Montag, 20. November 2017
 


200 Jahre Araberzucht in Marbach


Von: Gaby Keller

Das Weiler Schlösschen (Foto: Archiv: Marbach)

Amurath-Weil wurde 29 Jahre alt und gilt in ganz Europa als Jahrhunderthengst (Foto: Archiv Marbach)

Im Jahr 2017 steht im Haupt- und Landgestüt Marbach a. d. Lauter, Krs. Reutlingen  ein  bedeutendes Jubiläum an.  Es kann auf  die 200jährige Geschichte seiner einzigartigen und weltberühmten  Vollblutaraberzucht zurückblicken. Die „silberne Herde“ wie sie liebevoll genannt wird, feiert in diesem Jahr Geburtstag.  Sie geht in ihrem Ursprung auf das  Privatgestüt  Scharnhausen-Weil  der württembergischen Könige  zurück und hat europäische Zuchtgeschichte geschrieben. Es gibt viele Parallelen zu den Trakehnern.  Beide Zuchten profitierten in verschiedenen Epochen immer wieder voneinander, wie nachfolgender Artikel zeigt.


Zur  Geschichte von Weil
Das Gestüt Weil ist eine Schöpfung König Wilhelms I. v. Württemberg (1781 – 1864),  das später durch seinen Enkel König Wilhelm II. (1848 – 1921)  - einem  exzellenten  Pferdekenner -   zur vollen Blüte gelangte.  Vorauszuschicken ist, Weil war kein reines Arabergestüt, vielmehr beschäftigte sich der König generell mit der Zucht edler Pferde und bediente sich der Rassen, die damals en vogue waren. Da der König bei mehreren Feldzügen in den Napoleonischen Kriegen arabische Pferde ritt und diese ihn ob ihrer Qualitäten, wie Härte,  Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Temperament  überzeugen konnten,  liebäugelte er natürlich vorrangig mit dieser Rasse.


Schon 1810 wurde  auf dem benachbarten, damals kronprinzlichen  Landsitz  Scharnhausen  eine kleine und feine Pferdezucht betrieben.  Im Mai 1817 kaufte der König die Domäne Weil - ein ehemaliges Kloster – und die Domäne Klein-Hohenheim um seine Vision eines königlichen Privatgestüts,  in die Tat um zu setzen. 1817  gilt somit als Gründungsjahr des Gestüts. Weil selbst wurde zunächst als Mutterstutengestüt eingerichtet. In Scharnhausen standen die Stutfohlen zur Aufzucht und in Klein-Hohenheim die jungen Hengste.
Die Güter lagen nah beieinander im Kreis Esslingen bei Stuttgart und bildeten eine große idyllische  Parkanlage.


Erste durchschlagende Zuchterfolge stellten sich mit dem 1814 von Baron  Fechtig erkauften  Emir O.A. ein. Er diente dem König als Leibreitpferd.  Der Kastanienbraune  zeichnete sich mehr durch seine Größe, Stärke und Schnelligkeit, als durch seinen Adel aus. Seine größten Erfolge hatte er dadurch auch in Anpaarung mit Halbblutstuten. Viele seiner Söhne, wie Emir ox (1819/Braun) a. d. Sara O.A., Pan (1824/braun) a. d. englischen Halbblutstute Pretty,  Castor (1824/Braun) ein  Anglo-Araber  und  Jupiter (1824/Braun) a. d. Slamerkin (engl.Halbblut)  dienten der Marbacher Zucht als Hauptbeschäler. In der Produktion von eleganten Wagenpferden  leisteten sie Beachtliches.
Dies konstatierte Herr von Biel, ein großer Pferdekenner jener Tage mit seiner Aussage „dass die Abkömmlinge von Emir O.A. vortreffliche Pferde und wahre Ideale von Landbeschälern wären.“ Seine Nachkommen vereinigten Größe, kräftigen Bau und elegante Tritte in sich.


Als unumstrittener Stammvater der Weiler Araberzucht gilt  der 1813 geborene Bairactar O.A. der ebenfalls  über  Baron  Fechtig  1817 ins Schwabenland kam. Er besaß genügend Größe, Adel und einen vorzüglichen Knochenbau. Der temperamentvolle Hengst konnte sich bestens bewegen.  Bemängelt wurden lediglich seine etwas unklaren Sehnen.  Bis zu seinem Tode 1838 vererbte er sich  überdurchschnittlich gut.  Zu Beginn seines Daseins diente er auch dem König als Leibreitpferd.


Seine  sieben Töchter Bouna I ox (1833), Daria V ox (1837), Geyran II ox (1829), Goa I ox (1830),  Hassfoura I ox, Kabron III (1835)  und Wanda I ox (1830) waren die weiblichen  Elemente aus denen sich heraus die Vollblutaraberzucht entwickeln konnte.  


Bairactars  Söhne Bairactar II ox (1829), Mazud ox (1838) und Selim ox (1828)  trugen zu  diesem Erfolg mit ihren Genen bei.


