Neben dem Englischen Vollblut, dem Anglo-Araber und dem Vollblutaraber ist auch das Spezialblut des Shagya-Arabers in der Trakehner Zucht den Reinzuchtbedingungen zufolge zugelassen. Die heute weltweit gezüchteten Nachkommen
der ungarischen Shagya-Araber aus Babolna zeichnen sich durch besondere Härte und Sportlichkeit aus. Dr. Maren Engelhardt recherchierte die Einflüsse der Shagya-Araber auf die Trakehner und stellt ihre Ergebnisse in einem zweiteiligen Beitrag vor.
Historischer Überblick
Die Zucht der Shagya-Araber hat ähnliche Höhen und Tiefen wie die der Trakehner erlebt, und nicht nur im historischen Kontext lassen sich Parallelen erkennen. Der Shagya-Araber nimmt unter den Araberpferden eine Sonderstellung ein, da er eine Spezialzüchtung ist, in dessen Zuchtprogramm vor allem mehr Kaliber, Größe und Knochenstärke sowie bessere Reiteignung verankert sind, ohne dass der Schmelz und Adel der arabischen Rassen verloren geht. 1789, also nur ca. 50 Jahre nach der Gründung des Hauptgestüts Trakehnen im Jahre 1732, wird der Shagaya-Araber zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Auf Befehl des Kaisers wurde die Rasse im österreichisch-ungarischen Staatsgestüt Babolna gegründet, welches auch heute noch eine führende Rolle in der internationalen Szene der Zucht einnimmt. Durch den großen Erfolg der Rasse in der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden auch schnell andere Staatsgestüte auf das wertvolle Zuchtmaterial aufmerksam. Der Shagya-Araber wurde zum Exportschlager und als solcher dann auch in anderen bedeuteten Gestüten wie z.B. dem heute rumänischen Radautz, dem slowakischen Topolcianky, dem polnischen Janow Podlaski zu neuer Blüte gebracht. Die Kriegswirren in Europa versprengten den Shagya-Araber immer wieder in alle Himmelsrichtungen – durchaus ein Schicksal, das diese Rasse mit den Trakehnern gemeinsam hat.
Auch der Gebrauchszweck der frühen Shagya-Araber ist dem der Trakehner sehr ähnlich, denn die eleganten und genügsamen Pferde waren als Offiziers- und Militärpferde sowie als prunkvolle Kutschpferde sehr beliebt. Heute sind Shagyas als Dressur- und Vielseitigkeitspferde im Sport zu finden, haben ihre Domäne aber sicherlich im anspruchsvollen Distanzsport.
Den Stutenstämmen kommt in der Shagya-Araber Zucht eine ähnlich große Bedeutung zu wie bei den Trakehnern. Ursprünglich wurden die vorhandenen Stämme, die teilweise durch die hinterlassenen Pferde aus den Türkenkriegen stark „arabisch“ beeinflusst waren, durch das Einkreuzen von importierten Original Araberhengsten erweitert, wobei es auch Stämme gibt, die von originalarabischen Stuten begründet wurden. Einer der wichtigsten Importe aus Arabien war der Apfelschimmel Shagya, der 1836 mit anderen Pferden von Syrien nach Europa kam.
Der Einfluss des Hengstes war und ist allgegenwärtig und ihm verdankt diese Zucht auch ihren Namen. Der Shagya-Stamm war um die Jahrhundertwende der führende Stamm der Zucht, und spielte eine wesentlich größere Rolle als z.B. der Stamm des Gazal. Heute ist der Shagya-Stamm in männlicher Linie selten geworden, wird aber durch einige erstklassige Stutenfamilien repräsentiert.
Analog der Fremdblutzufuhr in Trakehnen ist auch die Shagya-Araber Rasse durch diverse andere Zuchten geformt worden. Auf der bodenständigen Substanz der Stammstuten wurden bis zur Schließung des Stutbuchs im Jahr 1816 neben orientalischen Arabern auch Englische Vollblüter, Gidran und gelegentlich auch Lipizzaner eingekreuzt, die selber mit einer bedeutenden Linie auf einen arabischen Stamm, den des Siglavi, zurückführen. Die scharfe Selektion innerhalb der Rasse auf Größe, Rahmen, Knochenstärke und Rittigkeit ohne Verlust des Typs führte so zur Schaffung einer heute hoch konsolidierten Veredlerrasse, die damals allen Anforderungen der Kavallerie entsprach. Die Erfolge von Shagya-Pferden in den modernen Sportdisziplinen zeigen auch eindrucksvoll, dass die vielseitige Veranlagung der Pferde, die über Jahrhunderte selektiv gezüchtet wurden, heute moderne Athleten für den Spitzensport liefert. Namentlich sei hier Bajar erwähnt, ein Vertreter des O’Bajan-Stamm, der insbesondere in Holstein durch seinen positiven Einfluss bekannt ist.
