖCKCHEN v. Pricolino in der Klasse der Dreijährigen. Die Fuchsstute mit dem etwas herben Charme und dem überragenden Schritt aus österreichischem Besitz war ja am Tag zuvor schon Siegerstute der Eintragung geworden. Die ebenfalls aus Österreich angereiste GWYNETH v. Summertime holte sich hier den Reservesieg mit ausgewogenem, harmonischem Bewegungsablauf. Sie startete sozusagen durch von Null auf Hundert und gab Vortages-Reservesiegerin SHELBY das Nachsehen, die hier mit dem Ic-Preis ausgezeichnet wurde.
Eine Klasse von acht vorzüglichen Halbblutstuten, die auch in jeder anderen Klasse problemlos vorne mitgespielt hätten, sorgte für das nächste Highlight. Zwei Töchter von englischen Vollblutstuten und eine Tochter eines Vollblutarabers standen hier für den ungewöhnlicheren Weg bei der Vollblutzufuhr. Unangefochtene Siegerin wurde die 10-jährige Pr.St. VALERIA IV v. EH Beg. xx, die mit allen Attributen eines Edelpferdes ausgestattet war. Sie bringt die nötigen Genanteile in unsere Zucht und bietet dabei Kraft im Hinterbein und unübersehbare Reitpferdepoints. Reservesiegerin KADMEA, eine Tochter des Arabers Normativ ox mit bestandener Leistungsprüfung, überzeugte mit Gangvermögen, viel Typ und Mütterlichkeit.
Mit viel Spannung erwartete man die Klasse der 4-jährigen Stuten, deren Spitzen bereits im Vorjahr bei der Eintragung zu überzeugen wusste. Alle drei Preisträgerinnen hatten am Tag zuvor mit vorzüglichen Noten ihre Stutenleistungsprüfung absolviert und dürfen nunmehr den Titel einer Verbandsprämienstute führen. Ganz vorn ging PASSION V v. In Flagranti: Langbeinig und korrekt fundamentiert, klar und modern im Auftritt, mit überzeugenden Grundgangarten und Bergaufbewegungen, konnte keine andere Stute der einzigen Mutter des Feldes das Wasser reichen. Den Reservesiegerpreis nahm die letztjährige Siegerstute mit ins Züchterhaus Meinen nach Tann. Die Münchhausen-Tochter, in Kreuth noch unter dem Namen Silvester-Traum siegreich, punktete mit viel Tiefe
und Körper. Inzwischen hat sie nicht nur den Namen ihrer berühmten Mutter SCHÖNER MORGEN übernommen, sondern auch ihr schweres Erbe angetreten. Der Ic-Preis dieser Klasse ging an HANDINESS v. Hohenstein, eine Tochter der dreifach prämierten, selbst im Dressursport bis Klasse S erfolgreichen seinerzeitigen Auktionsstute Haute volée II, die am Tag zuvor die beste SLP aller vierjährigen Stuten ablegte.
Ein kleiner Reigen von Schaubildern illustrierte nach der Mittagspause die vielseitige Verwendbarkeit des Sportpartners Trakehner: Michaela Reinisch aus Eggenfelden, mit Trakehnern im Fahrsport erfolgreich, stellte einen Trakehner Viererzug vor – mit dabei die im Dressur- und im Fahrsport bis Klasse M erfolgreiche Elitestute Kapra, ihr mittlerweile im Springen bis M, in der Dressur bis L und im Gelände wie im Fahren in Klasse A erfolgreicher Sohn Kaprizio und die erst vierjährige, frisch zum Vierspänner gestoßene Tochter Kiara. In einem rasanten Busch-Schaubild fegten drei Trakehner über Bierbänke, Spruchbänder und Stelltafeln, die sonst nicht zum normalen Trainingsrepertoire gehören. Ein wunderschönes Bild schließlich die Dressurquadrille auf M-Niveau mit acht Trakehnern aus Österreich – perfekt choreografiert von Hofreitschul-Oberbereiter Hans Riegler und in vollendeter Präzision vorgetragen.