Der einflussreichste Sohn von Bairactar O.A. hieß Amurath I ox. 1829 trat dieser bildschöne Schimmel seine irdische Lebenszeit an. Er hatte die Siglavy-Tochter  Sady III ox zur Mutter.  Er galt als Ebenbild seines Vaters. Rueff sagte über ihn: „Dieses Pferd ist wohl einer der vollkommensten  Araber, nie habe ich ein besser gebautes und edleres Originaltier gesehen.“ Obwohl er beim Deckeinsatz öfters launisch war, reproduzierte er sich sehr gut. So waren die  später nach Trakehnen ausgeführten Hengste Dschingis Khan ox ein Sohn und Hügel ox ein Enkel dieses wunderschönen Amurath I ox.


Erwähnenswert ist, dass zwei Söhne des Mazud ox, Bairactar x (1849/Schimmel) a. d. Vollblüterin  Kaimanka xx und Nedjed  ox a. d. Hassfoura I ox,  Landbeschäler im preußischen  Haupt- und Landgestüt  Beberbeck  bei Hofgeismar, Krs. Kassel waren. Von   hier aus nahm Bairactar x Einfluss auf das Zuchtgeschehen Ostpreußens. Z.B. mit seinem Urenkel  Sulla  <ex.Sultan> . Er stammte von Optimist a. d. Senta v. Dreadnought xx  - Sady v. Bairactar x – Medina v. Tajar ox (ebenfalls aus Weil stammend)  und diente dem Landgestüt Gudwallen als erfolgreiches Vatertier.  Durchforstet man die Pedigrees der heutigen Trakehner stößt man in vielen Fällen in den hinteren Generationen auf seinen Namen.


Zurück zu den Anfängen. Die eigentlich systematische arabische Reinzucht  Weils begann 1819 mit 8 Hengsten und 12 Stuten. Diese kamen durch den polnischen Grafen Wenzel Rzewuski aus der Wüste um Palmyra über Livorno ins Württembergische.  Die meisten dieser Pferde sind zwischenzeitlich unbekannt, lediglich der Hengst Gomousch Bournou O.A. und die Stuten Hassfoura O.A., Schakra  I O.A., Geyran I O.A. und  Kabron I O.A  sind züchterisch ein Begriff, wohin gegen  Abululu O.A. sich nicht in der Zucht verankern konnte.


Stets war man bemüht  bestes arabisches Blut zu bekommen  und  scheute keine finanziellen Kosten.  Insgesamt führte  das aufstrebende Gestüt 40 National-Araber-Stuten und 45 Hengste ein, wovon die nicht zur Zucht geeigneten sofort  in den königlichen Leibreitstall gingen um dort ihren Dienst zu tun.


1822 standen im Gestüt:
18 Original Arabische Mutterstuten
1 im Gestüt gezogene Mutterstute rein arabischen Blutes
10 Hengstfohlen (1 – 5 Jahre) rein arabischen Blutes und
13 Stutfohlen im gleichen Alter.


Das  erstrangige  Zuchtziel Weils bestand  darin,  mit seinen Produkten  den Bedarf an Reit - und Wagenpferden für den königlichen Marstall  zu decken. Als weitere Option  entstand der Wunsch mittels guter Warmblüter mit arabischem Hintergrund die Landespferdezucht zu heben.  Einige Zuchtprodukte kamen als Hauptbeschäler ins Marbacher Gestüt auf der schwäbischen Alb. Die  übrigen  Pferde gingen in den Verkauf.  Sie mussten  auch nicht lange auf Käufer warten. Denn in jenen Tagen galt Weil,  für den der das arabische Flair liebte,  als Topadresse unter den Gestüten  Europas.


Nicht  nur die  Araber standen im Focus der Gestütsverantwortlichen. Um  die Warmblutzucht zu fördern wurde viel experimentiert. In diesem Zusammenhang dürfte es auch von Interesse sein, dass bereits 1821 drei Trakehner Stuten in Weil aufgestellt wurden.  Leider erreichten die Nachkommen dieser Stuten ihr Zuchtziel nicht und sie wurden aus dem Gestütsbetrieb entfernt.
Trotz dieses Rückschlages blieb die Gestütsverwaltung an der Idee dran, Pferde aus Trakehnen  in Weil zu integrieren, was letztendlich zum Erfolg führte.


Trakehner und Ostpreußen in Weil
Im Jahr 1837 kaufte Gestütsdirektor Obrist  Freiherr Philipp  Albrecht v. Gemmingen  für des Königs Gestüt  in Trakehnen den 1829 geborenen Rappen  Argon v. Tigranes x a. d. Tarragona, alte Trakehnerfamilie 103 der Mamsell.  In Ostpreußen deckte er in Gudwallen und 1837 im Hauptgestüt und brachte 1838 die Mutterstute  Historia, die bis 1850 in der Rappherde in Gurdszen stand.
In Weil  hieß Argon nur „Trakehner“. Benutzt wurde er dank seiner Qualität bis 1845. Mit ihm hielten  auch acht  Stuten Einzug ins Gestüt. Diese Trakehner bildeten den Stamm der nicht ganz unbedeutenden Rappenzucht Weils, die schicke Wagenpferde, ähnlich denen aus Trakehnen,  lieferte.


