Montag, 20. November 2017
 


DERBY-Frühjahrsfachtagung 2017 in der Niedersachsenhalle Verden/Aller


Von: Inge Weißkirchen

Am Samstag, 4. März 2017, luden Trakehner und Hannoveraner Jungzüchter zur diesjährigen Frühjahrsfachtagung ein. Der Ort war mit Bedacht gewählt, fand doch gleichzeitig in Verden die HLP-Sportprüfung Dressur und Springen für 3- und 4-jährige Hengste statt. Zwei Damen waren für diese Veranstaltung sogar eigens mit dem Nachtzug aus Österreich angereist, was einmal mehr zeigt, welchen Stellenwert diese von den Jungzüchtern unter der Federführung von Theresa Döhler immer wieder perfekt organisierten Tagungen haben!


Der Fokus lag dieses Mal auf der Beurteilung junger Pferde. Die Frage, welche Erwartungen Richter und Fremdreiter an das moderne Reitpferd haben, konnte vor Ort u. a. im Rahmen des Fremdreitertest beantwortet werden. Interessant war in diesem Zusammenhang sicher die öffentliche und in den meisten Fällen nachvollziehbare Kommentierung der teilnehmenden Hengste.


Aber von vorn: 75 Reiter, Pferdezüchter und –freunde verschiedener Zuchtverbände folgten der Einladung zur DERBY Fachtagung, für die Dr. Mario von Depka Prondzinski, Dr. Theo Schneider, Stefan Blanken und Gisela Gunia als Referenten gewonnen werden konnten.


Dr. von Depka Prondzinski, u. a. Facharzt für Transfusionsmedizin, Direktor des Werlhof-Institutes sowie erfolgreicher Züchter und Inhaber von Gut Lonken im niedersächsischen Bretel-Visselhövede, gab den Teilnehmern einen kurzweiligen Einblick zum Thema „Genomische Selektion beim Pferd“. Die Überschrift seines Vortrages „Die Revolution hat begonnen“ ist durchaus wörtlich zu nehmen, sprechen wir in diesem Zusammenhang doch schlussendlich von der Entschlüsselung und Veränderung bzw. Beeinflussung der Erbinformationen.


Die zur Selektion erforderliche Gesundheitsdatenbank mit einer Mindestanzahl von 5.000 Pferden sei laut von Depka Prondzinski zwar Zukunftsmusik und könne nur gespielt werden, wenn sich bei einheitlicher Bewertung möglichst viele Tierärzte daran beteiligten, ihre  Vorteile lägen allerdings auf der Hand: Durch die genomische Selektion im Hinblick auf u. a. Leistung, Gesundheit und Exterieur könnten mit hoher Zuverlässigkeit gesündere und leistungsfähigere Pferde gezüchtet werden, die den Reitern einen einfacheren Umgang mit ihnen ermöglichten. Diskutiert und durchaus als bedenklich eingestuft wurde in diesem Zusammenhang allerdings auch die ethische Seite einer solchen Selektion. Trotzdem wird diese Entwicklung nicht aufzuhalten sein, die Frage ist nur, wie man zukünftig mit dem erlangten Wissen umgehen wird.

Um das Thema „Vermarktung und Wertermittlung junger Pferde“ ging es anschließend bei dem Vortrag von Dr. Theo Schneider aus dem hessischen Obertiefenbach. Als Pferdezüchter und ehemals erfolgreicher Dressurreiter fungiert er heute als Sachverständiger für den Bereich Zucht, Haltung und Bewertung von Pferden sowie als Inhaber der Firma Hippotax. Nach Aussage von Dr. Schneider würden der Wertermittlung verschiedene Verfahren zur Verfügung stehen sowie diverse Faktoren zugrunde gelegt, wie z. B. Verwendung, Alter, Gesundheitszustand, Ausbildungsstand, Vermarktungsmöglichkeiten, Aufzuchtkosten etc. Berücksichtigt werden müsse allerdings, dass der objektive Wert, also der Verkaufswert, nicht zwingend dem Verkaufspreis entspräche und man sich darüber in klaren sein müsse, dass subjektive Faktoren diesen durchaus beeinflussen könnten. Zudem bestimme Angebot und Nachfrage auch im Pferdebereich in der Regel den möglichen Kaufpreis.