Bei den 5-jährigen Stuten erwarteten Richter und Zuschauer erneut echte Schmankerl: Ic ging an SUMEIKA v. Hibiskus, eine kapitale, großrahmige Stute mit überragendem Schritt, die sich am Tag zuvor als Siegerin der Leistungsprüfung bereits als modernes Sportpferd wärmstens empfohlen hatte. Auch Ib-Preisträgerin POLARDIVA v. K2 hatte wenige Wochen vor der Landesschau eine vorzügliche Leistungsprüfung absolviert und zeigte sich in Mainburg als typvolle Stute mit lockeren, elastischen Bewegungen aus kraftvollem, dynamischem Abfußen. Souveräne Klassensiegerin wurde die Eintragungssiegerin und Jahressiegerstute von 2007, GIPSY FLOWER II v. E.H. Gribaldi, Schwester des Siegerhengstes Grand Passion und sozusagen „Nichte“ des Multichampions Grafenstolz, an deren glanzvollen Auftritt keine andere Stute heranreichte.
In der Klasse der 6- und 7-jährigen Stuten trafen die beiden Siegerstuten des Gestüts Schralling, ROMINTEN VIII und SECHSERBEN, sowie die Siegerstute der Neuen Bundesländer 2006, UMBRA VIII, aufeinander. Ein klarer Sieg für die in ihrer Typprägung, der Bedeutung ihrer Körperpartien und den Bewegungen überzeugende Fuchsstute Rominten VIII v. Gelria vor ihrer mittelrahmigen, vorzüglich fundamentierten Stallkollegin Sechserben v. EH Connery (Ib) und der verbandsprämierten ehemaligen Auktionsstute Umbra VIII, die mit größtem Format und großzügigen Partien punktete.
Die Klasse der 8- bis 13-jährigen Stuten brachte ein Novum: Die Siegerstute der Halbblutklasse, VALERIA IV v. EH Beg xx bewies, dass sie als F1-Produkt zur Spitze der Trakehner Stutenpopulation gehört. „Ein Halbblut, wie man es sich für die Trakehner vorstellt: vornehm im Auftreten und Benehmen, mit wunderbaren Partien und lockeren Bewegungen“, so die Richter zu dieser Ausnahmestute, die sich in Mainburg mit toller Selbstverständlichkeit den zweiten Klassensieg sicherte. Ib ging hier an die sehr weibliche und sich als edles Mutterstutenmodell darstellende UNA FORTUNA REALE v. Kokoschka.
Es ist bei jeder Landesschau ein bewegendes Bild, wenn sich die verdienten Mütter in der Ehrenklasse noch einmal vor großem Publikum vorstellen. Stuten, die sich längst mit ihrer Nachzucht bewährt haben, die gewöhnlich mit ihrer Ausstrahlung und Souveränität im Bewusstsein um ihre Lebensleistung beeindrucken. Mit allen neun angemeldeten Stuten in bester Konstitution und Kondition war die Ehrenklasse vollständig bestückt.Das Kompliment der Richter galt den bayerischen Trakehner Züchtern für das hervorragende Herausbringen ihrer noch sehr geschmeidig sich bewegenden Stuten. Hier defilierten sie: die 21-jährige KAPERIED, Topstute ihres Jahrgangs bei Eintragung und SLP, die sich noch voller Frische in der Springklasse den Ic-Preis geholt hatte, und PER DU, Klassensiegerin der letzten Landesschau, selbst sporterfolgreich, unter deren sechs Fohlen zwei Eliteauktionspferde, ein bayerischer Champion und zwei Klassensiegerinnen dieser Schau sind. Auch die Matador-Tochter HERBSTLICHT IV und die Elitestute URBANITA v. Cornus holten sich Verbandstitel über eigene Sporterfolge. DONAULIEBE, eine der wenigen Kennedy-Töchter aus altem hochbewährtem Stutenstamm, wurde aus der Ehrenklasse in den Endring gebeten.
Ein Aufgebot von sechs Stutenfamilien zeichnete einen eindrucksvollen Querschnitt der züchterischen Basis in Bayern. Souverän dominiert wurde die Klasse von der Familie der Per Du aus der Zucht von Erin Raili, Wessobrunn, deren beide Töchter des Schwaigangerer Landbeschälers In Flagranti ihre Altersklassen gewinnen konnten. Besondere Typausprägung und Trakehner Adel verbinden sich hier in idealer Weise mit guten Grundgangarten. Der Ib-Preis ging an die Zucht von Jörg Haußmann nach Dinkelscherben, dessen Kostolany-Tochter Polartänzerin, selbst Ic-Preisträgerin in der Klasse der 8- bis 13-jährigen Stuten, in Mainburg mit den beiden K2-Töchtern Polardiva (Ib) und Polar-Pretty (Id) ebenfalls Spitzenstuten ihrer Altersklassen stellte.