Bekannte Nachkommen von ihm  sind die 1839 geborene Zuchtstute Nelly I aus der ebenfalls eingeführten  Trakehnerin  Judith II. Sowie die drei Söhne Black (1839), Mora (1841) und Congo (1845), alle aus der englischen Halbblutstute Derby I (geboren 1825, erkauft 1834)  stammen.


Aus dem Trakehner/Ostpreußen- Kontingent  konnten  folgende  Stuten eigene Familien gründen:
Judith  <ex. Iphimedie> (1834/Rappe) v. Bagdadly ox a. d. Tarpeja.   Sie war Gründerstute der Weiler Familie XIII. Im 1908 erschienen  Stutbuch der Weiler Zucht gibt es aus diesem Stutenstamm keine aktive Zuchtstute mehr.
Die Stute Tula II. <ex.Hecate>  (1833/Rappe) v. Leporello a. d. Jura war sehr fruchtbar und hat sich besonders gut und nachhaltig vererbt. Mitglieder dieser Familie gehörten der Stutenfamilie XIV an. 1908 wurden aus dieser Familie noch sieben Zuchtstuten in der Mutterstutenherde geführt.


Interessanterweise  wurzeln beide Stuten in der Rappherde Trakehnens. Sie gehen auf die bewährte Gründerstute Tiberiussche, Trägerin der Familiennummer 165 zurück. Diese Stutenfamilie trägt heute die Nr. T10 und wird in Deutschland durch die Zweige der Aida (T10E), Grabina (T10F1), Alraune (T10G) und Anmuth (T10G1) vertreten. Die Pferde mit den dazwischen liegenden  Familiennummern  befinden sich in der russischen und polnischen Zucht.


1874 kam aus dem ostpreußischen  Gestüt Muhlack die schwarze Halbblutstute  Ino I. v. Journey a. d. Ino, geboren 1871 nach Weil. Sie wurde auf der Wanderausstellung in Bremen erkauft. Ino I. konnte ihr Blut bestens in Weil selbst  und über ihren 1882 geborenen Sohn Mameluck  auch in der württembergischen Landeszucht über seinen Sohn Bär verankern. Ino I. und ihre Nachkommen trugen die Familiennummer XXII.


Es folgten weitere Einkäufe von Pferden aus Trakehnen, bzw.Ostpreußen.
Ein ganz guter Hengst war für beide Zuchten  Zarif O.A.. Fürst Pückler aus Muskau hatte den Hengst als Jährling in der Wüste von Hama bei den Ruala-Beduinen gekauft. Der Silberschimmel soll unglaublich schön gewesen sein. Sein Fell war besonders fein. Der charmante Hengst bewegte sich raumgreifend. Er hatte ein sanftes Temperament  und besaß dabei noch genügend Feuer.  Trotz seines guten Körperbaus war die Stellung der Sprunggelenke nicht ganz ohne Tadel.


Sein züchterischer Einsatz führte ihn von Muskau aus in die Privatzucht  des Herrn v. Saucken nach Tarputschen in Ostpreußen. Dort bediente sich das Haupt- und Landgestüt Trakehnen auch seines Blutes. „Seine Produkte waren ebenso schön wie er selbst, so dass er der Pferdezucht große Dienste leistete“ hieß das Resümee von Prof. Dr. Dr. H. Bauer aus München. Dies kann  man aus heutiger Sicht nur unterstreichen, taucht er doch bei jedem Trakehner in den hintersten Generationen durch einen seiner sieben Söhne J.Zarif ox (1847/Hellfuchs) a. d. Etna ox, Icon ox (1849/Fuchs) a. d. Japis ox,  Isolato ox (1850/Hellfuchs) a. d. Japis ox, Jolanthe ox (1850/Fuchs)  a. d. Janina,  Jaguar ox (1851/F) a. d. Japis ox, Confidence (1853/Schimmel) a. d. Ceuta  oder Edelstein ox (1853/Schimmel) a .d. Etna oft mehrmals auf.


Zarifs Tochter Elnis ox, 1850 geboren, hatte 7 Zuchtpferde vorzuweisen, darunter eine Tochter namens Elite ox, die in die schwedische Zucht  kam.
1852 erwarb Stallmeister Fischer  den 15jährigen Zarif O.A. für das Weiler  Gestüt. Auch hier  vererbte er sich, sowohl in der Halbblut- als auch in der Vollblutaraberzucht  bis zu seinem Tode 1859 mehr als gut.   Sein Sohn Young Zarif ox  (1856/Braun) a. d. Elkanda ox avancierte zum Hauptbeschäler in Marbach.  Für die  Vollblutaraberzucht hinterließ  Zarif ox, die Mutterstuten Czebessie VI ox (1856), Fatime II ox (1858) und Hamdany VI ox (1859).
Das Gestüt befand sich  nun in den Händen von König Karl, der durch den Zeitgeist  gezwungen wurde, die Zucht des leichten,  arabisch geprägten Pferdes etwas zurück zu fahren und anderen stärkeren Rassen den Vorzug zu geben. In diesem Zusammenhang wurde  das Vorwerk Klein-Hohenheim aufgelöst und die Pferde auf die beiden anderen Höfe verteilt. In Klein-Hohenheim traten vermehrt Verluste durch die Bornasche Krankheit auf, wahrscheinlich war dies ein Grund zur Auflösung.  Die Gesamtanzahl der Pferde wurde in diesem Zusammenhang  reduziert,  trotzdem  ging das Zuchtgeschehen  in gleicher Qualität weiter.