Nach einer kurzen Mittagspause, in der die meisten Teilnehmer die Möglichkeit nutzten, die parallel zur Fachtagung laufende HLP-Sportprüfung zu verfolgen, ging es in eine separate Reithalle zum 1. Praxisteil: Stefan Blanken, Pferdewirt, Zuchtrichter Dressurreiter und Züchter aus Hepstedt sowie FN Testreiter des Hannoveraner Verbandes kommentierte als Fremdreiter zwei Hannoveraner aus der Zucht und im Besitz von Hermann und Bärbel Stahmann. Präsentiert wurden diese beiden Pferde (5-jährige Stute, Klassensiegerin der Stutenschau Verden 2016 und siegreich in einer Reitpferdeprüfung sowie ihr 4-jähriger Halbbruder) von Constanze Röwer. Stefan Blanken nahm im Sattel Platz und erläuterte auf sehr anschauliche und verständliche Weise, welche Erwartungen er als Fremdreiter an ein junges Pferd hat und inwieweit die beiden vorgestellten Pferde seinen Erwartungen entsprachen. Neben der Bewegungsqualität seien eben auch die Reaktionsfähigkeit sowie die Charaktereigenschaften und schlussendlich natürlich die Perspektive als Sportpferd ausschlaggebend für die Notenvergabe. Beiden Pferden attestierte er gute Zukunftsaussichten und somit Noten im 8er Bereich.


Nach einer kurzen Kaffeepause ging es last but not least mit Frau Gunia in die große Veranstaltungshalle zum 2. Praxisteil. Gisela Gunia, Pferdewirtschaftsmeisterin, Turnierrichterin und erfolgreiche Pferdezüchterin auf dem Trakehnergestüt Eichenhof, gab Einblicke in die „Beurteilung junger Pferde unter dem Sattel“. Was möchten die Turnierrichter sehen? Was ist ihnen wichtig im Hinblick auf die Rittigkeit, den Ausbildungsstand, die korrekte Ausführung der geforderten Aufgaben, die Fähigkeit bzw. der Wille zur Mitarbeit? Anhand einiger Hengste, die sich zeitgleich der HLP-Sportprüfung Dressur stellten, erläuterte Gisela Gunia die unterschiedlichen Bewertungskriterien. Interessant war in diesem Zusammenhang für uns als Teilnehmer aus dem Lager der Trakehner sicher die Teilnahme dreier Hengste mit Trakehner Brand: Dies waren zum einen der 4-jährige, in Dänemark von Alan Nissen gezogene HELIUM v. Millennium, der gleichaltrige HERZENSBRECHER v. RUFFIAN REEF xx aus der Zucht von Stephanie Herken-Wendt sowie der bereits 5-jährige HONORÉ DU SOIR v. EASY GAME (Züchter: Martin Hillmann). Erfreulicherweise bestanden sowohl HELIUM (gewichtete dressurbetonte Endnote 8,02) als auch HONORÉ DU SOIR  (gewichtete dressurbetonte Endnote 7,86) ihre Prüfung mit guten Noten. HERZENSBRECHER wurde von seiner Besitzerin zurückgezogen.
Für mich war vor allem der praxisorientierte Teil sehr aufschlussreich im Hinblick auf die Nachvollziehbarkeit der Notenvergabe, und so fuhr ich mit neuem Wissen und vielen Eindrücken zurück ins westfälische Raesfeld auf unser Gestüt ISSELHOOK.


Herzlichen Dank an das Team rund um Theresa Döhler für die Organisation dieser interessanten Veranstaltung. By the way: Ihr seid einfach Klasse, macht weiter so!




 
 
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