In der Gegenwart ist der Stamm des Gazal der bedeutendste. Dieser Originalaraber entstammt der Vollblutaraberherde des Hauptgestüts Babolna, hat aber auf die reinen Araber keinen Einfluss genommen. Der wichtigste Sohn des Gazal war der 1922 geborene Gazal II, der vor allem als markanter Typhengst und aufgrund seiner erstklassigen Gebäudepoints ein Stempelhengst wurde. Er lieferte der Zucht 10 Hauptbeschäler, darunter den berühmten Gazal VII, der 1944 auf einem Eisenbahntransport bei der Evakuierung Babolnas geboren wurde. 6-jährig ging er in den Zuchteinsatz und hat 15 Jahre lang in Babolna der gesamten Stutenherde seinen Stempel aufgedrückt. Im Alter von 23 Jahren kam er nach Deutschland, wo er bis 1975 als aktiver Deckhengst Einfluss auf die Zucht nehmen konnte.
Erwähnenswert ist noch der Stamm des Original Arabers Kohaylan Adjuze, der 1885 nach Babolna importiert wurde. Ein späterer Nachkomme dieser Linie, Koheilan VIII ox, wurde nach Polen exportiert und wurde dort als Koheilan I ox u.a. Vater des auch in Trakehnen eingesetzten Lowelas ox und des Tersker Beschälers Piolun ox. Dieser nahm über seinen Sohn Priboj ox durch dessen Söhne Pomeranets ox, Topol ox und Sport ox starken Einfluss auf die Vollblutaraberzucht, die Trakehner Zucht und durch einen eigenen seltenen Shagya-Araberstamm auch auf die heutige Shagya-Araberzucht.
Shagya Stutenstämme in der Trakehner Zucht
Die Trakehner Zucht profitiert schon seit der Zeit im Hauptgestüt Trakehnen immer wieder vom Einsatz des Shagya-Blutes. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Zucht heute einige Stutenfamilien aufweisen kann, die von Shagyastuten gegründet wurden. Das dürfte wohl eine einmalige Entwicklung in den modernen Warmblutzuchten sein. Die Familien der A15A Galina Sh.A (Wrangel - Gestüt Seehof), A4A Duna Sh.A. (Gramatzki – Hamburg) und A2A Schalmei Sh.A. sind in diesem Zusammenhang die einflussreichsten, und immer wieder mit besonders typstarken und sportlichen Vertretern auf Stutenschauen, Körungen und Turnieren zu finden.
Galina Sh.A. wurde 1963 in Babolna geboren und war eine Tochter des bereits erwähnten Stempelhengstes Gazal VII und der Shagya XXXVI-9 v. Shagya XXXVI. Galina Sh.A. war nicht nur eine bedeutende Stutenpersönlichkeit, sondern nahm als Modell Vorbildfunktion ein, denn sie verband Adel und Kaliber in Idealformat. Sie brachte mit dem Vollblüter Lions xx die Stute Galante II, die sich als Großmutter einer ganzen Stutendynastie etablieren konnte. Sie ist Mutter der Elitestute Gräfin IV (v. Atlas), die mit Guzzi (v. E.H. Herzzauber) einen viel beachteten Prämienhengst in Neumünster stellte und zudem gleich mehrere Prämien- und Staatsprämientöchter für die Trakehner Zucht lieferte, u.a. die Jahressiegerstute in Neumünster 1996, Gräfin Irina. Galinas Trakehner Tochter Galathee (v. Kongo) ist die 3. Mutter des bis Inter I erfolgreichen Gegenwind (v. E.H. Gribaldi). Und zudem brachte Galina Sh.A. auch den Beschäler Ghazzir Sh.A. (v. Bajar Sh.A.), der Trakehner Züchtern als Vater des internationalen Vielseitigkeitspferdes Herakles TSF ein Begriff sein dürfte. Auch Shezarmie Sh.A., eine von derzeit leider nur drei reinen Shagya-Stuten im Trakehner Verband, ist eine Ghazzir Sh.A.-Tochter. Ihr 2008 in Neumünster vorgestellter Hengstsohn Senghor (v. Key West) beeindruckte durch seine große Sportlichkeit und sein erstklassiges Springvermögen, kam auch auf den Endring, scheiterte da aber zum Leidwesen vieler Zuschauer am Ende doch noch.
Die schwarzbraune Duna Sh.A. wurde 1959 als Tochter des O’Bajan XIII geboren und kommt aus engster mütterlicher Verwandschaft der einflussreichen Hengste Balaton Sh.A., Bartok Sh.A. und O’Bajar Sh.A., alle aus der beeindruckenden Duna-Vollschwester Babolna gezogen. Die A4 Familie nimmt hier als Shagyafamilie innerhalb der Trakehner Zucht eine Sonderposition ein, denn aus drei Vollschwestern entstanden drei eigenständige Familienzweige: A4A Duna Sh.A., A4B Baronesse V Sh.A. und A4C Babolna Sh.A., alle aus der Zucht des Dr. Gramatzki aus Hamburg. Dem Duna-Zweig kommt aus Trakehner Sicht die meiste Bedeutung zu, wobei auch Balaton Sh.A aus dem A4C Zweig als Vater des Trakehner Hengstes El-Zid Erwähnung finden soll.