Von 1868 – 1880 deckte in Weil Nobelmann (1864/Rappe) v. Nobelmann x a. d. Galante. Dieser Hengst stammte aus der Zucht des  Herrn v. Dressler auf Linkuhnen. 1888 kam der Glanzrappe Seeräuber aus dem ostpreußischen Gestüt Weedern der Frau v. Neumann nach Weil. Er erblickte 1885 das Licht der Welt. Seine Eltern waren Pandur und Sottise.  Von 1889 bis 1897 fand er ausschließlich bei den halbblütigen  Rappen Verwendung.

Er lieferte sehr gute Gebrauchspferde und ging dann zur Vermeidung von Inzucht ans Hannöversche Landgestüt Celle. Seine dortigen Töchter Seeburg und Seenelke gehören mit zum Feinsten.  Die guten Landbeschäler Alpenflug I und II, sowie der legendäre Fling führen über ihre Ahnin Seenelke das Blut  von Seeräuber II, wie er in Hannover genannt wurde.


Für Seeräuber fand man in dem 1887 geborenen, 171 cm großen Trakehner Rapphengst Manzanares  v. Venezuela a. d. Marne einen würdigen Ersatz. Er wurde im Jahr 1900 aufgestellt  und lieferte viele befriedigende Nachkommen.
Das vom Gründer König Wilhelm I. angestrebte  Ziel,  den Einfluss des Weiler Arabers auf die Warmblutzucht zu stärken,  erreichte mit der Geburt des 1881 geborenen Amurath ox  v.Tajar III ox a. d. Koheil III ox seinen Höhepunkt.  Amurath ox, erhielt später ob seiner enormen Zuchtleistungen in den südöstlichen Staaten Europas den Beinamen „Weil“.


Amurath-Weil ox  führt in seiner Stammtafel  allein 14 x den Gründerhengst Bairactar O.A., meist über dessen Sohn Amurath I ox. Der 166 cm große Hengst deckte  von 1885 – 1895 in Weil,  dann wechselte er ins Österreich-Ungarische k.k.Gestüt  Radautz  im Nordosten von Rumänien gelegen über. Es war seinerzeit eines der führenden Gestüte Europas. 


Die Gestütsunterlagen von Radautz stellen uns Amuarth-Weil ox als „einen hervorragend selten schönen, gut proportionierten Hengst mit sehr guten und edlen Körperformen“ vor. Desweiteren gab es Lob für sein starkes,  korrekt gestelltes Fundament und seinen sehr schönen flachen Gang. Bei lebhaften Temperament war er sehr fromm, vertraut und ein guter Beleger. Daran konnte auch die  1905 erworbene Reheerkrankung nichts ändern.


Amurath-Weil ox produzierte in seinem langen  Leben 315 Fohlen. Sein Blut findet man in der  arabischen Reinzucht, als auch in den verschiedenen Araberrassen und im Warmblut.  Wer mehr über diese Hengst erfahren möchte, dem sei das  Buch „Das k.k.Gestüt Radautz und seine Pferde“ ans Herz gelegt.
Einer seiner Söhne Amurath (1896/Schimmel) a. d. 248 Shagya V, geboren in Radautz,  kam nach seinem erfolgreichen Deckeinsatz von Holstein und Hannover 1919 nach Trakehnen. Der schöne Hengst gefiel mit seiner edlen Form und seinen trockenen harten Beinen. Er vererbte sich gut, einzig die Größe seiner Nachkommen ließ etwas zu wünschen übrig.


Erfreulich ist es, dass über die ostpreußische Landeszucht sein Blut bis in den Westen gerettet werde konnte und bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts aktiv war.


Amuraths Sohn  Tiefsinn  (1921/Braun) a. d. Teichnymphe war  bis 1931 Landbeschäler in Gudwallen. Bauer Blank aus Jodanen  ließ seine Stute Walhalla  von ihm decken. Die prämierte Stute brachte drei Nachkommen, denen es gelang im Westen  für kurze Zeit Fuß zu fassen. Dies waren Wigunda 391 (1934/Fuchs) v. Hornist, Witola 390 (1936/Fuchs) v. Hirtensang.  Witolas Vollbruder Hirtenschreck (1935/Fuchs)  setzte mit den beiden 1942 geborenen Söhnen Hirtengruß in Deutschland und Hirtentraum in Polen für kurze Zeit züchterische Akzente.


Des Radautzer Amuraths Enkelin 77 Germandot 111 (ex.Hertrud) v. Hyperion kam am 24.11.1942 zur Welt. Sie wurde im Krieg nach Neustadt/Dosse evakuiert. Im Mai 1945 ging sie im großen Transport mit nach  Kirow. Germandot  avancierte zur Elitestute der russischen Zucht. Ihre Linie ist nach wie vor züchterisch aktiv.  Mit der 2005 geborenen Rappstute  Favorable steht eine Mutterstute in der aufstrebenden Zucht Finnlands.