In einem grandiosen Schlussbild paradierten 16 Spitzenstuten auf dem Endring. Und sie nahmen sich nicht viel, die beiden brillanten bayerischen Siegerstuten von 2005 bzw. 2007, die hier zum ersten Mal in direkter Konkurrenz aufeinander trafen. Beides bedeutende, moderne Stuten mit viel Präsenz und Ausstrahlung; beide mit überwältigendem Trabvermögen ausgestattet, das den Zuschauern den Atem verschlug. Allerdings auch beide nicht ganz spannungsfrei und beide mit „Knackpunkt“ Schritt. Die Nase vorn behielt schließlich die schwarze Jahressiegerstute von Neumünster 2007, GIPSY FLOWER, eine souveräne Stutenkönigin. ROMINTEN VIII wurde Reservesiegerin. In Vertretung des Schirmherrn der Veranstaltung, Staatsminister Helmut Brunner, überreichte Landwirtschafts-Amtsrat Anton Sauerer die Staatliche Silbermedaille für die Siegerstute. Normalerweise geht dieser Ehrenpreis an den Züchter der Stute – in diesem Fall nach dem Tod von Hans-Peter Heinen stellvertretend an die jetzige Besitzerin der Siegerstute, Frau Verena Sontheimer. Von ganz anderer Machart war die 2. Reservesiegerin PASSION V. Die vierjährige frisch gebackene Prämienstute mit erstem Fohlen bei Fuß hatte ihren beiden Konkurrentinnen eine am Vortag abgelegte vorzügliche Leistungsprüfung voraus. Vielleicht den beiden Spitzenstuten in Brillanz und Ausdrucksstärke des Auftritts nicht ebenbürtig, punktete sie mit gleichmäßig gutem Schritt und Trab und strahlte eine beispielhafte Gelassenheit aus. Den Ehrenpreis des Trakehner Fördervereins für die beste Halbblutstute der Schau konnte der Ehrenvorsitzende des Trakehner Verbandes und Präsident des Trakehner Fördervereins, Klaus Wittlich, an die Besitzer der zweifachen Klassensiegerin VALERIA IV v. EH Beg xx, das Ehepaar Anja und Hans-Peter Hinterberger aus Velburg, überreichen.
Aussteller, Richter und Zuschauer waren beeindruckt von dieser Standortbestimmung der bayerischen Trakehner Zucht. Nach eigenen Worten hat Zuchtleiter Lars Gehrmann, der spontan die gesamte Ansage der Schau in perfekter Weise übernommen hatte, bisher noch keine Landesschau mit so großem Auftrieb bei gleichwohl hoher Qualität der gezeigten Stuten gesehen – ein Verdienst, das sich Bayerns Trakehner Züchter ebenso auf die Fahnen schreiben dürfen wie das rührige Organisationsteam um Dr. Lutz Schubert und Wolfgang Moll, die das rechte Händchen für die passende Motivation hatten. Karin Schweiger
SUMMARY
The Trakehner breeding district Bavaria had invited to the district’s 7th mare show on 20 September 2009. The many entries required a peak performance of the breeding district’s team of volunteers who provided for a perfect show in front of and behind the scenes. The classes were according to age, with two additional categories: the daughters of an English TB or Arabian sire or dam could also compete against each other in a half blood class, the undisputed winner of which became the 10-yr-old premium mare VALERIA IV by TB stallion Beg, a mare with all the qualities attributed to a noble horse. In an class for jumping orientated mares, entrants were also judged for their free jump. The Cornus daughter LACORNA, an eventer to ** level, came out a whisker in front of her stable mate, WETTERHEXE by TB stallion Intervall, a successful sport horse, as well. Six families lined up to provide an impressive profile of the breed’s basis in Bavaria. The family class was easily dominated by Per Du and her family, bred by Erin Raili of Wessobrunn: Both Per Du daughters by the Schwaiganger state stallion In Flagranti have also won their respective classes. The grand final ring saw 16 top quality mares parading. In the end, the black 2007 Neumünster Supreme Champion Mare, GIPSY FLOWER by Gribaldi had her nose in front, winning Best in Show. The first reserve champion mare is ROMINTEN VIII by Gelria, PASSION by In Flagranti became 2nd reserve champion.