Dunas Trakehner Tochter Diska (v. Anteil) brachte die Elitestute Distan (v. Flaneur), die die kleine Familie auf eine solide Basis stellte. So wurde sie Mutter des in Oldenburg gekörten D’Artagnan und des in der Trakehner Zucht gekörten Dynamit
(v. Elfenglanz), der als Dressurpferd in die Schweiz wechselte und Erfolge bis Kl. S hatte. Der Vollbruder von Dynamit, ebenfalls Dynamit getauft, war für den bayerischen Stall Fraede erfolgreich im Dressursport bis Kl. S. Eine weite Verbreitung, vor allem was die Lieferung an Mutterstuten angeht, erfuhr die Familie dann mit Distans Tochter Distel (v. Elfenglanz). Eine Vielzahl an hoch dekorierten Zuchtstuten stammen aus dieser Familie, genauso wie die gekörten Hengste Dios von der Heide (v. E.H. Biotop, gekört beim ZfdP) und aus jüngerer Vergangenheit Dorkas (v. K2) sowie das Dressurpferd Darino (v. E.H. Finley M). Und auch international scheint sich der Stamm verbreiten zu können, denn mit Dione (v. Chronist) wurde eine der besten Vertreterinnen dieser Familie Supreme Champion der Trakehner Schau und Siegerin der Stutenleistungsprüfung in England und die Fabian-Tochter Diana ist mit Nachzucht in bereits 3. Generation in Finnland im Gestüt Skyhorses beheimatet.
Eine besonders sportliche Shagya-Linie wird von Schalmei Sh.A. und ihren Nachkommen repräsentiert. Schalmei wurde 1951 in Achental als Tochter des Originalarabers Halef ox und der Shaykhah Sh.A. v. Shagya XXV geboren. Ihre direkte Trakehner Tochter Schalmi (v. Absprung) konnte die Familie durch ihre beiden Töchter Sahara IV (v. Cesar) und Somalia III (v. Magnus) erweitern. Saharas Swazi xx-Tochter St.Pr.u.Pr.St. Scharivari ist heute durch ihre zwei im gehobenen Dressursport erfolgreichen Töchter St.Pr.u.Pr.St. Sedina (v. Sedar) und Schanama (v. Messala) in der Zucht vertreten. Somalia III brachte mit Zauberklang den vielseitigen Hengst Sedar, der sich nicht nur in der Vielseitigkeit bis CIC** platzieren konnte, sondern auch das Kunststück fertig brachte, sich als einziger Warmblüter in der Welt der Quarter Horses für die Weltmeisterschaften im Reining zu qualifizieren! Des Weiteren fiel aus der Anpaarung mit Bukephalos die auffällig gezeichnete und auf Landesebene ausgezeichnete Sherazare. Heute in der Oldenburger Zucht zu Hause, brachte ihre Königstraum xx-Tochter Scarlett auch Nachzucht von holländischen Hengsten, die heute in Kanada beheimatet ist.
Eine weitere Tochter der Schalmei Sh.A., die Trakehnerin Schaumburg (v. Sleipnir), fand Eingang in die hannoversche Zucht und ist Stammstute des oldenburgisch gekörten Hennessey OX (v. E.H. Hohenstein). Schalmei Sh.A. brachte dann von Impuls noch zwei Vollschwestern. Schwärmerin wurde Mutter des eindrucksvollen gekörten Stratege (v. Bumerang xx), und Schwärmerin II lieferte mit Sadea eine Tochter, die nach Irland wechselte.
SUMMARY
The Shagya Arabian is a special Arab breed that focuses more on riding horse points such as size, substance, caliber and has been selectively bred in Europe for over 200 years. Originating in the Hungary-Austrian Empire at the Babolna National Stud as a world-class war remount, the breed was developed by crossing imported original Arabians to Lippizans, Gidron and English Thoroughbreds. The Shagya Arabian excels in all modern sport horse disciplines with a focus on eventing and endourance. Due to its closed studbook and quality riding horse traits, it is a perfect match for the Trakehner. Shagya Arabians already found entry into the Trakehner breed during the times of the Royal Main Stud Trakehnen, and again became important after WWII when the Trakehner breed needed outside genetic resources. The first part of this analysis highlights mare families that were founded by Shagya Arabian mares in the Trakehner breed. The most important families (A15A Galina Sh.A (Wrangel - Gestüt Seehof), A4A Duna Sh.A. (Gramatzki – Hamburg) and A2A Schalmei Sh.A.) stand out today through various approved sons, premium daughters and performance horses at FEI level. Galina Sh.A. for example is the foundation mare of the family that produced the premium stallion Guzzi as well as the Inter I-successful dressage horse Gegenwind. Duna Sh.A. is represented by the younger approved Dorkas and has established branches in various countries. Schalmei Sh.A. produced an especially athletic family that is represented by the versatile approved Sedar. The second part of this analsis will focus on Shagya Arabian stallions with impact on the Trakehner breed.