Die Mutter von Germandot war die tiefe und breite, ziemlich starke, sich gut bewegende Hermandad, Tochter des Amurath.  1933 wurde bei der DLG-Ausstellung in Berlin außerhalb der Konkurrenz eine Trakehner Fuchsherde ausgestellt der Hermandad angehörte.


Nach Deutschland kam aus der Familie der Germandot  die 1982 geborene Tarnap-Tochter  Chonda, die die Eintragungsnummer 8842 erhielt.
Amurath 22 (1901/Rappschimmel) ein weiterer Sohn des großen Amurath-Weil ox kam in die ostpreußische Landeszucht. Hier hinterließ er die Treckstute Sonnenblume 695, die in die Bundesrepublik kam, jedoch keine Nachkömmlinge mehr  hatte.


In Polen befand sich Amurath VI (1908) a. d. 242 Shagya II  in der Zucht. Sein Sohn Oficer  (1933/Braun) lieferte die  beiden  sich gut bewegenden Posener Treckstuten Aja 949 (1939/Fuchs) und Helge 950 (1941/Dunkelbraun), die beim Trakehner Verband eine neue Heimat fanden.  Park, ein weiterer Sohn des Amurath VI  brachte mit Arabella 1286 eine weitere Stute zu uns. Keiner gelang es sich hier auszubreiten.


Amurath-Weil ox   starb  1910 hochbetagt  an Altersschwäche.  Seine Kinder gingen in alle führenden Gestüte Europas. Dieser lichte Forellenschimmel  gilt als einer der Jahrhunderthengste  auf diesem Kontinent und der Name Weil,  jenes kleine Privatgestüt des württembergischen Königshauses  ist auf Ewigkeiten mit dem Namenszug  und Auftreten dieses Hengstes  in den verschiedensten  Pferdepedigrees weltweit festgeschrieben. Somit hat sich die Vision des Königs mehr als erfüllt.


Das Weiler Gestüt in seiner vollen Blüte
Bei Offizieren der württembergischen Reiterei waren die Weiler Produkte sehr begehrt und schon bald forderten diese Leistungsprüfungen für ihre  Pferde. Im Juni 1834 erfüllte  König Wilhelm I. diesen  Wunsch  und es kam  zur Gründung des Württembergischen Wettrennvereins.   Auf dem Canstatter Wasen wurden die Tiere  für Pferderennen vorbereitet und von königlichen Reitknechten geritten.


Im Weiler  Gestüt gab es auch diverse Änderungen. Nach Ausscheiden des Gestütsleiters  Frhr. v. Gemmingen übernahm Frhr. Julius v. Hügel die Leitung des Gestüts. Auch er löste seine an ihn gestellten Aufgaben prächtig und brachte durch gezielte Einkäufe von guten Pferden jeglicher Couleur die bestens konsolidierte Zucht Weiler Zucht seines Vorgängers  weiter voran. Der nächste Gestütsleiter war Herr v. Rantzau. 1880 wurde die Stelle an den Grafen v. Gronsfeld vergeben.


Mit seinem Regierungsantritt 1891 ernannte König Wilhelm II. Geyr v. Schweppenburg zum Oberstallmeister.  Die Liebe des neuen Königs gehörte jedoch eher dem englischen, wie dem arabischen Vollblut und er trieb seine Zucht in diesem Sinne voran.  Somit verschob sich die Weiler Zucht zugunsten dieser Zuchtrichtung. 1892 schaffte  er  die Voraussetzungen, dass künftig Pferderennen auf den dazu neu angelegten Bahnen in Weil stattfinden konnten.  Die ganze Sache war nun mit weniger Aufwand und Zeit verbunden, wie der Transport  der Pferde nach Cannstatt.


So kam der Vollblüter  Metz  xx (1870/Rappe) v. Prince Camille  xx a. d. Miss Murphy xx   nach Weil. Sein Leben begann  im Gestüt  des Fürsten Pless in Schlesien. Der 163 cm große Hengst hatte seinen ersten Auftritt  als Privatbeschäler im ostpreußischen Gestüt Georgenburg des Herrn v. Simpson.  Dort hinterließ er sowohl in der englischen Vollblut- als auch in der ostpreußischen Landespferdezucht zahlreiche Nachkommen, die das Zuchtgeschehen der damaligen Epoche prägten.  Auch hier gefielen seine Nachkommen,  stand er doch bis 1891 in der Zucht.

Ein weiterer Hengst der eine Brücke zwischen Weil und Trakehnen schlagen konnte, war  der hellbraune 1889 in England geborene Parsee xx v. Clairvaux xx a. d. Malay xx. Er deckte von 1893 bis 1897 in Weil.
Sein Weg führte ihn weiter ins preußische Hauptgestüt Graditz. Hier findet sich sein Blut u. a. in der  qualitätsmäßig hoch angesiedelten  Warmblutherde wieder. Seine Nachfahrin in der 5ten Ahnenreihe,  Feldmaus (1920/Braun) v. Christschmuck  kam bei Auflösung der Graditzer Warmblutherde  nach Trakehnen. Nachkommen von ihr ließen  sich bis in die Mitte des 20ten Jahrhunderts dort nachweisen.


Der Rappe Queretaro xx, geboren 1863 v. Vortex xx a. d. Leontine xx gehörte zu den besten Beschälern  jener Tage vor allem in der Warmblutzucht und hier  über die Linie  Mameluck  zu seinem Enkel dem Marbacher Landbeschäler  Bär. Beschrieben wird dieser  als“ guter, mittelgroßer und starker Hengst, hat einige gute Produkte hinterlassen“. Er fand  bis zum 17.12.1904 züchterische Verwendung. Bärs Erbe sind 4 Söhne und 14 Töchter.


Weitere  Hengste dieser Zuchtepoche waren:
Black Tartar xx (1890/Rappe) v. Black Bryony xx a. d. Young Pelion Mare xx, Dorn xx (1889/braun) v. Chamant xx  a. d. Miss Gorse xx, Züchter Gestüt Schlenderhan und Pumpernickel xx  (1884/Braun) v. Chamant xx a. d. Pulcherima xx. 


1908 betrug der Mutterstutenbestand  des  Weiler  Hofgestüts  16 hochkarätige englische Vollblutstuten aus besten Blutlinien,  8 Arabische Vollblut- und 28 Halbblutstuten.


Aktuell deckten die Hengste:
Araber ox (1905/Schimmel) v. Salamander ox a. d. Amadine ox, Weiler Zucht.
Ausmärker xx (1891/Braun) v. Kisbér xx a. d. Santa Maria xx,  gezogen v Herrn v. Wedemeyer, Gewinnsumme auf den Bahnen in Deutschland 105348.- Mark.
Czabat xx (1895/Fuchs) v. Rueil xx a. d. Clémentine xx, gezogen von Monsieur Dulac-Péhan, Gewinnsumme 156674.- France.
El Bedavi (1882/Schimmel) v. El Bedavi XXVII a. d. 108 Shagya II. Der 162 cm große Hengst gehörte zur Araberrasse und wurde im k.k. österreichischen  Staatsgestüt Radautz geboren. 1887 wurde er in Weil aufgestellt.
Lord Byron (1889/Rappe) v. Mameluck a. d. Babette, ein herausragender Halbbluthengst Weiler Blutführung, der im Mutterstamm  auf  die Trakehnerin Tula II. zurückgeht. Über seinen  Sohn Affenthaler (1897 – 1904), einem schicken Rappen  a. d. Adele gibt es folgende Informationen „Kleiner, sehr schöner Hengst. Von seinen Nachkommen konnten nur wenige  zu Zucht verwendet werden, weil die meisten roarten.“

Desweiteren setzte man den oben bereits erwähnten Manzanares erfolgreich ein. Aus der Zucht des Comte de David Beauregard stammte der 1895 geborene Serpent xx  v. Tantale xx a. d. Serpentine xx. Auf den französischen Bahnen erwies er sich als besonders hartes Hindernispferd und schlug in einigen Rennen die besten Pferde Frankreichs.  Er kam 1901 ins Weiler Gestüt, nur vereinzelt wurde er bei den Vollblütern eingesetzt.


Nach seinem dortigen Zuchteinsatz kam der Rappe ins Landgestüt Gudwallen nach Ostpreußen. Dort wurden die Zuchtoberen Trakehnens auf ihn aufmerksam und holten ihn als Hauptbeschäler. Diese Funktion erfüllte er von 1918 – 1922.  Beschrieben wurde er als „ ziemlich bedeutendes und starkes Vollblutmodell von recht guten Proportionen; tief, rippig und gut bemuskelt; Hals, Schulter, Widerrist und Linien sehr gut; infolge Niederbruchs steile Hinterbeine mit durchgetretenen Fesseln. – Hat nicht viel für die Zucht hinterlassen; im Ganzen auch wenig Fohlen.  Seine Befruchtung war nicht ausreichend. Die Fohlenverluste bis zum Abschluss des 3. Lebensjahres  - ohne dabei dem Hengst allein die Schuld geben zu wollen – unverhältnismäßig hoch“.
Seine züchterische Leistung in Trakehnen waren 5 gekörte Söhne von denen Hurra  (1920/Rappe) nach Russland verkauft wurde und  Elchträger (1921/Rappe) in die schlesische Zucht ging.


Serpents  Sohn Harald (1920/Rappe) ist Urgroßvater der typvollen  ostpreußischen Treckstute Ameise 1648/36, die uns an anderer Stelle nochmals begegnen wird. Ihr Pedigree ist ein gutes Beispiel für das übergreifende Zusammenspiel guter Gene aus den beiden Gestüten Weil  und Trakehnen.
Der letzte Hengst der 1908 den Weiler Stuten zur Verfügung stand war Souakim O.A.. Er selbst und seine Mutter Smyrna O.A. wurden 1894 im mecklenburgischen Landgestüt Redefin  von Großherzog Friedrich Franz I. für Weil erkauft.  Seine Mutter ist  in der Wüste von einem  unbekannten Hengst tragend geworden und brachte ihren Sohn im Mutterleib nach Deutschland.
In Weil angekommen wurden beide hochgeschätzt und lange in der Zucht behalten.  Da  im Laufe der Zeit das Blut des Souakim O.A. sehr stark in der Weiler Herde vertreten war, konnte er nur noch  beschränkt  genutzt werden.  Schweren Herzens trennte man sich von diesem guten Hengst, der 1910 in die Zucht des Baron Leopold Pfeiffer nach Visnyevcze  in Serbien ging. Im Gegenzug dazu kam Demir Kaja ox nach Weil.


Weil züchtete nicht nur Rennpferde, sondern schickte sie auch auf die verschiedenen Bahnen Deutschland. Die „Weiler“  starteten mit ihren Jockeys in schwarz-rotgestreifter Kappe unter dem Motto
„Hie Gut Württemberg Allewege.“
Sie brachten mit diesem Slogan  den einen oder anderen Pokal zum Ruhme ihrer Zuchtstätte  mit nach Hause. 1922  siegte  z. B. der  Hengst  Hausfreund xx  (1919/Braun) v. Landgraf xx a. d. Hecuba xx v. Czabat xx beim legendären Derby in Hamburg Horn.


Zeitenwende
Bedauerlicherweise schlichen sich zu diesem Zeitpunkt mehrere züchterische Fehlentscheidungen ein.  Viele junge und gute Hengste verließen ungenutzt das Gestüt. Es herrschte ein Mangel an geeigneten Vatertieren.  Zudem hatte man die männliche Linie des Gründers Bairactar O.A. zum Aussterben gebracht.
Viel versprechend war  der Einsatz des aus Trakehnen kommenden Dardziling ox.

Der kastanienbraune Hengst stammte aus der Zucht des Fürsten Sangusko und kam viel herum im damaligen Preußen. Zuerst Landbeschäler in Lindenau (Brandenburg),  ging es dann über Zirke  ins ostpreußische Gudwallen.   Im Tausch gegen den Weiler Beschäler Sonntag ox (1908/Schimmel) v. Seladon  ox a. d. Smyrna O.A. kam er nach Weil wo er sich  in den Kriegsjahren  1914 – 1917 als guter Stutenmacher bewährt hat, trotz seiner etwas anderen Blutführung.


Nach dieser erfolgreichen Tätigkeit ging er wieder zurück nach Trakehnen, diesmal im Tausch gegen den braunen turkmenischen Hengst  Djeiran, der so ganz und gar nicht nach Weil passte. Seine unedlen Produkte fielen in der doch sehr edlen und homogenen Herde sofort  unangenehm auf. Bis 1929 kam er zum Einsatz und erst 1932 wurde er getötet.


Dardziling ox war bis 1920 wieder Gudwaller Landbeschäler und kam 1930 ins preußische Haupt und Landgestüt Graditz bei Torgau a. d. Elbe, Bezirk Leipzig, dort verliert sich seine Spur.


Die Weiler Vollblutaraber erwiesen sich im ersten Weltkrieg als gute vortreffliche  Dienstpferde, hart und ausdauernd.  Die Stute Soldateska  ox (1911/Schimmel) v. Souakim O.A. kam nach ihrem Kriegsdienst als Mutterstute zurück  ins Gestüt und erwies sich als fruchtbar und langlebig.
Mit dem Tod König Wilhelms II. gab es einschneidende Veränderungen. Der  Grundbesitz des Gestüts ging  an das neue Oberhaupt des Hauses Württemberg.  Herzog Albrecht  verpachtete die Domänen Weil und Scharnhausen für 12 Jahre an Pauline Fürstin zu Wied mit dem Ziel die königliche Pferdezucht fortzuführen.


Pauline war die 1877 geborene Tochter von  König Wilhelm II., die 1898 Erbprinz Friedrich  Hermann zu Wied heiratete.  Nach ihrer Hochzeit wohnte das Paar in Berlin, später dann in Neuwied am Rhein.


Sie hatte von ihrem Vater die Pferdeliebe und sein züchterisches Engagement  geerbt. Selbstverständlich nahm sie die Herausforderung an, das Weiler Gestüt in seinem Sinne weiterzuführen. Schon als kleines Kind hielt sie sich ständig im Pferdestall auf und kannte bald  alle Pferde mit Namen. 


Die Araberzucht erlebte unter Pauline eine neue Blütezeit. 1925 war die Mutterstutenherde wieder auf 14 Köpfe angewachsen.
Ihr gelang es den bereits  21jährigen zuchterprobten  Koheilan IV ox aus dem ungarischen Nationalgestüt Babolna  ins Gestüt zu holen, der sich sehr gut in die Herde einbrachte.


1930 kam durch Vermittlung von C.A.Raswan  aus dem ägyptischen Gestüt Manial  der robuste,  etwas klein und gedrungen wirkende  Jasir O.A. ins  Gestüt. Der homozygote Schimmel  mit seinem auffallend  hübschen Kopf und seine großen ansprechenden Augen brachte wieder etwas mehr Glanz und Adel in die Herde. Er drückte als wahre  Zuchtelite der  Weiler Zucht seinen untrüglichen Stempel auf. 40 Nachkommen  führten ihn als Vater und er wird uns hier noch öfters begegnen. Zeitlebens befand er sich im Besitz der Fürstin.


Das Ende von Weil
Als Auswirkung der  Weltwirtschaftskrise von 1932 sah sich Fürstin Pauline gezwungen das Weiler Arabergestüt aufzugeben. Grund dafür waren die enorm hohen Aufzuchtkosten, die stetig wachsenden Futtermittelpreise und die immer höheren Gehälter für ihre Mitarbeiter, die sich mit den erzielten Verkaufserlösen nicht mehr in Einklang bringen ließen.


König Wilhelm I. war ein weitsichtiger  Mann gewesen. Testamentarisch hatte er festgelegt, dass die Araberzucht, die ihm so sehr am Herzen lag, niemals  aufgelöst  oder verkauft werden durfte. Sie sollte, falls notwendig, in die Obhut des württembergischen Landes übergehen umso weiter  bestehen zu können.
Schweren Herzens erfüllte die Fürstin den Wunsch ihres Urgroßvaters und überstellte  am  03. November 1932 die Pferde dem Landgestüt Marbach, wo sie eine neue Heimat fanden. Es waren  die drei Hengste Jasir O.A., Kurde ox und Schaseman ox, sowie  acht bewährte Mutterstuten darunter  Caesarea ox, Carmen ox, Dinarsard ox, Doris ox und Soldateska ox.  Auch die jungen Stuten Czeska ox,  Dongola ox, Glaukopis ox und Khasa ox, die später ins Hauptgestüt Trakehnen überwechselten waren dabei. Kurde ox wurde 1941 als Wallach und Schaseman ox 1939 verkauft.


Die Fürstin handelte mit dem Land Württemberg einen Vertrag aus, der sie bei allen Verkäufen von Nachkommen dieser Pferde finanziell beteiligte.
Nach dem Tod ihres Mannes 1945 zog Pauline wieder nach Württemberg zurück. Sie bewohnte die Villa  Marienwahl in Ludwigsburg, die sie  einst von ihrem Vater geerbt hatte, ganz in der Nähe des Schlosses.  Dort widmete sie sich wieder der Pferdezucht und betrieb eine kleine, aber erfolgreiche Traberzucht.  Sie ließ es sich nicht nehmen das Gestütsbuch selbst von Hand und akribisch genau, immer auf dem aktuellsten Stand zu führen.  Besondere Freude dabei bereitete ihr die Ausarbeitung des Deckplanes.


 Hier möchte ich noch etwas Persönliches  einfließen lassen. In den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts fanden in Ludwigsburg große internationale Reitturniere statt. Alle kamen sie die Schockemöhles, Nelson Pessoa mit seinem Bruder Helio  (Brasilien),  die  Gebrüder d’Inzeo (Italien), William Steinkraus (USA),  Josef Neckermann, Liselotte  Linsenhoff  und, und, und. Am letzten Tag, bevor das Turnier zu Ende ging, fuhr stets die sehr wohlbeleibte Fürstin  in ihrem langen bis zur Erde reichenden Rock,  Herrenhemd mit  weiter Weste, Fliege  und  Jackett,  alles in dunklem Stoff  gehalten und dem dazu passendem Hut mit einem ihrer Pferde in die vollbesetzte Arena ein um die letzte Siegerehrung  vorzunehmen. Es war schon ein faszinierendes Bild, die alte Dame um die sich so viele Geschichten rankten persönlich zu sehen. Selbstverständlich  erhielt die  zigarrenrauchende Dame  mit ihren Auftritten „Standing Ovations“. 


1965 verstarb sie. Zuvor beantragte sie bei der Stadt Ludwigsburg  im Falle ihres Todes  die Zusage  ihre  Grabstätte mitten auf der  Pferdekoppel errichten zu dürfen. Dafür erhielt sie eine Genehmigung und noch heute steht dort ein großes Steinkreuz  und erinnert uns an die vergangenen Tage.
Das Land Baden-Württemberg und die Zuchtoberen des Gestüts gehen bis zum heutigen Tage verantwortungsbewusst mit diesem nicht alltäglichen,  äußerst wertvollen  und kulturellen  Erbe um. Sie setzen gezielt  besonders gute Pferde ein um die Zucht weiter zu entwickeln. Es ist stets eine Augenweide für den Betrachter  die „Weiler“  zu sehen und vielleicht ist es sogar eine der lebendigsten Geschichten in der deutschen Kulturlandschaft.


In allen Pferdezuchten trifft man, wie das Beispiel von Amurath-Weil ox schon gezeigt hat immer wieder auf die Weiler Blutströme, doch wie sieht dies  detailliert in der Trakehner Zucht aus? Dazu sollen die einzelnen Stutenfamilien Weils genauer beleuchtet werden.




 
 
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